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Digitalisierung: Lehrer, lasst euch von den Schülern fortbilden!

  • Eine Befragung unter den Mitgliedern der Lehrergewerkschaft GEW zeigt: Die Lehrer wünschen sich mehr Fortbildung in Sachen Digitalisierung.
  • Die Politik hat das Thema lange verschlafen, jetzt ist es durch die Corona-Pandemie so drängend wie nie.
  • Deshalb müssen alle bereit sein, mutig neue Wege zu gehen, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Wenn ein Schüler Probleme mit einer bestimmten Art von Matheaufgaben hat, wäre Folgendes eine gute Strategie: Er übt, und versucht sich zu verbessern! Manch ein Schüler hofft aber auch einfach, eine solche Aufgabe werde schon nicht in der Prüfung drankommen.

Die Verantwortlichen im deutschen Bildungssystem haben viel zu lange gehofft, die Mängel in Sachen Digitalisierung an den Schulen würden schon nicht so schwer ins Gewicht fallen. Über Jahre hat sich in der Sache wenig bis nichts getan – auch der im vergangenen Jahr endlich beschlossene Digitalpakt läuft bislang eher schleppend an.

Mängel schonungslos offengelegt

Die Corona-Krise hat von einem auf den anderen Moment schonungslos für jeden sichtbar offengelegt, wie schlecht unser Bildungssystem auf die digitale Herausforderung eingestellt ist. Die Kinder und Jugendlichen mussten plötzlich zu Hause bleiben und waren dort auf einmal von dem, was für ihre Zukunft am wichtigsten ist, weitgehend abgeschnitten: von guter Schulbildung.

Keine Frage, viele Lehrer haben versucht, das Beste aus der schwierigen Lage zu machen. Das ändert aber nichts daran, dass die Situation für Schüler und Eltern weitgehend unbefriedigend war und ist. Es fehlt an eingespielten Abläufen digitalen Lernens. Und es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Bildung in Zeiten der Pandemie für Schüler zur Lotterie wird: Diejenigen, die eine Schulleitung haben, die sich aus eigenem Antrieb schon lange hinter das Thema digitales Lernen geklemmt hat, sind im Vorteil. Für viele andere gilt: Pech gehabt!

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Die bittere Wahrheit

Die bittere Wahrheit ist, dass zurzeit niemand genau weiß, wie der Schulbetrieb im kommenden Jahr aussehen wird – und ob einmal gemachte Öffnungsschritte wegen Rückschlägen im Kampf gegen die Corona-Pandemie wieder zurückgenommen werden müssen. Das Thema digitales Lernen drängt also wie nie.

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Bei alledem ist es ein gutes Zeichen, dass eine Befragung der Lehrergewerkschaft GEW ergeben hat, dass viele Pädagogen sich mehr Fortbildung zu dem Thema wünschen. Die Landesregierungen müssen hier liefern, was immer sie können. Um voranzukommen, braucht es Gestaltungswillen, Kreativität und Flexibilität von allen Seiten.

Zur Fortbildung muss jetzt auch die Zeit in den Sommerferien genutzt werden. Und: Dabei sollte auch auf eine Idee zurückgegriffen werden, die Experten wie der Chef der PISA-Studie, Andreas Schleicher, immer wieder einbringen: Warum beziehen wir als Fortbilder nicht auch Schüler ein, die sich im Digitalen besonders gut auskennen?

Für ein gutes Miteinander

Es stärkt das Lehrer-Schüler-Verhältnis, wenn die Lehrer auch mal etwas von den Schülern lernen können. Manch ein Lehrer wäre vermutlich erstaunt, wie bereitwillig der eine oder andere Schüler dafür ein paar Ferientage opfern würde.

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Deutschland muss in Sachen digitaler Bildung nicht nur das nachholen, was es so lange versäumt hat. Wir müssen jetzt mutig vorangehen.

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