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Donald Trump: ein Booster mit politischen Nebenwirkungen

Einst trieb er die Entwicklung der Covid-Impfung voran. Doch lange schwieg Ex-Präsident Donald Trump zu den Verschwörungslegenden der Impfgegner. Nun wirbt er erstmals für die Immunisierung.

Washington.In seiner kruden Weltsicht ist Barack Obama ein Al-Kaida-Terrorist, und Hillary Clinton betreibt ein Pädophilen-Netzwerk: Der rechtsextreme Radio-Moderator Alex Jones gehört zu den glühendsten Trump-Unterstützern der ersten Stunde. „Keine Sorge, Herr Präsident. Die Kavallerie ist auf dem Weg!“, rief er seinem Idol noch nach der verlorenen Wahl im November 2020 über den Sender zu.

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Doch plötzlich scheint es vorbei zu sein mit der Bewunderung des bekanntesten Verschwörungspropagandisten der USA für den Ex-Wüterich im Weißen Haus. „Das ist ein Katastrophenalarm für Präsident Trump“, drohte der 47-Jährige zu Weihnachten auf seinem Kanal „Infowars“: „Entweder sind Sie komplett ahnungslos (...) oder Sie sind einer der bösartigsten Menschen, die je gelebt haben.“

Erkaltete Liebe: Noch bei einer Kundgebung in Washington im November 2020 warb der rechtsextreme Verschwörungspropagandist Alex Jones für Trump. Nun nennt er ihn "bösartig".

Erkaltete Liebe: Noch bei einer Kundgebung in Washington im November 2020 warb der rechtsextreme Verschwörungspropagandist Alex Jones für Trump. Nun nennt er ihn "bösartig".

Ausgelöst wurde der plötzliche Sympathieabsturz durch zwei Interviews, die Trump in den jüngsten Tagen gegeben hat. Zunächst bekannte er am Sonntag vor einer Woche bei einer Veranstaltung in Dallas, dass er vollständig gegen das Coronavirus geimpft sei und eine Auffrischungsspritze erhalten habe.

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Dann erklärte er am Mittwoch in einem Interview mit der ultrarechten Talkshow-Gastgeberin Candace Owens: „Wenn Sie sich impfen lassen, sind Sie geschützt. (...) Wenn Sie es bekommen, dann nur in milder Form.“ Die Äußerungen, kommentierte Präsident Joe Biden zufrieden, gehörten zu den wenigen Dingen, „bei denen wir übereinstimmen“.

„Nur über meine Leiche“ will sich Sarah Palin impfen lassen

In der von Verschwörungsfantasien geprägten Welt der Trump-Anhänger aber ist seither der Teufel los. Nicht nur Jones warf dem Ex-Präsidenten vor, „dreckige Lügen“ zu verbreiten und seine Mitmenschen mit einem „gefährlichen Gift“ malträtieren zu wollen.

„Nur über meine Leiche!“, formulierte die Tea-Party-Ikone Sarah Palin ihren Widerstand gegen eine Covid-Immunisierung. Und die rechtsextreme republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Greene, die vor einiger Zeit die Impfkampagne mit dem Holocaust verglichen hatte, bekräftigte: „Ich bin nicht geimpft. Ich werde mich nicht impfen lassen, weil ich Amerikanerin bin.“

Tatsächlich ist die Corona-Impfung in den USA hoch politisiert, und die Trennlinien verlaufen weitgehend entlang der politischen Präferenzen. Während 86 Prozent der demokratischen Wähler nach einem Bericht der „New York Times“ mindestens eine Spritze gegen das Virus erhalten haben, liegt die Quote bei den Republikanern nur bei 60 Prozent.

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Das hat Folgen für die Verteilung der schweren und tödlichen Krankheitsfälle im Land. Während im Oktober in Gebieten, die für Trump gestimmt hatten, 25 von 100.000 Einwohnern an Covid starben, lag der Anteil in demokratischen Regionen bei 7,8 von 100.000 Einwohnern.

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Entsprechend positiv werden Trumps Äußerungen von der Biden-Regierung aufgenommen. „Ich kann nur wiederholen, was Ex-Präsident Trump über die Sicherheit und die Wirksamkeit der Impfung gesagt hat“, erklärte Jen Psaki, die Sprecherin des Weißen Hauses, zufrieden.

In der Regierungszentrale hofft man, durch Trumps Äußerungen endlich auch jene Menschen erreichen zu können, die sich hartnäckig einer Immunisierung verweigern. Mit einer Quote von lediglich 61,7 Prozent vollständig Geimpften hinken die USA vielen europäischen Ländern hinterher. „Es ist eine gute Sache, wenn er zum Impfen aufruft“, applaudierte Bidens Topexperte Anthony Fauci: „Ich hoffe, er macht das weiter.“

Doch ob Trump, der sich selbst reichlich für seinen Anteil an der Entwicklung der Vakzine lobt, tatsächlich viele Anhänger überzeugen kann, ist unklar. In Dallas wurde sein Bekenntnis zur Booster-Impfung aus dem Publikum vereinzelt mit Buhrufen quittiert. Und die schwarze Aktivistin und Impfgegnerin Owens sah sich nach ihrem Trump-Interview genötigt, die aufgebrachte rechte Basis zu beruhigen.

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„Die Menschen vergessen oft, wie alt Trump ist“, erklärte sie ihren vier Millionen Followern in einem Video bei Instagram. Den einstmals verehrten Präsidenten porträtierte sie als seniles Opfer der Mainstream-Medien: „Er kommt aus einer Generation, die vor dem Fernsehen und vor dem Internet geboren wurde und bevor man selber unabhängige Recherchen durchführen konnte.“

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