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Die Wirtschaft muss mehr für Frauen tun – im eigenen Interesse

  • Frauen sind im Berufsleben benachteiligt. Das sagt nicht die Frauenzeitschrift „Emma“, sondern das Weltwirtschaftsforum.
  • Die Wirtschaft muss daran arbeiten, das schleunigst zu ändern, schreibt unser Kommentator Andreas Niesmann.
  • Dabei geht es nicht um Anstand oder Moral – sondern ums Geschäft.
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Berlin. Die Zahlen sind beschämend. Beim durchschnittlichen Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 68. Das heißt: In 67 Ländern auf der Welt ist die Lohnlücke zwischen zwischen Männern und Frauen kleiner. Noch deutlicher ist die Ungleichheit bei der Machtverteilung in der Wirtschaft. In deutschen Unternehmen haben mehrheitlich die Herren das Sagen, im internationalen Vergleich reicht es gerade mal für Platz 89.

Diese Zahlen hat nicht irgendjemand erhoben, sondern das Weltwirtschaftsforum. Die für ihre jährlichen Gipfeltreffen im schweizerischen Davos berühmte Institution gilt nicht gerade als Hort des Feminismus. Aber die Wirtschaftsexperten dort haben verstanden, dass Gleichberechtigung nicht nur eine Frage von Anstand, Ethik oder Moral ist, sondern dass es vor allem um ökonomische Vorteile geht. Unternehmen, die in ihren Führungsetagen divers aufgestellt sind, schlagen sich im Wettbewerb besser. Rund 50 Prozent der Konsumenten sind Frauen. Es macht Sinn, die Sichtweisen der eigenen Kundinnen zu kennen.

Hinzu kommt, dass Frauen nach wie vor das größte brachliegende Fachkräftepotenzial des Landes sind. Noch immer ziehen sich viele hoch qualifizierte Frauen aus dem Berufsleben zurück, wenn die Familiengründung ansteht. Das hängt mit traditionellen Rollenbildern und fehlenden Betreuungsmöglichkeiten zusammen, aber auch damit, dass Familie und Arbeit trotz gegenteiliger Beteuerungen noch immer nicht sonderlich gut miteinander zu vereinen sind. In der modernen Arbeitswelt gilt immer noch viel zu häufig das Motto „Ganz oder gar nicht“. Hier muss man ansetzen, wenn sich die Gesellschaft wirklich ändern soll.

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Die Wirtschaft sollte bei der Gleichberechtigung schon im eigenen Interesse Gas geben. Tut sie es nicht, wird die Politik per gesetzlichen Zwang eingreifen. Das macht die Dinge nur selten einfacher – und fast nie besser.

RND