Diese Frau will „KGE“ als Grünen-Fraktionschefin ablösen

  • KKG statt KGE: Die Bremer Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther will der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt das Amt streitig machen.
  • Bisher war die 52-Jährige in Berlin ein unbeschriebenes Blatt.
  • Dabei hat sie schon in der Hansestadt ihren Ehrgeiz demonstriert.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Noch am Donnerstagabend bei der Fraktionsklausur in Weimar zeigten sich prominente Grüne sicher. Es werde gewiss niemand vom linken Flügel gemeinsam mit dem Realo Cem Özdemir gegen die amtierenden Vorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter antreten. Am Samstagabend war klar, dass es anders kommt. Der „Niemand“ heißt Kirsten Kappert-Gonther, eine Bundestagsabgeordnete aus Bremen.

Während nun manche vom düpierten linken Flügel die Kandidatur „skurril“ finden, loben Vertreter des Realo-Flügels den Mut der Frau. Den Herausforderern werden allgemein eher Außenseiterchancen eingeräumt. Freilich ist auch von einer „Dynamik“ die Rede, die entstehen könnte – und eventuell sogar weiteren Kandidaten, die bis zum 24. September in den Ring steigen.

Niemand hatte sie auf dem Zettel

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Kappert-Gonther wurde 1966 in Marburg geboren, wuchs im Ruhrgebiet auf und studierte Medizin in Marburg und Brisbane (Australien). Sie arbeitete als ärztliche Leiterin einer Reha-Einrichtung für psychisch Kranke in Gütersloh und Chefin einer psychiatrischen Privatklinik-Ambulanz in Bremen. Von 2005 bis 2017 war Kappert-Gonther selbstständige Psychotherapeutin in der Hansestadt. Sie ist seit 30 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder, von denen eines mittlerweile ebenfalls Ärztin ist.

Die politische Karriere der Medizinerin begann 2002 mit dem Eintritt in die Grünen, nahm Fahrt auf mit der Wahl in die Bremer Bürgerschaft 2011, wo sie 2015 zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden emporstieg, und erreichte einen weiteren Höhepunkt mit der Wahl in den Bundestag 2017. Zugleich war die Vegetarierin ohne Auto aktiv in der Umwelt- und Friedensbewegung.

Kappert-Gonthers Ehrgeiz wurde spätestens Ende 2012 offensichtlich. Denn obwohl sie seinerzeit erst ein Jahr in der Bürgerschaft saß, wollte Kappert-Gonther die heimische Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck beerben – eine zentrale Figur der Partei seit ihrer Gründung. Was damals noch misslang, gelang vier Jahre später. Beck musste für Kappert-Gonther Platz machen. Insofern wundert es nicht, dass die Fraktionssprecherin für Drogenpolitik, die sich für eine Entkriminalisierung von Cannabis einsetzt, erneut nach relativ kurzer Zeit in neuer Funktion zum nächsten Sprung ansetzt.

Lesen Sie hier unseren Kommentar

Anzeige

Ein paar Leute vor den Kopf gestoßen

Realos sagen, Kappert-Gonther könne eine gute Ergänzung zu Özdemir sein. Hier das promovierte Bürgerkind, das jüngst zur Bildung der Bremer Linkskoalition aus SPD, Grünen und Linken beitrug; da das realpolitische Migrantenkind, das sich aus kleinen Verhältnisse hocharbeitete. Linke sagen, mit ihrer nicht abgesprochenen Kandidatur stoße Kappert-Gonther „ein paar Leute vor den Kopf“. Überdies sei sie zwar „eine Gute“ und „haltungsstark“. Aber sie sei „nicht stark genug für Cem Özdemir. Sie überschätzt sich.“

Anzeige

Nachdem die beiden in ihrem Bewerbungsschreiben neuen Schwung in Aussicht stellten, sagen sie öffentlich erstmal nichts mehr, sondern wollen zunächst mit der Fraktion sprechen. Absehbar scheint, dass Kirsten Kappert-Gonther sich nur um den Frauenplatz bewirbt und damit allein gegen Göring-Eckardt antritt – statt anschließend in den Wettbewerb um den offenen Platz einzutreten, für den Frauen und Männer kandidieren können. Das wäre theoretisch möglich. Sollte Kappert-Gonther gegen die Amtsinhaberin verlieren, würde sie Özdemir wohl das Feld gegen Hofreiter überlassen.

Die 52-Jährige hat also eine Chance. Mehr nicht.