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  • Digitalisierung: Viele Senioren abgehängt - Familienministerin Franziska Giffey will das ändern

Altersbericht: Digitalisierung erreicht viele Senioren nicht

  • Der Achte Altersbericht der Bundesregierung sieht Probleme bei der Einbindung älterer Menschen in die digitale Welt.
  • Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will daran etwas ändern - doch ihr Plan geht nicht jedem weit genug.
  • Digitalisierung für die ältere Generation müsse mutig und vielseitig sein, fordert Digital-Experte Herbert Kubicek - sonst würden viele Senioren abgehängt bleiben.
Tammo Kohlwes
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Berlin. Die digitale Spaltung der Gesellschaft ist nicht nur eine Altersfrage – zu diesem Schluss kommt der achte Altersbericht der der Bundesregierung, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Wichtige Faktoren für die Nutzung von digitalen Technologien sind demnach auch Bildungsstatus, Netzanbindung und soziales Umfeld.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) kündigte an, aus dem Bericht Lehren für die digitale Anbindung älterer Menschen ziehen zu wollen. Doch das reicht nicht jedem: Digital-Experte Herbert Kubicek bewertete die Schlüsse aus dem Altersbericht gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) als unzureichend. Es fehle an Mut, Geld und Differenzierung.

Digitalisierung = Lebensqualität?

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Bei der Digitalisierung für die ältere Generation gehe es nicht nur um die klassische Internetnutzung, sagte der Vorsitzende der Altersberichtskommission, Andreas Kruse, bei der Vorstellung der Studie. Es gehe um die Möglichkeiten der Telemedizin, um Reha-Maßnahmen und Pflegeassistenzsysteme – und auch um den ganz praktischen Nutzen im Alltag, wie Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, ergänzte.

Die Digitalisierung für sich nutzbar zu machen, bringe Menschen in die Mitte der Gesellschaft und damit mehr Lebensqualität, so Müntefering. Sie ermögliche auch in einer Krise wie der Corona-Pandemie Nähe zu Familie und Bekannten, die Beauftragung von Dienstleistung, die Information über die aktuelle Nachrichtenlage, sagte Kruse.

Familienministerin Giffey bezeichnete die Möglichkeiten für die ältere Generation als “enormes Potential für die Digitalisierung”. Man werde Programme zur Vermittlung von digitalem Wissen und für digital unterstütztes altersgerechtes Wohnen unterstützen und die Digitalisierung des Pflegesystems vorantreiben.

Experte Kubicek fordert differenzierte Herangehensweise

Nach Einschätzung von Herbert Kubicek ist es damit allein aber nicht getan. Der Informatik-Professor am Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib) und Vorstandsmitglied der Stiftung Digitale Chancen in Berlin sagt: “Die Politik hat das Ausmaß der Herausforderung noch nicht erkannt.”

Ältere Menschen verweigerten sich aus unterschiedlichen Gründen, so Kubicek. Viele sähen etwa in der Nutzung digitaler Technologien keinen Vorteil für sich. Hier gab Kubicek Müntefering Recht, der eine lebensnahe Vermittlung der Digitalisierung forderte. “Man muss mit den Dingen anfangen, die mit geringem Aufwand hohen Nutzen haben.” Dazu zählten Kommunikation, Wissensgewinn und Orientierung in der Umgebung.

Unterstützung für ältere Menschen

Aufgaben wie Online-Banking könnten später angegangen werden, machten aber auch vielen Älteren Angst, sagte Kubicek. “Sie trauen ihrem Gedächtnis nicht mehr, wenn sie sich jedes Mal neu anmelden müssen”, so der Experte. Solchen Menschen müsse eine dauerhafte Unterstützung angeboten werden – nicht nur durch ein einmaliges Angebot von außen, wie es etwa das Programm “Digitale Engel” des Familienministeriums vorsieht.

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Wieder andere Senioren seien aufgrund ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung hingegen tatsächlich nicht mehr in der Lage, sich neue Technologien anzueignen, oder verfügten schlicht nicht über die erforderlichen finanziellen Mittel. Hier plädiere die Stiftung Digitale Chancen für Hilfe durch Digitalassistenten und finanzielle Unterstützung – nicht nur für Senioren, so deren Vorsitzender.

Barrieren auf dem Weg in die digitale Welt abbauen

“Sehr viele ältere Menschen wollen sich an der digitalen Welt beteiligen, können es aber aus verschiedenen Gründen nicht”, so Kubicek. Einige Barrieren ließen sich durch verschiedene Maßnahmen leicht abbauen.

Von der Politik forderte der Experte klare Zuständigkeiten und ein ausdifferenziertes System, um älteren Menschen digitale Technologien näherzubringen: “Wir müssen die Angebote an den finanziellen, körperlichen und geistigen Voraussetzungen der Menschen ausrichten.” Das sei in einer alternden Gesellschaft entscheidend, um den sozialen Ausschluss älterer Menschen abzubauen und künftig zu vermeiden.


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