Umweltministerin will Streamingqualität drosseln, um Strom zu sparen

Bundesministerin Svenja Schulze zieht erste Corona-Umweltbilanz. Links von ihr Thomas Losse-Müller, Partner Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, rechts Holger Berg, Co-Leiter des Forschungsbereichs Digitale Transformation beim Wuppertal Institut, die das vorliegende Datenmaterial im Auftrag des Umweltministeriums aufbereitet haben.

Bundesministerin Svenja Schulze zieht erste Corona-Umweltbilanz. Links von ihr Thomas Losse-Müller, Partner Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, rechts Holger Berg, Co-Leiter des Forschungsbereichs Digitale Transformation beim Wuppertal Institut, die das vorliegende Datenmaterial im Auftrag des Umweltministeriums aufbereitet haben.

Berlin. Während des Lockdowns wurde eines klarer denn je: Digitalisierung ist wichtig. Viele Arbeitnehmer arbeiten noch immer von zu Hause aus, viele Firmen mussten kurzfristig den Weg dafür ebnen. Arbeitgeber, die vorher sagten, Homeoffice funktioniere nicht, wurden vom Gegenteil überrascht.

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Deutschland wurde digitaler – aber damit nicht unbedingt umweltfreundlicher. Denn während der Verbrauch von Benzin und Diesel in der Krise zurückging, stieg der von Strom für digitale Kommunikation an. Zwar sei es noch zu früh, um zu sagen, was die Krisenmonate unterm Strich für eine Umweltbilanz hätten, räumte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Donnerstag in Berlin ein. Allerdings sei klar, dass für Videokonferenzen, Onlineshopping und Streaming jede Menge Energie verbraucht worden sei.

“Neue Technologien sind nur dann fortschrittlich, wenn sie alles verbessern”, erklärte Schulze. Die Sozialdemokratin will umweltschonende und nachhaltige Digitalisierung vorantreiben, etwa durch eine Drosselung der Qualität von Onlinevideos. “Alles wird so erstellt, dass wir es in bester Auflösung erhalten”, erklärte die Umweltministerin. “Allerdings können die meisten Endgeräte das überhaupt nicht abspielen.” Wichtig sei es außerdem, erneuerbare Energien voranzubringen und Rechenzentren zu verbessern.

CO₂-Wert steigt durch digitale Medien

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfunggesellschaft Ernst & Young GmbH (EY) im Auftrag des Umweltministeriums ließe sich der gesamte Personenverkehr um 8 Prozent reduzieren, wenn virtuelles Arbeiten und Homeoffice zeitnah gefördert würden. In einer Befragung von EY geht mehr als ein Drittel aller Interviewten davon aus, dass interne und externe Meetings auch in den kommenden Jahren durch Videokonferenzen ersetzt werden. 31 Prozent erwarten, dass sie weniger berufliche Reisen unternehmen.

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“Damit die ökologischen Fortschritte dieses neuen Arbeitens voll zur Geltung kommen, muss die Regierung die Energiewende schneller vorantreiben”, fordert Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser. “Nur wenn der wachsende Strombedarf einer digitalen Volkswirtschaft schon ab 2030 ohne klimaschädliche Kohle auskommt und zunehmend aus Sonne und Wind gedeckt wird, profitieren von dieser Entwicklung Menschen und Natur.”

Unser Strom wird vor allem aus fossilen Brennstoffen erzeugt, wodurch CO₂ entsteht. Jede Mail, jede Onlinekonferenz, jeder Schritt im Internet setzt CO₂ frei. Dabei machen Onlinevideos laut der Non-Profit-Gesellschaft The Shift Project fast 60 Prozent des Datenverkehrs aus. Videos beanspruchen sehr große Datenmengen. 2018 lag der CO₂-Verbrauch allein von Onlinevideos bei 300 Millionen Tonnen.

Erneuerbare Energien voranbringen

Um rund 10 Prozent steigt der Energieverbrauch durch Digitalisierung jährlich. “Das allein weist darauf hin, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen müssen”, sagt Holger Berg, Co-Leiter des Forschungsbereichs Digitale Transformation beim Wuppertal Institut. Nicht nur hierzulande müsse daher umgedacht werden, sondern europaweit. Ab Juli konferiert Schulze mit den anderen EU-Ländern und sie erwartet schon bald Ergebnisse von ihnen.

Aus der Befragung von EY ging zudem hervor, dass die meisten Verbraucher zwar die großen Plattformen für Onlinebestellungen nutzen, allerdings gerne bei regionalen Onlinediensten bestellen würden. “Das weist darauf hin, dass wir digitale Zugänge schaffen müssen”, sagt Thomas Losse-Müller, Partner der EY. Das Problem liegt darin, dass Angebote und die Infrastruktur fehlen. Diese müssen geebnet werden.

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Ministerin Schulze zeigte sich überzeugt, dass der Digitalisierungsschub auch nach Ende der Corona-Pandemie das Leben der Menschen verändern werde, und das nicht unbedingt zum Schlechteren. Weniger Pendelei, weniger Dienstreisen, mehr Lebensqualität erwartet die Ministerin. Eine Sache allerdings sei auch klar: “Niemand will, dass das Leben auf Dauer so bleibt, wie es während der Pandemie war.”

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