Biografie-Vorstellung: Die Söder-Laschet-Harmonie-Show

  • Markus Söder und Armin Laschet haben sich in der Corona-Politik beharkt und gelten als Konkurrenten um die Unions-Kanzlerkandidatur.
  • Bei der Vorstellung einer Laschet-Biografie kommt Söder plötzlich aus dem Loben nicht mehr heraus.
  • Laschet bemüht sich derweil in Rom um höhere Weihen.
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Berlin. Die Sache mit dem Swimmingpool hat sich Markus Söder besonders gemerkt. Armin Laschet ist mal im Urlaub beim Telefonieren in einen Pool gefallen. “Er hat nicht das Handy hochgehalten, sondern den Zigarillo”, sagt Söder verwundert. “Das wäre bei mir anders gewesen.”

Es ist eine fast 15 Jahre alte Geschichte, sie hat schon in der Zeitung gestanden. Jetzt findet sie sich eben noch mal in einer neuen Biografie über den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, der nun auch gerne CDU-Chef werden möchte.

Das Buch mit dem Titel “Der Machtmenschliche” ist gerade erschienen. Söder stellt es in Berlin vor.

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Söder in Berlin, Laschet beim Papst

Es ist eine interessante Kombination: In der Corona-Krise haben beide Ministerpräsidenten um den inoffiziellen Titel des besseren Krisenmanagers konkurriert. Nun sind beide mögliche Aspiranten auf die Unions-Kanzlerkandidatur.

Es könnte also eine Gelegenheit sein für ein paar bayerische Rempeleien, denen Laschet noch nicht einmal widersprechen könnte: Der macht sich am selben Tag auf den Weg nach Rom, am nächsten Tag will er dort den Papst treffen.

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Söder sagt, er habe Laschet gefragt, ob er etwas gegen seinen Auftritt zur Buchpremiere habe. “Er fand es gut. Ich soll halt auch was Gutes sagen”, berichtet der CSU-Chef. Das macht er dann auch, ziemlich ausführlich sogar. Laschet sei “humorvoll, ernsthaft, heimatbewusst und ein sehr lebensfroher Mensch”, sagt Söder. “Das finde ich jetzt nicht schlecht.”

Kein Fan der CSU

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Und außerdem habe die CDU mit ihm an der Spitze die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen, wo eigentlich die SPD jahrzehntelang am Ruder war. “Das muss man anerkennen”, sagt Söder gleich mehrfach.

Die Biografie beschreibt Söder als sehr freundlich, aber er ist es ja auch.

Laschet sei ihm erstmals aufgefallen, weil er den damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber viel kritisiert hat. Er sei “nicht Mitglied im Fanclub der CSU gewesen”, sagt Söder, der von Stoiber stark gefördert wurde. Er arbeite aber trotz gelegentlicher inhaltlicher Differenzen gut mit Laschet zusammen. Und dass der ihn nach dem schlechten Abschneiden bei der Bayern-Wahl per SMS für eine Parteitagsrede gelobt habe, “das habe ich nicht vergessen”.

Von der Klischeebugwelle

Dass Laschet in der Biografie als zuweilen chaotisch, spontan und wenig karriere- und machtorientiert beschrieben wird, kontert er mit dem Satz: “Natürlich halten sich Klischees.” Nordrhein-Westfalen jedenfalls scheine Laschet “sehr im Griff zu haben”, bei der Bevölkerung genieße er hohe Akzeptanz.

Ist Laschet zu wenig gnadenlos für politische Führungsjobs? “Menschlichkeit ist ganz entscheidend”, sagt Söder, der schwer daran arbeitet, vom Ruf der gnadenlosen Machtmaschine wegzukommen. Auch so eine “Klischeebugwelle”, wie er findet. Und was den angeblich fehlenden Machtwillen Laschets betrifft, sagt Söder: Ein “ganz feiner Mensch” sei der, aber auch einer, der wisse, sich Mehrheiten zu beschaffen.

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“Norbert Röttgen könnte erzählen, dass der Armin da was machen kann.” Laschet und Röttgen haben in NRW mal um den Landesvorsitz konkurriert. Röttgen hat den gewonnen, dann aber die Landtagswahl verloren. Nun kandidiert Röttgen auch für den CDU-Bundesvorsitz. Söder sagt, er kenne Röttgen schon aus Zeiten der Jungen Union: “Der Norbert sah immer gleich schick aus. Wirklich sehr adrett.”

Manche Freundlichkeiten sind auch etwas gemein.

Und wie ist es jetzt mit der Kanzlerkandidatur? “Jetzt warten wir halt ab, wie’s weitergeht”, sagt Söder.

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Kurz nach der Buchvorstellung verschickt dann ein Verlag die Ankündigung eines Buches nicht über, sondern von Friedrich Merz, des dritten CDU-Chef-Kandidaten. Es soll Anfang November erscheinen.

Da soll es dann auch eine Neuauflage einer Söder-Biografie geben – mit dem Titel “Der Schattenkanzler”.

Blasius, Tobias/Küpper, Moritz: Der Machtmenschliche. Klartext-Verlag, 384 Seiten. 25 Euro.

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