Die SPD hat einen Kandidaten – und die CDU offene Fragen

  • Nach der Kür von Bundesfinanzminister Olaf Scholz setzt die CDU auf äußere Gelassenheit.
  • Weil weder Parteivorsitz noch Kanzlerkandidatur geklärt sind, stehen der Union allerdings Monate voller Personaldebatten bevor.
  • Das ist eine unbequeme Lage, die durch gute Umfragewerte nicht ausgeglichen wird, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Die SPD hat also nun einen Kanzlerkandidaten. Und was hat die Union? Eine scheidende Kanzlerin, eine CDU-Vorsitzende im Abschiedsmodus und mehrere Männer mit Chefambitionen, die sich gegenseitig im Weg stehen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak empfiehlt seiner Partei vorsorglich, gelassen zu bleiben.

Nun müssen CDU und CSU wirklich nicht gleich zu bibbern anfangen angesichts der Kür von Bundesfinanzminister Olaf Scholz zum sozialdemokratischen Spitzenkandidaten. Schließlich sind die Umfragewerte der SPD weiter geradezu zum Erbarmen miserabel. Und ob es Scholz gelingt, neuen Schwung zu erzeugen und dabei auch die mitzunehmen, die ihn als Teil der Agenda-2010-Truppe für das Elend der Partei mit verantwortlich machen, ist offen.

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Aber unabhängig davon wirft die Entscheidung im Willy-Brandt-Haus, weil sie eben gefallen ist und weil sie zumindest an der Spitze unvereinbar scheinende Pole verbunden hat, ein grelles Licht auf die Leere in der Union. Sie macht deutlich, wie unbequem deren Lage ein Jahr vor der Bundestagswahl ist.

Denn bei CDU und CSU ist nichts geklärt. Erst im Dezember soll über den CDU-Vorsitz entschieden werden, Anfang kommenden Jahres dann über den Kanzlerkandidaten. In den Monaten davor wird die Unionsagenda also weiter von Personaldebatten bestimmt sein.

Enttäuschungen und unversöhnliche Verlierer

Es hat sich gezeigt, dass es dabei oft wenig zimperlich zugeht und dass die Auswahlmöglichkeit tiefe Gräben entstehen lässt, Enttäuschungen und unversöhnliche Verlierer. Nichts sieht derzeit danach aus, als würden sich Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen doch noch darauf einigen, wer in der CDU vorne stehen soll.

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Bei der Kanzlerkandidatur wird es nicht einfacher. Denn da hat auch noch die CSU mitzureden, bei der man herzlich wenig vom Personalangebot der CDU hält.

Olaf Scholz werde seine Partei nicht mitnehmen können, heißt es aus der Union. Ob Merz, Laschet, Röttgen oder Markus Söder das können, ist genauso wenig gesagt.

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Auch inhaltliche Entscheidungen kann es ja erst geben, wenn die Chefetage feststeht.

Die guten Umfragewerte sind ein Trost für die Union, aber nur ein halber. Zu verdanken hat sie sie der Corona-Krise. Es handele sich um einen Merkel-Bonus, das räumen sie selbst in den Parteizentralen ein. Angela Merkel aber, der es gelang, den einen oder anderen SPD- und Grünen-Wähler zu binden, tritt im Herbst 2021 nicht mehr an.

Wo der Kanzlerbonus landen könnte

Zum ersten Mal seit vier Bundestagswahlen ist die Union wieder auf sich selbst gestellt, muss auch ihr Spitzenkandidat ganz von vorne anfangen. Zum ersten Mal überhaupt ist keiner der Kandidaten ein Kanzler, weil Merkel abtritt, ohne abgewählt worden zu sein.

Und dabei ist die Konkurrenz gewachsen. Die Grünen, die ebenfalls im bürgerlichen Lager unterwegs sind, sind so stark geworden, dass sie wohl erstmals einen Kanzlerkandidaten aufstellen werden.

Und die SPD scheint verstanden zu haben, dass ihr von den Rote-Socken-Kampagnen der Union befeuertes Nein zu rot-rot-grünen Bündnissen sie in eine ewige GroKo-Schleife gezwungen hat.

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Wenn der Kanzlerbonus die Anerkennung für Regierungserfahrung ist, könnte der bei leerem Chefsessel nun beim Vizekanzler landen, also bei Scholz.

Statt diesen Wettbewerber für die Bundestagswahl zu begrüßen, beließ es die Union bei der naserümpfenden Feststellung, dass die SPD den falschen Kandidaten zu früh gekürt habe.

Ein Kandidat, der nicht ausgerechnet Bundesfinanzminister in einer großen Koalition und auch von CDU und CSU anerkannt ist, wäre für die Union wohl tatsächlich ein einfacherer Gegner gewesen – schließlich wappnet man sich dort für einen Lagerwahlkampf.

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Vermutlich hat die Partei den Gelassenheitshinweis wirklich nötig.

RND



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