Digitalisierung an Schulen: Lehrer wollen besser fortgebildet werden

  • In der Corona-Krise ist digitales Lernen so wichtig geworden wie nie zuvor.
  • Doch eine Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zeigt: Lehrer sind sehr unzufrieden mit dem Fortbildungsangebot zu dem Thema.
  • Und das ist nicht das einzige Problem.
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Berlin. Deutsche Lehrer wollen für die Herausforderungen der Digitalisierung in der Schule besser fortgebildet werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der größten deutschen Bildungsgewerkschaft. Sie hat dafür ihre Mitglieder repräsentativ befragt.

Das Ergebnis: Zwar haben 58 Prozent der Befragten an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen in den vergangenen zwei Jahren an Fortbildungen zum Thema Digitalisierung teilgenommen. Aber nur 18 Prozent gaben an, dass es für sie ausreichend viele Angebote zu diesem Thema gäbe.

Als Gründe für die Nichtteilnahme an solchen Fortbildungen wurden vor allem fehlende Angebote, aber auch Zeitmangel genannt. “Da klafft eine große Lücke zwischen Bedarf und Angebot”, sagte Ilka Hoffmann, im GEW-Vorstand für das Thema Schule zuständig.

Die Sache mit dem Digitalpakt

Erhoben wurden die Daten in einer Onlinebefragung von Anfang Februar bis Anfang März, also noch vor der Corona-Krise. Aus Sicht der Gewerkschaft erhöht dies die Aussagekraft des Befundes noch – da das Problem bereits als gravierend wahrgenommen wurde, bevor das Thema digitales Lernen durch die Schulschließungen so drängend wie nie wurde.

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Auch bei der Umsetzung des Digitalpakts fühlen sich die Lehrkräfte nur unzureichend mitgenommen. Anfang vergangenen Jahres hatten sich Bund und Länder nach langem Gezerre darauf verständigt, die Schulen mit 5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren ins Internetzeitalter zu bringen.

Doch auf die Frage, ob sie sich von ihrem Arbeitgeber in den Ministerien gut über die Umsetzung des Digitalpakts informiert fühlen, lassen die Lehrer es schlechte Noten hageln: 33 Prozent der Lehrer fühlen sich mangelhaft informiert (Note 5), 13 Prozent ungenügend (Note 6). Auch in Fragen des Datenschutzes sehen sich viele Lehrer alleingelassen.

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Insgesamt ist der Digitalpakt ohnehin nur schleppend angelaufen. Von den 5 Milliarden Euro, die der Bund über fünf Jahre zur Verfügung stellt, sind im Jahr 2019 lediglich Mittel in Höhe von etwa 7 Millionen an die drei Bundesländer Bremen, Hamburg und Sachsen ausbezahlt worden, wie aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums zum Sondervermögen “Digitale Infrastruktur” hervorgeht. Das ist ein Mittelabfluss von nicht einmal einem Prozent.

Der Grund: Das Geld geht nicht direkt an die Schulen: Mit der Einigung über den Digitalpakt war es Aufgabe der einzelnen Bundesländer, Förderrichtlinien bekannt zu geben, die der Schulen, entsprechende Medienkonzepte zu erstellen.

Die Idee mit dem Rollenwechsel

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Der Chef der Pisa-Studie, OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, hat in der Vergangenheit immer wieder angeregt, in die digitale Fortbildung der Lehrer auch Schüler einzubinden, die sich in der Sache besonders gut auskennen. Ein solcher Austausch und zeitweiser Rollenwechsel sei auch “gut für die Beziehung von Lehrern und Schülern, die für den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen so wichtig ist”.

Schleicher hatte zu Beginn der Corona-Krise im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gewarnt: “Die Angst vor einem verlorenen Jahr für die Bildung in Deutschland ist berechtigt, wenn die Schüler zu lange zu Hause bleiben müssen.” Die deutschen Schulen seien weit beim digitalen Lernen zurück, das räche sich jetzt.

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