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Digitaler Parteitag der CDU: Historische Dimension

Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz Friedrich Merz (v. r.), Armin Laschet und Norbert Röttgen sitzen nach einer Diskussionsrunde im Konrad-Adenauer-Haus.

Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz Friedrich Merz (v. r.), Armin Laschet und Norbert Röttgen sitzen nach einer Diskussionsrunde im Konrad-Adenauer-Haus.

Berlin. Der digitale Parteitag der CDU hat aus zwei Gründen eine historische Bedeutung. Erstmals in der deutschen Parteiengeschichte wird über einen neuen Vorsitzenden per Knopfdruck von zu Hause aus entschieden und das Ergebnis anschließend per Briefwahl abgesichert. In Zeiten der Pandemie können nicht 1001 Delegierte plus 1000 Gäste und 1000 Journalisten in einer Halle zusammenkommen. So müssen die Kandidaten Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen die Rede ihres Lebens ohne jeglichen Gradmesser für die Stimmung im Publikum halten. Kein Jubel, kein Applaus, keine Vergewisserung der eigenen Wirkung.

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Ausgang offen: CDU wählt neuen Parteichef

Umfragen zufolge liegt keiner der drei Kandidaten in der Gunst der CDU-Anhänger mit deutlichem Abstand vorne.

Mehr noch als sonst wird es deshalb nicht nur auf Inhalte, Rhetorik und Kampfgeist ankommen, sondern schlicht auch auf die Tagesform. Und darauf, wer es am besten vermag, mit dem bloßen Auftritt vor einer Kamera die Herzen der Christdemokraten vor einem Tablet zu erwärmen. Keinem der drei Bewerber wird ein Sieg schon im ersten Wahlgang zugetraut und die Stichwahl dürfte knapp ausgehen – da zählt jede gelungene Pointe, jedes Wort.

Chance zur Neuaufstellung ohne Drama

Dieser 33. Parteitag der CDU Deutschlands hat aber auch eine historische Dimension, weil sich in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie eine Kanzlerpartei ohne Drama neu aufstellen konnte. Entweder wurde der Kanzler abgewählt, gestürzt oder trat zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die erste Frau in diesem Amt, tritt im Gegensatz zu all ihren Vorgängern selbstbestimmt ab. Und die CDU konnte sich sehr lange darauf einstellen.

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Die erste Chance auf einen reibungslosen, geordneten Übergang vergeigten die Christdemokraten allerdings schon früh. Annegret Kramp-Karrenbauer konnte zwar die CDU mit der Schwesterpartei CSU wieder versöhnen, dessen langjährigen Vorsitzenden Horst Seehofer Merkel nicht ertragen konnte. Aber die tiefen Gräben in der eigenen Partei schüttete sie nicht zu. Was auch daran lag, dass sie mit vollem Elan auf die parteiinternen Merkel-Kritiker zuging – und dabei die eigenen Unterstützer vernachlässigte. Manche fühlten sich verraten. Andere frohlockten, die neue Frau an der Spitze durch möglichst viel Reibung mürbe zu machen und so letztlich doch noch über Merkel triumphieren zu können.

Am Ende verlor Kramp-Karrenbauer die Nerven im Konflikt mit dem Thüringer Landesverband, der der AfD bei der Ministerpräsidentenwahl zu nahe gerückt war. So glücklich Merkel über Kramp-Karrenbauers Sieg über Friedrich Merz 2018 war, so enttäuscht war sie von der anschließenden Parteiführung der Saarländerin. Und diese von Merkel.

Nun macht die CDU einen neuen Anlauf, Merkels schweres Erbe anzutreten. Der neue Vorsitzende hat nur noch gut acht Monate bis zur Bundestagswahl und vielleicht acht Wochen bis zur Entscheidung mit CSU-Chef Markus Söder über die Kanzlerkandidatur der Union. Gleich, wer am Samstag die digitale Abstimmung gewinnt, der neue Vorsitzende wird zunächst damit beschäftigt sein, bei den unterlegenen Lagern um Vertrauen zu werben – ohne Kramp-Karrenbauers Fehler zu wiederholen.

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Die Gefahr des Scheiterns

Zugleich muss er den Machtanspruch der CDU auf das Kanzleramt verteidigen, um sich Respekt und Autorität zu verschaffen, wobei er keine neue Gräben in der Partei oder zur CSU aufreißen darf. Ein Streit um die Kanzlerkandidatur würde die Union schnell schwächen. Und schließlich muss der neue Parteichef Merkel-Wählern vermitteln, dass der Kurs der Mitte, der die CDU 16 Jahre an der Macht hielt, auch ohne diese Kanzlerin gehalten wird.

Für all das bleibt wenig Zeit. Aber Zeit genug, um die historische Chance zu verspielen, eine Ära würdevoll zu Ende zu bringen und mit einer neuen Spitze erfolgreich zu starten.

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