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  • Donald Trump, der Lügner: Sportjournalist Rick Reilly hat Buch über US-Präsidenten geschrieben

US-Sportjournalist Reilly: „Trump betrügt beim Golf, bei den Steuern, er betrügt seine Frauen und sein Land“

  • Der US-Sportjournalist Rick Reilly hat Donald Trump beim Golfspielen beobachtet – und darüber ein Buch geschrieben: „Der Mann, der nicht verlieren kann“.
  • Was lehrt uns Trumps Verhalten auf dem Golfplatz für die US-Wahl?
  • Reilly erwartet, dass Trump jede Gelegenheit zum Betrug ergreifen wird.
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Rick Reilly, Sie haben über Trumps Verhalten auf dem Golfplatz geschrieben – es ist ein vernichtendes Buch geworden. Was sehen Sie, wenn Sie den Präsidenten auf den Golfplatz begleiten?

Wissen Sie, Golf ist ein Sport, bei dem sich normalerweise alle Spieler geeinigt haben, nicht zu schummeln. Denn schummeln wäre viel zu einfach. Man steht oft Hunderte Meter auseinander. Jeder könnte den Ball unbemerkt an eine günstigere Position legen. Es ist ein Spiel für Gentlemen, für Freunde. Aber Trump kann so nicht spielen. Er nutzt jede Gelegenheit, um seine Mitspieler zu betrügen, selbst seine Freunde und Familienmitglieder. Und dabei geht es nur um kleine Wetten, um 10, 20, 100 Dollar. Trump will sie alle gewinnen. Er nimmt deine 10 Dollar, gibt dir einen Milchshake aus und erklärt sich zum Champion der ganzen Welt.

Der US-Sportjournalist Rick Reilly. © Quelle: privat
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Wie sehr wird er betrügen, um eine Wahl zu gewinnen?

Er betrügt nicht nur beim Golf, er betrügt bei den Steuern, er betrügt seine Frauen, er betrügt sein Land. Beim Golf kann man besonders gut sehen, wie und warum er das tut. Er räumt genau das ein. Drei meiner Gesprächspartner haben es unabhängig voneinander bestätigt, dass er ihnen sagte: „Ich betrüge meine Frau, ich betrüge das Finanzamt – glaubt ihr, dass ich ausgerechnet beim Golf nicht schummle?“

„Wenn er die Wahl verliert, wird er sich trotzdem als Sieger darstellen“

Warum hat Trump noch eine Chance bei der Präsidentschaftswahl?

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Mensch, ich weiß es nicht. Ich verstehe das selber nicht. Jeder weiß, jeder sieht, wie er lügt und betrügt, wie er alles umdreht. Er muss gewinnen, egal wie. Und wenn er dann doch mal verliert – wie die Wahl, da bin ich sicher – dann schreit er: „Betrug!“ Das tut er ja bereits seit Wochen, er nennt die Briefwahl unglaubwürdig, er bereitet die Erklärung vor, warum ihm die Wahl gestohlen wurde. Wird er wirklich einräumen müssen, dass er die Wahl verloren hat, dann wird er sich auflösen wie die Böse Hexe des Westens beim Zauberer von Oz – ein Eimer Wasser über den Kopf, und es bleibt nur eine Pfütze übrig.

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Das wird er mit allen Mitteln verhindern wollen.

In einem seiner Golfklubs hat er befohlen, eine Plakette mit seinem Namen als Klub-Champion aufzuhängen – obwohl er in der Klubmeisterschaft gar nicht mitgespielt hat. Er hält es nicht aus, irgendwo hinzukommen, wo etwas darauf hinweist, dass er nicht immer und überall der Beste ist.

Was sagt uns das jetzt für die Wahl?

Wenn er die Wahl verliert – und ich hoffe so sehr, dass das geschieht – wird er sich auf irgendeine Weise trotzdem als Sieger darstellen müssen. Das gehört zu seinem ernsthaften psychologischen Problem.

