Die Union sucht nach ihrer Zukunft

  • Der Gang auf den Deutschlandtag der Jungen Union dürfte für Armin Laschet kein leichter gewesen sein.
  • Dennoch stellte er sich – und schlug sich respektabel.
  • Während die Union noch immer ihre Wahlschlappe aufarbeitet und den richtigen Weg für die Zukunft sucht, soll es auf dem Weg zur Ampel heute einen weiteren Schritt vorangehen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ein bisschen klang es wie eine Bewerbung für den CDU-Vorsitz, was Jens Spahn gestern beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) sagte. „Ich habe Lust darauf, die neue CDU zu gestalten“, sagte der Nochbundes­gesundheits­minister bei seiner Rede vor den rund 300 Delegierten. Zuvor hatte Spahn das „beschissene Wahlergebnis“ angesprochen und einen Ausblick darauf gegeben, welchen Kompass er sich für die Zukunft der Partei vorstellt. Könnte Spahn ein neuer Chef für die angeschlagene Union sein? „Sein Name fällt in den Debatten ebenso wie der von Merz, Bundestags­­fraktionschef Ralph Brinkhaus und seinem Vize Carsten Linnemann oder CDU-Außenexperte Norbert Röttgen“, berichtet die stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, Kristina Dunz.

Noch aber führt Armin Laschet die Partei – und im Gegensatz zu CSU-Chef Markus Söder stellte sich Laschet gestern der Kritik des Parteinachwuchses, übernahm in einer starken Rede die Verantwortung für das schlechte Abschneiden der Partei. Dafür zollten die JU-Mitglieder ihm Respekt. So bitter die Schlappe bei der Wahl auch für die erfolgsverwöhnten Jungen in der Partei sein mag: Vielleicht war sie in gewisser Weise nötig. „Die Junge Union sollte den Unterschied gemerkt haben zwischen Laschet und ihrem Idol Markus Söder, besser gesagt: ihrem vielleicht einstigen Vorbild“, kommentiert Dunz, weiß aber auch: Ganz kann die JU eine Mitverantwortung nicht von sich schieben. „Wäre sie für junge Leute attraktiv gewesen, hätte sie vielleicht für die Prozentpunkte sorgen können, die der Union zum Wahlsieg fehlten.“

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Laschet nach Wahldebakel: „Die Verantwortung für dieses Ergebnis, die trage ich“
2:18 min
Die Junge Union kommt in Münster zum Deutschlandtag zusammen. Auch CDU-Chef Armin Laschet spricht vor dem Parteinachwuchs.  © RND

Heute geht der Deutschlandtag in Münster zu Ende. Als letzter Spitzenpolitiker will Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) bei dem Treffen des Parteinachwuchses von CDU und CSU reden – und sich vielleicht für eine Laschet-Nachfolge in Stellung bringen.

Grüne wollen Ampelgesprächen zustimmen

Während die Union noch immer mit der Aufarbeitung der Wahlniederlage beschäftigt ist, soll in Sachen Koalitionsbildung heute ein weiterer Schritt getan werden. Die Grünen wollen auf einem kleinen Parteitag den Weg für die Gespräche über eine neue Regierung mit SPD und FDP frei machen. Letztere bringt sich derweil schon einmal in Stellung, was die Postenverteilung im möglichen neuen Kabinett angeht.

Dass Liberalen-Chef Christian Lindner Finanzminister werden möchte, ist zwar ein offenes Geheimnis. Und überhaupt soll über die Verteilung von Posten erst ganz am Ende der Verhandlungen gesprochen werden. Dennoch bekräftigte FDP-Vize Kubicki gestern noch einmal, dass er Lindner – gerade wegen der Zweifel rund um die Vorhaben­finanzierung ohne Steuererhöhungen oder Aufweichung der Schuldenbremse – für den idealen Kandidaten halte. „Ansonsten hätte die FDP die Torte im Gesicht.“

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Zitat des Tages

Die Durchseuchung der Kinder ist nach wie vor eine große Gefahr.

SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach, der gegenüber dem RND vor großen Problemen mit Long Covid bei Kindern warnte.

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Vor zehn Jahren löste sich die Indie-Superband R.E.M. auf. Es gab keinen Zorn, keinen Streit, keine Anwälte – aber das Gefühl, dass es an der Zeit dafür sei. Sänger Michael Stipe erzählt im Interview mit Mathias Begalke, ob es jemals zu einem Comeback kommen könnte und woran es im Lärm der Welt am meisten mangelt.

Als Manager und Geschäftsführer prägte Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen von den späten Achtzigerjahren bis 2004 eine Ära. Noch heute ist der 72-Jährige der Werkself eng verbunden. Vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen dem Tabellenzweiten aus Leverkusen und Tabellenführer FC Bayern München hat Calmund exklusiv für den Sportbuzzer einen Gastbeitrag verfasst. Er wünscht sich einen Bayer-Sieg und hofft auf Unterstützung vom Fußballgott.

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Was geschah am Abend des 5. Oktober im Leipziger Westin? Wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet, soll genau das nun ein Überwachungsvideo aufklären. Unter anderem geht es darum, ob Gil Ofarim, der dem Hotel Antisemitismus vorgeworfen hatte, die Kette mit dem Davidstern sichtbar in der Eingangshalle trug.

Termine des Tages

Nach zwölf Tagen auf der Internationalen Raumstation (ISS) will ein russisches Filmteam heute zur Erde zurückkehren. Es ist die erste Filmcrew, die für Dreharbeiten auf der ISS war. Die Raumkapsel soll in der Steppe von Kasachstan in Zentralasien landen. Mehr als drei Stunden soll der Flug zur Erde dauern. Der als Weltraumdrama angekündigte Streifen hat den Arbeitstitel „Wysow“ (Herausforderung). Er erzählt von einer Ärztin, die zur Raumstation fliegen muss, um dort einem erkrankten Kosmonauten das Leben zu retten.

In Italien sind die Wählerinnen und Wähler ab Sonntag in 65 Kommunen aufgerufen, bei der zweitätigen Bürgermeister­stichwahl ihre Stimme abzugeben. Auch in der Hauptstadt Rom sowie in Turin und Triest im Norden des Landes steht die Entscheidung um den Bürgermeisterposten an.

Was heute wichtig wird

Trauer in Norwegen: Nach dem Angriff eines Bogenschützen am Mittwoch wird in der Stadt Kongsberg in einem Gottesdienst der fünf Toten gedacht. Ein 37-jähriger Däne hatte die Tat gestanden. Die Polizei vermutet, dass er psychisch krank ist. Gestern wurde bekannt, dass auch eine Deutsche unter den Todesopfern ist. © Quelle: imago images/TT

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