Die staatliche Rettung von Condor ist richtig

  • Normalerweise sollte sich der Staat raushalten, wenn ein Wirtschaftsunternehmen in Schieflage gerät.
  • Im Fall Condor aber ist es richtig, dass der Bund einspringt, kommentiert Andreas Niesmann.
  • Die Airline hat eine Zukunft - auch ohne die insolvente Muttergesellschaft Thomas Cook.
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Berlin. Es gibt gute Gründe dafür, dass staatliche Eingriffe in die Wirtschaft in Deutschland wenig populär sind. Der Staat hat hundertfach bewiesen, dass er nicht der bessere Unternehmer ist. Im Gegenteil: Meistens managen seine Beamten die Dinge schlechter.

Besonders gefährlich wird es, wenn Politiker die Chance wittern, sich als Retter von Firmen und Arbeitsplätzen zu inszenieren. Beim Bauriesen Philipp Holzmann war das so, beim Maschinenbauer Babcock Borsig, dem Stahlwerk Maxhütte, der Fluggesellschaft Air Berlin.

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All diese Firmen hatten über Jahre mit großen strukturellen Problemen zu kämpfen, sie alle wendeten sich erst dann an den Staat, als nichts anderes mehr ging. Doch wenn nichts mehr geht, ist es für gewöhnlich zu spät, zumal ein paar Hundert Millionen Euro Steuergeld womöglich für ein Herauszögern der Insolvenz reichen, aber keinesfalls dafür, das Überleben einer dem Untergang geweihten Firma zu sichern.

Condor gilt in der Branche als pünktlich, profitabel, populär

Im Fall der Fluggesellschaft Condor liegt die Sache anders. Das Unternehmen ist im Kern gesund. Es verfügt über ein funktionierendes Geschäftsmodell, motivierte Mitarbeiter und eine starke Marke. Bei den Fluggästen in Deutschland ist Condor populär.

Als der Mutterkonzern Thomas Cook Anfang der 2000er-Jahre unter dem eigenen Markennamen fliegen wollte und die Jets umlackierte, gingen die Buchungszahlen in den Keller. Das Experiment wurde schließlich aufgegeben, der Name Condor blieb.

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Die drittgrößte deutsche Airline ist nur deshalb ins Trudeln geraten, weil der Mutterkonzern pleitegegangen ist – ausgelöst vor allem durch Managementfehler. Die daraus resultierende Unsicherheit ist Gift – gerade in einer so schnelllebigen Brache wie dem Luftverkehr. Welcher Kunde bucht und bezahlt schon einen Flug, wenn er nicht sicher sein kann, dass dieser in einigen Monaten noch stattfindet? Welcher Brennstoffhändler liefert Kerosin, welche Großküche die Bordverpflegung, wenn die Gefahr besteht, dass die Rechnung nicht bezahlt werden?

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Selbst das gesündeste Unternehmen könnte unter diesen Rahmenbedingungen nicht lange wirtschaften. Condor drohte die Luft auszugehen.

Allein die Ankündigung der Staatsbürgschaft wirkt in dieser Phase Wunder – weil sie Vertrauen schafft. Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter können nun damit planen, dass es bei Condor weitergeht. Durch den Kredit des Bundes und des Landes Hessen bekommt das Unternehmen die Chance, die nun bevorstehende schwierige Umbruchphase zu bewältigen. Mit Thomas Cook fällt ja nicht nur der Eigentümer, sondern auch der wichtigste Kunde weg. Condor wird sich neue Partner suchen müssen – auf allen Ebenen.

Trotzdem sind die Steuermillionen gut investiert, die Chancen, dass sie nach erfolgreicher Rettung zurückfließen, sind hoch. Zumal das Darlehen als Massedarlehen gut abgesichert ist. Selbst bei Air Berlin hat der Staat am Ende jeden einzelnen Cent seiner 150 Millionen Euro wiedergesehen. Und deren Rettung war bekanntlich nicht erfolgreich.

Mehr lesen: Was Sie über die Thomas-Cook-Pleite wissen müssen

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