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Am 3. November wird der nächste US-Präsident gewählt – aber das Wahlsystem bringt einige Schlupflöcher mit sich.  © RND

Corona in den USA: Trump zeigt kein Mitgefühl

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Das könnte sich zu einem Problem des ganzen Landes auswachsen – wenn Trump eine mögliche Niederlage nicht akzeptiert und es keinen geordneten demokratischen Übergang gibt. Bewaffnete rechtsradikale Gruppen bereiten sich auf so ein Szenario vor. Wie schlimm kann es werden?

Trump ist ein Bully, aber er ist auch eine Pussy. Er ist vor allem kein Stratege. Er ist kein Stalin oder Fidel Castro, er kann keinen Staatsstreich planen. Außer den rechtsextremen weißen Milizen wird niemand für ihn kämpfen. Er hat die Militärs beleidigt, er hat John McCain beleidigt, der als Held verehrt wird. Ich kann mir nicht eine einzige Sekunde vorstellen, dass irgendjemand in Uniform einen Putsch unterstützen würde. Biden sagt: Habt keine Angst, geht wählen. Macht euch keine Sorgen. Wenn Trump verliert, ist es vorbei. Und er hat recht.

Trump nimmt für sich sogar in Anspruch, gegen Corona gewonnen zu haben. Wie bewerten Sie solche Sätze?

Er hat die beste Medizin bekommen, die normale Leute nicht bekommen. Hat er das Coronavirus besiegt? Selbst wenn er persönlich die Krankheit besiegt hat, was ist mit den mehr als 200.000 Toten in den USA? Ein Freund von mir ist Arzt auf der Intensivstation hier in Los Angeles. Er sieht junge Leute, deren Lungen für ihr ganzes Leben ruiniert sind. Trump stellt sich hin und sagt: Habt keine Angst vor dem Virus. Das ist falsch und tödlich, und er zeigt nicht ein bisschen Mitgefühl für die Toten und Hinterbliebenen.

Auch Clinton schummelte beim Golf – aber anders

Sie machen sehr deutlich, dass Donald Trump jede Regel des Golfspiels verletzt. Warum hat er es dennoch geschafft, ein Golfimperium aufzubauen?

Er sagt, er habe die besten Golfplätze der Welt. In seinen Steuerunterlagen hat er 316 Millionen Dollar Verluste seit 2000 für seine Golfklubs angegeben. Wenn es die besten Golfplätze der Welt sind, warum will dort keiner spielen? Er sagt, er sei ein toller Golfspieler mit einem Handicap von 2,8. Ich habe mit ihm gespielt – er ist gut, aber wenn er ein Handicap von 2,8 hat, dann ist Angela Merkel eine Stabhochspringerin. Er sagt, er habe 18 Klubmeisterschaften gewonnen. Er hat mir gegenüber eingeräumt, dass es meistens vor der Eröffnung des Klubs war, als es noch keine anderen Mitglieder gab. Dieses Kartenhaus wird zusammenfallen, wenn er abgewählt ist.

Sie haben mit vielen Präsidenten gespielt. Spielt Joe Biden eigentlich Golf?

Ja. Er ist ungefähr auf dem Niveau von Trump, also bei einem Handicap von 10 oder 11. Biden spielt längst nicht so viel wie Trump. Er spielt ungefähr so viel wie Bill Clinton, einmal alle paar Wochen. Ich habe übrigens mit Clinton gespielt – er schummelt auch immer, aber ganz anders als Trump, eher mit einem Augenzwinkern. Er spielt seinen ersten Schlag, dann fünf oder sechs „Übungsschläge“, was eigentlich verboten ist – und dann sagt er: „Nehmen wir den besten davon.“ Clintons Schummeln ist so, wie wenn einer in der Bank einen Kugelschreiber mitgehen lässt. Trump hingegen raubt den Tresor aus.


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