Die Viruskrise verlangt absolute Seriosität

  • Das Robert-Koch-Institut setzt eine Falschmeldung ins Netz, Bayern lässt positiv Getestete durch die Gegend ziehen.
  • In beiden Fällen ist klar: So geht es nicht. Doch was nun?
  • Die Politik muss dringend auf absolute Seriosität setzen und auf Vertrauensbildung – nur dann wird Deutschland die zweite Welle eindämmen können.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Gefahr einer allgemeinen Überdrehtheit wächst, inzwischen sogar im ehrwürdigen Robert-Koch-Institut.

Wie kam das RKI dazu, am Mittwochabend im Internet ein “Positionspapier” zu veröffentlichen, wonach ein Impfstoff bis Herbst zur Verfügung stehen könnte?

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Eine Sprecherin bedauerte später den “sehr ärgerlichen Fehler”. Das RKI gehe ausdrücklich nicht davon aus, dass ein Impfstoff bis Herbst zur Verfügung stehen könnte.

So darf eine Institution nicht agieren, die in dieser Krise von Vertrauen lebt wie keine andere. In der Viruskrise heißt es Nerven bewahren. Tempo rausnehmen. Dinge noch mal prüfen.

Deutschland am “Kipppunkt”

Noch ein kurioser Fall: In Bayern, dem angeblichen Musterland, laufen im Augenblick 900 positiv Getestete noch immer ahnungslos durch die Gegend und wissen von nichts. “Eine Übermittlungsproblematik”, sagt die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), sei daran schuld. Wollte nicht Bayern ein Beispiel setzen für alle anderen?

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Klar, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Entscheidend ist, dass man daraus lernt, und zwar rechtzeitig. Das ständige Schielen nach öffentlicher Wirkung lenkt ab. Lieber sollten sich alle auf eine seriöse Bearbeitung der Tatsächlichkeiten konzentrieren, in der Politik, in den Behörden, überall.

Der Tag Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.
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Die Politik muss diese Grundhaltung vorleben. Deshalb ist es gut, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seinen heutigen – ohnehin albernen – Fototermin im Watt abgesagt hat. Und deshalb wäre es auch gut, wenn die SPD jetzt nicht schon zum Bundestagswahlkampf übergehen würde. Deutschland hat gerade andere Sorgen.

Im heutigen Leitartikel warnt unser Chefreporter Thorsten Fuchs, Deutschland stehe an einem “Kipppunkt” – zur ungünstigsten Zeit, am Ende der Ferien. Alles über die RKI-Panne und ihre Hintergründe lesen Sie hier.

Die neuen Aufregungen legen wieder einmal das Festhalten an zwei alten Tugenden nahe: Besonnenheit und Disziplin.

Zitat des Tages

Ich bin anscheinend die schwache Frau geblieben, die ich ursprünglich war. Ich habe eine für mich sehr schwierige Entscheidung getroffen. Gott bewahre euch davor, vor so einer Entscheidung stehen zu müssen wie ich.

Swetlana Tichanowskaja, Anführerin der Opposition in Belarus, in einer Videobotschaft. Tichanowskaja hat sich nach Litauen abgesetzt. Ihre Anhänger glauben, die 37-Jährige sei in Belarus von Kräften des Staatschefs Alexander Lukaschenko bedroht worden.

Leseempfehlungen

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Im Mittelmeer laufen ungeahnte militärische Machtproben. Die Türkei greift nach Gasfeldern, Griechenland ruft die EU zu Hilfe. Russland erschreckt mit neuen leisen U-Booten die Nato. Unsere große RND-Story beschreibt heute, warum inmitten dieser wachsenden Unordnung die Insel Kreta so etwas werden könnte wie Amerikas Checkpoint Charlie im Mittelmeer.

Die Scorpions produzieren ihr neues Album wegen der Reisebeschränkungen nicht in Los Angeles, sondern erstmals nach 17 Jahren wieder in Hannover. RND-Reporter Thomas Kielhorn hat die Band in den Peppermint Park Studios besucht. Scorpions-Sänger Klaus Meine (72) sagt: “Ich habe schon lange vor Corona Masken getragen. Wenn wir lange Flüge Richtung Amerika gemacht haben, zum Beispiel.”

Einen Blick in die Zukunft der Luftfahrt wirft Brigitte Vetter vom Reisereporter. Vieles wird sich wohl ändern, vom Antrieb der Flugzeuge bis zu ihrer Form. Wahrscheinlich hocken wir eines Tages in fliegenden Flundern.

Fliegende Flundern: Studien zur Zukunft der Luftfahrt. © Quelle: Airbus

Hätte man alles irgendwie anders machen sollen, etwa wie in Schweden? Unser Skandinavien-Korrespondent André Anwar sprach mit dem Architekten des schwedischen Sonderwegs, dem Staatsepidemiologen Anders Tegnell. Doch auch der tut gar nicht so, als sei er im Besitz des Steins der Weisen: “Mit dem Wissen, das wir heute über den Verlauf der Pandemie haben, würden wir einige Sachen vielleicht etwas anders machen”, sagt Tegnell im RND-Interview. “Vor allem ein noch schnellerer Schutz der Altenheime wäre wichtig.”

Themen des Tages

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Die Proteste in Belarus gegen Staatschef Alexander Lukaschenko gehen weiter. Friedliche Demonstranten werden verhaftet und verprügelt. Jetzt müssen sich die EU-Regierungen überlegen, ob sie den “letzten Diktator Europas” nicht doch durch Wirtschaftssanktionen auf eine gemäßigte Linie zwingen können.

Die Zahl der Arbeitslosen in den USA geben die Behörden heute um 14.30 Uhr MESZ bekannt. Zuletzt gab es pro Woche eine Million zusätzliche Neuanträge auf Arbeitslosengeld.

An den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 erinnert heute in Berlin um 10 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Kulturstaatsministerin im Kanzleramt, Monika Grütters (CDU).

Der Podcast des Tages

Der Schnappschuss des Tages

Kamala Harris, hier auf einem Bild aus Kindertagen in Kalifornien, steht für eine Rückkehr des amerikanischen Traums von einer offenen, fairen Gesellschaft. Das kleine Mädchen von damals, Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin, könnte am 3. November zur Vizepräsidentin der USA gewählt werden. © Quelle: Uncredited/Kamala Harris-Kampagn

Jede Stunde neu: News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag!

Aus dem RND-Newsroom: Matthias Koch

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