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Die US-Wahl und der Supreme Court: So lief es im Jahr 2000 bei Bush und Al Gore

  • Die Unklarheit bei der US-Wahl 2020 erinnert viele an den Machtkampf zwischen George W. Bush und Al Gore im Jahr 2000.
  • Damals wurde die Wahl erstmals in der Geschichte der USA vor dem Supreme Court entschieden.
  • Ein Blick zurück.
Rebecca Lessmann
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Berlin. Nur Stunden, nachdem die Wahllokale geschlossen wurden, kündigt der amtierende US-Präsident Donald Trump an, die Auszählung stoppen zu wollen – und später sagt er auch, man wolle gerichtlich gegen Ergebnisse in einigen Staaten vorgehen. Von Wahlbetrug ist aufseiten der Republikaner die Rede, Forderungen nach Neuauszählungen werden laut, Anwälte sowohl auf republikanischer als auch auf demokratischer Seite bringen sich bereits in Stellung.

Am Ende könnte der Oberste Gerichtshof des Landes, der Supreme Court, über den Ausgang der Wahl entscheiden – eine Möglichkeit, die Trump schon im Wahlkampf immer wieder angedeutet hat. Es ist ein Szenario, dass so manchem Amerikaner noch dunkel in Erinnerung sein dürfte. Denn vor genau 20 Jahren geschah dies bereits schon einmal – bei der Wahl zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore. Ein Blick zurück.

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Biden nähert sich dem Sieg – Trump klagt.
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In den USA steht das Ergebnis der Präsidentenwahl weiter nicht fest. In mehreren Bundesstaaten wird weiter gezählt.  © Reuters

Verwirrung über Ergebnis in Florida

Es geschah am 8. November 2000 in Austin, Texas. Die Republikaner hatten sich im Four Seasons Hotel versammelt, um die Wahl ihres neuen Präsidenten zu feiern. Das Rennen um das Weiße Haus war denkbar knapp gewesen, eine Zitterpartie. Denn zunächst lag der Demokrat Al Gore mit 250 Wahlleutestimmen leicht vor Bush, der zu diesem Zeitpunkt 246 Wahlmänner hinter sich hatte. 270 Wahlleute sind für einen Sieg notwendig. Aber es fehlten noch die Stimmen aus Florida – mit seinen 25 Wahlleuten galt der Swing State als besonders wichtig.

Schließlich vermeldeten die TV-Sender, Bush liege in Florida vorn. Der demokratische Herausforderer Al Gore gratulierte Bush telefonisch zu seinem Sieg. Es schien alles entschieden zu sein. Und dann auf einmal nichts mehr.

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Die TV-Sender ruderten zurück: Bush habe Florida doch noch nicht eindeutig gewonnen, die Auszählung laufe noch, die beiden Präsidentschaftskandidaten lägen nur noch um 1800 Stimmen auseinander. Auch Gore zieht seine Siegesanerkennung zurück. Eine erneute Auszählung der Stimmen sei nötig. Denn tatsächlich forderte ein Gesetz, die Stimmen bei einem sehr knappen Ergebnis nochmals maschinell auszählen zu lassen.

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Bei der Präsidentschaftswahl 2016 bekam Hillary Clinton mehr Stimmen als ihr Gegenspieler Donald Trump. Es war nicht das einzige Mal in der Geschichte der USA.  © RND
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Supreme Court entscheidet das erste Mal über eine Präsidentenwahl

Was folgte, war eine fünfwöchige Hängepartie, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hatte. Am Ende musste der Supreme Court über den nächsten Präsidenten entscheiden.

Als Gore und Bush nach der maschinellen Neuauszählung der Stimmen in Florida bloß noch etwas mehr als 300 Stimmen trennten, forderte Gore nochmals zu zählen – dieses Mal per Hand.

Während die Neuauszählungen per Hand in Florida weiterliefen, riefen die Republikaner schließlich den Supreme Court an. Der Oberste Gerichtshof der USA sollte nun zum ersten Mal in der 200-jährigen Geschichte des Landes in einem Streit über eine Präsidentenwahl Recht sprechen. Das Gericht entschied nicht über das Wahlergebnis an sich, sondern beriet lediglich, ob die Verlängerung der Frist zur Einreichung von Wahlergebnissen, und damit die Handauszählung, rechtens sei.

Um sicherzustellen, dass der Machtwechsel am 20. Januar reibungslos verlaufen kann, ist gesetzlich festgelegt, dass die Bundesstaaten ihre Endergebnisse bis zum 8. Dezember beglaubigen und nach Washington schicken müssen. Dieser Termin wird als „safe Harbor“ (Sicherer Hafen) bezeichnet.

Die endgültige Entscheidung fiel am 12. Dezember, fünf Wochen nach der Wahl. Die Nachzählung per Hand sei verfassungswidrig, entschied der Supreme Court. Al Gore, der zwar eine halbe Millionen mehr Wählerstimmen als Bush bekommen hatte, musste erneut seine Niederlage eingestehen. Dieses Mal tat er es auch öffentlich im Fernsehen. Die Wahl war endlich entschieden. Nach dem Willen der Richter hieß der 43. Präsident der Vereinigten Staaten George W. Bush.

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