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  • DKG: Personalmangel bei Pflegefachkräften in Kliniken 2021 zugespitzt

DKG: 12 Prozent der Pflege­fachstellen auf Intensiv­stationen unbesetzt

  • „Wir haben praktisch keine Reserven“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem RND.
  • Es dauere viele Monate, bis eine neue Pflegefachkraft gefunden sei.
  • Auch die Bundesagentur für Arbeit registriert vermehrt offene Stellen.
Maximilian Hett
Kathleen Retzar
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Berlin. Der Personalmangel bei den Pflegefachkräften in den Krankenhäusern hat sich im Corona-Jahr 2021 weiter zugespitzt. „Für das zurückliegende Jahr bedeutet das, dass 6 Prozent der Stellen auf den Normalstationen unbesetzt blieben. Auf den Intensivstationen sah die Lage kritischer aus. Hier blieben 12 Prozent der Stellen unbesetzt“, sagte Gerald Gaß, Vorsitzender der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG), dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Das ist gerade in Zeiten andauernd hoher Belastung eine sehr schwierige Situation, denn wir haben praktisch keine Reserven, um Personalausfälle zu kompensieren“, erklärte Gaß. Das sei auch der Grund, weshalb während der Pandemie ein Teil der vorhandenen Intensivkapazitäten zeitweise oder dauerhaft habe abgemeldet werden müssen.

Arbeitsagentur registriert mehr offene Stellen im Pflegebereich

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Im vergangenen Jahr konnten demnach 8000 Arbeitsplätze auf den Intensivstationen und damit jede achte Fachstelle nicht besetzt werden, sagte Gaß. Bis eine Intensivfachkraft für eine offene Stelle eingestellt wurde, seien im Durchschnitt 21 Wochen vergangen. Vor fünf Jahren hätten die Kliniken bundesweit lediglich 3100 zusätzliche Stellen ausgeschrieben.

Auf den Normalstationen seien im vergangenen Jahr bundesweit rund 14.000 Stellen für examinierte Pflegefachkräfte in den Kliniken unbesetzt geblieben. Vor fünf Jahren waren es Gaß zufolge nur 3900 unbesetzte Stellen. Bis eine Fachkraft eingestellt worden sei, habe es 2021 durchschnittlich 17 Wochen gedauert.

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Auch die Bundesagentur für Arbeit registrierte einen deutlichen Anstieg der offenen Stellen im Pflegebereich. Dies umfasst nicht nur Beschäftigte in Krankenhäusern, sondern auch etwa im Rettungsdienst.

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Waren im Dezember 2016 noch 12.361 Fachstellen unbesetzt, lag die Zahl im Dezember 2021 bei 15.393. Das entspricht einem Anstieg von fast 25 Prozent. Dies geht aus Zahlen hervor, die dem RND vorliegen. Im Durchschnitt dauerte es im vergangenen Jahr mehr als sechs Monate, bis eine Stelle bei der Arbeitsagentur abgemeldet wurde.

„Irgendwann melden sie offene Stellen nicht mehr“

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Mehr offene Stellen gab es zudem für Ärztinnen und Ärzte. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen von 2533 um 9 Prozent auf 2761. Innerhalb von fünf Jahren gab es bei den Gesuchen sogar ein Plus von mehr als 30 Prozent.

Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit betonte allerdings gegenüber dem RND, dass gerade Stellenausschreibungen für Human- und Zahnmedizinerinnen und -mediziner auch auf anderen Wegen als über die Arbeitsagentur erfolgten.

Bei der Altenpflege verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Dezember mit 12.627 offenen Stellen hingegen weniger unbesetzte Arbeitsplätze als in den Jahren zuvor. Daraus könne man aber nicht automatisch folgern, dass es tatsächlich weniger unbesetzte Stellen gebe, sagte der Sprecher der Agentur für Arbeit dem RND. „Wenn Arbeitgeber wiederholt keine qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber finden, melden sie offene Stellen irgendwann nicht mehr“, betonte der Sprecher.

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Gaß sagte, die Zahl der unbesetzten Pflegestellen in den Krankenhäusern sei in den letzten Jahren nicht sprunghaft gestiegen, sondern stetig angewachsen: „Viele Gründe führen dazu, dass das Fass beim Pflegepersonal in Krankenhäusern zum Überlaufen gebracht wird und diese zum Entschluss kommen, ihren Job zu kündigen.“

Das Problem habe sich aus verschiedenen Gründen verschärft. „Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhe- oder Vorruhestand. Außerdem bleiben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger in der Elternzeit und verbleiben anschließend länger in Teilzeit.“

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Gaß: Berufsspezifische Impfpflicht für Krankenhäuser kein großes Problem

Während es auf dem Land vor allem an Ärztinnen und Ärzten mangele, da diese lieber nach dem Studium in den Universitätsstädten bleiben, zögen Pflegefachkräfte wegen der hohen Mieten eher aus den Städten aufs Land. Durch die Personalnot komme es teilweise zu einer Spirale. Die Pflegekräfte kündigten auch ihre Jobs wegen der hohen Arbeitsbelastung, was wiederum zu einer noch höheren Belastung für die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führe.

Die Einstellung von weiteren Pflegehilfskräften könne das Personalproblem bei den Fachkräften nur übergangsweise mildern. „Wir brauchen mehr examinierte Pflegefachpersonen aus der Ausbildung, zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland und mehr Bereitschaft, die Teilzeit aufzustocken“, sagte Gaß.

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Die Impfpflicht für das Personal in medizinischen Einrichtungen, die ab dem 15. März gilt, hat Gaß zufolge keine große Auswirkungen auf die Pflegeberufe. „Die Krankenhäuser gehen davon aus, dass über 90 Prozent des Personals bereits geimpft ist. Wir schätzen, dass sich durch die neue Verordnung die Situation in den Kliniken nicht extrem verschärft.“

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