Die transatlantische Frau Baerbock

  • Heute gibt die Kanzler­kandidatin der Grünen ihr Debüt auf internationaler Bühne.
  • Der Bundestag berät über das Miteinander von Geimpften und Nichtgeimpften.
  • Und die Schotten stellen die Weichen für ihre Zukunft.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Kanzler­kandidatin der Grünen macht heute erste internationale Geh­versuche auf dem transatlantischen Parkett.

Annalena Baerbock ist Onlinegast beim europäisch-amerikanischen Future Forum, organisiert vom Atlantic Council, einer renommierten Denk­fabrik in Washington. Vor Professoren und Politikern von beiden Seiten des Atlantiks stellt sich Baerbock Fragen von CNN-Moderator Fareed Zakaria.

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Früher waren Deutschlands Grüne in diesen Kreisen Rand­figuren. Heute ist das anders, aus zwei Gründen. Erstens liegen die Grünen in jüngsten Umfragen vor der Union; schon deshalb hört man hin, wenn Baerbock heute Abend über „transatlantische Strategien zur Umsetzung grüner Politik“ spricht. Zweitens wirken in den USA neuerdings ausgerechnet die Grünen atlantischer als Union und SPD. Klarer als diese beiden geht Baerbock auf Distanz zu Wladimir Putin und Nord Stream 2, klarer auch mahnt sie einen mehr an Menschen­rechten orientierten Kurs gegenüber China an.

Die Europa­kenner in den USA sind nur ein kleiner Kreis, gern stehen sie bei Wein und Käse zusammen. Doch diese Szene zu erobern ist ein wichtiger Schritt zur Verbreiterung der Akzeptanz für jeden, der Kanzler werden will in Deutschland. Hocherfreut blicken die Grünen schon auf die ersten Früchte ihrer transatlantischen Bemühungen: Die „New York Times“ beschrieb jüngst einen „grünen Schimmer über Nach-Merkel-Deutschland“.

Acht Impfungen pro Sekunde

Der Bundestag berät heute über die Lockerung der Corona-Regeln für Geimpfte. Die neuen Regeln können wohl schon an diesem Wochenende in Kraft treten.

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Geimpfte und Genesene sollen sich mit weiteren Geimpften treffen dürfen. Bei Treffen mit Ungeimpften sollen sie im Familien- oder Freundeskreis nicht mitgezählt werden. Was aber, wenn die Nichtgeimpften gegen all dies rebellieren? Matthias Schwarzer beschreibt in einem Gedankenspiel, was auf den letzten Metern der Pandemie noch alles schiefgehen könnte.

Eine Impfung gegen Impfneid gibt es leider noch nicht. Mildernde Wirkungen immerhin haben die täglich besser werdenden Daten: Die Infektions­rate sinkt, die Impf­quote steigt. Rund 31,5 Millionen Dosen wurden in Deutschland bereits verabreicht, zuletzt acht pro Sekunde, wie das Impf­dashboard des Robert Koch-Instituts mitteilt. Jens Spahn kündigte zudem gestern Abend im WDR an, die Priorisierung für Astrazeneca so schnell wie möglich aufheben zu wollen.

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Schottland – zurück in die EU?

Die Schotten entscheiden heute nicht nur über die künftigen Mehrheiten in ihrem Parlament. Es geht auch um eine Weichen­stellung in der Frage, ob Schottland sich langfristig vom Vereinigten Königreich trennen und als souveräne Nation in die EU zurück­kehren sollte. Gradmesser dafür ist das Abschneiden der nach Unabhängigkeit strebenden Partei SNP der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon.

Mit Schirm und Charme für Schottland: Regierungschefin Nicola Sturgeon am gestrigen Mittwoch bei einem Wahlkampftermin in Dumbarton in der Nähe von Glasgow. © Quelle: Andy Buchanan/PA Wire/dpa

RND-Korrespondentin Katrin Pribyl liefert ein Stimmungsbild aus Schottland, wo es schon seit Langem große Vorbehalte gibt gegenüber London im Allgemeinen und gegenüber Boris Johnson im Speziellen. Bei der Brexit-Abstimmung im Jahr 2016 hatten knapp zwei Drittel der Schotten für den Verbleib in der EU votiert.

