Die Vereinbarung mit den Taliban schmeckt nach Kapitulation

  • Die USA und die Taliban haben ein Abkommen über die Zukunft Afghanistans geschlossen.
  • Die Vereinbarung mag eine Perspektive bieten.
  • Doch im Kern schmeckt sie nach Kapitulation, kommentiert Markus Decker.
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Irgendwann im Herbst 2001 saß der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) in einem Berliner Hotel und wiegte sein Haupt. Für eine militärische Lösung des Afghanistan-Konflikts werde man 300.000 Soldaten benötigen, sagte er. Scharpings Botschaft war klar: Vergesst es! Bald 20 Jahre später muss man feststellen: Der Mann hat Recht behalten.

Der “Westen”, den es anders als 2001 heute so ohnehin nicht mehr gibt, ist gescheitert – gescheitert auch an seinen Illusionen. Zunächst wollte er Afghanistan demokratisieren, dann nur noch vage stabilisieren und schließlich die Afghanen zur Selbsthilfe ertüchtigen. Kaum etwas davon ist wahr geworden.

Mag sein, dass die Vereinbarung der USA mit den Taliban eine Perspektive eröffnet – hin zu einer Absage an den internationalen Terrorismus, weniger innerafghanische Gewalt und einem Dialog über die Zukunft des Landes. Doch wer daran glaubt, wird nicht zwangsläufig selig.

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Soldaten lösen keine Probleme

Denn Afghanistan hat jahrzehntelang nichts anderes erlebt als Krieg. Und die Taliban kontrollieren größere Teile des Territoriums, während US-Präsident Donald Trump vor der Präsidentschaftswahl im November 2020 vor allem eines signalisieren will: dass im April 2021 Schluss ist am Hindukusch. Was da vereinbart wurde, schmeckt weniger nach Frieden. Es schmeckt nach Kapitulation.

Das Scheitern erzählt auch etwas über die Wirkmächtigkeit militärischer Lösungen überhaupt – oder das, was einst optimistisch “nation building” hieß. Egal ob in Afghanistan, im Irak oder in Libyen: Durch den Einsatz westlicher Soldaten wurde wenig besser und vieles schlechter. Selbst der kleinräumige Balkan im Herzen Europas tritt auf der Stelle.

Die Lehre ist eindeutig: Wer keine realistischen politischen Lösungen für die Zukunft hat, der sollte sich den Einsatz von Militär zweimal überlegen.



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