Soll Schottland als Kleinstaat zurück die EU? Das klingt absurder, als es wirklich ist. Schottland hat zwar nur 5,5 Millionen Einwohner. Doch damit stünde es alles andere als allein da. Weniger als sechs Millionen Einwohner haben auch die EU-Staaten Irland, Dänemark, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Kroatien, Luxemburg und Malta. Und alle haben gute Gründe für ihre Mitgliedschaft in der EU. Welcome to the club!

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Zitat des Tages

Donald Trump hat ein Umfeld geschaffen, in dem ein ernsthaftes Risiko von Gewalt möglich war. Deshalb bleibt sein Ausschluss von der Plattform zunächst gerechtfertigt. Facebook muss aber binnen sechs Monaten nach dieser Entscheidung über eine verhältnismäßige Reaktion neu entscheiden.

Das mit 20 Experten aus aller Welt besetzte Oversight Board von Facebook in seiner Entscheidung zum Ausschluss Trumps

Leseempfehlungen

Freiheit für die Alten: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ – Lieder wie dieses werden wieder lauthals angestimmt in Deutschlands Alten­heimen, ohne dass jemand Angst hat vor den Aerosolen. Jessica Orlowicz beschreibt in einer großen Reportage die neue Freiheit für die durchgeimpften Alten, die „endlich wieder Mensch sein können unter Menschen“.

Aufholjagd für die Jungen: Wie gravierend die Pandemie auf das Leben von Kindern einwirkt, machen sich viele Erwachsene nicht klar. „Eine Zweitklässlerin von heute“, schreibt Tobias Peter in seinem Leitartikel, „weiß kaum, wie ein normaler Schul­alltag aussieht.“ Deshalb sei es gut, dass die Bundes­regierung jetzt 2 Milliarden Euro in ein Aufhol­programm investiert: Es geht darum, Lern­lücken zu schließen, aber auch soziale Erfahrungen etwa durch Sommer­freizeiten nachzuholen.

Aus unserem Netzwerk: Modell­urlaub an der Ostsee

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Gleich mehrfach wurde der Auftakt verschoben. Doch jetzt kann die Tourismus­modellregion innere Lübecker Bucht doch noch starten. Ab Samstag sind Urlauber hier willkommen. Etwa 300 Hotels, Ferien­wohnungen und andere Betriebe in Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt werden dann öffnen – im Eiltempo, wie die „Lübecker Nachrichten“ berichten.

Termine des Tages

Der Petersberger Klimadialog findet diesmal zwar nur digital statt, aber mit prominenter Besetzung. Zum heutigen Auftakt sprechen UN-General­sekretär António Guterres, Großbritanniens Premier­minister Boris Johnson und Bundes­kanzlerin Angela Merkel.

Das Ringen mit der Türkei um ein konstruktiveres Miteinander in Europa geht weiter: Heute empfängt Außenminister Heiko Maas in Berlin seinen türkischen Amts­kollegen Mevlüt Cavusoglu.

Michel Barnier, leid­geprüfter Unterhändler der EU, veröffentlicht heute sein „geheimes Brexit-Tagebuch“. Das Buch „La Grande Illusion“ erscheint in Paris. Der Franzose hat die beiden Abkommen zum britischen EU-Austritt ausgehandelt. Jetzt bereitet er sich auf eine Rolle in der französischen Innen­politik vor, möglicher­weise als bürgerlicher Präsidentschafts­kandidat 2022.

Wer heute wichtig wird

Antony Blinken, Jahrgang 1962, neuer US‑Außenminister, absolviert heute seinen bislang heikelsten Auslandstermin: einen Besuch in der Ukraine. Das Land erhofft sich Beistand der USA angesichts immer neuer Drohgebärden aus Russland. Blinken will in diesem Sinne ein Zeichen setzen – ohne aber den mit Wladimir Putin für Juni geplanten amerikanisch-russischen Gipfel zu gefährden. © Quelle: Evan Vucci/AP/dpa

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