Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

„Der Tag“

Die Pressefreiheit betrifft uns alle

Das Wort Pressefreiheit ist in einem Ausschnitt des Artikels 5 des Grundgesetzes auf einer Glasscheibe am Außenhof des Jakob-Kaiser-Hauses zu sehen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

kontrovers haben wir in der Redaktion darüber diskutiert, ob wir am heutigen Tag – seit mehr als 25 Jahren ist der 3. Mai der Internationale Tag der Pressefreiheit – ausführlich beleuchten, wie es eigentlich auf der Welt um die Pressefreiheit bestellt ist. „Das ist selbst­re­fe­ren­zi­ell“ lautete das Argument der redaktionsinternen Skeptiker und Skeptikerinnen, „Pressefreiheit geht alle etwas an“ das der redaktionsinternen Befürworter und Befürworterinnen. Letzteres Argument hat gestochen.

Die Pressefreiheit betrifft uns alle.

In einer Zeit, in der die Freiheit in Europa so massiv gefährdet ist, erscheint die Erinnerung daran wichtiger denn je, und das ist bedrückend und beängstigend zugleich. In einer Zeit, in der Politikerinnen und Politiker über ihre Social-Media-Accounts eigene „Nachrichten“ verbreiten, sind Analysen und Einordnungen unabhängiger und kritischer Journalistinnen und Journalisten essenziell.

Der Blick nach Russland zeigt uns auf besonders erschreckende Weise, was passiert, wenn Menschen nicht mehr frei ihre Meinung äußern können und „Nachrichten“ nicht unabhängig recherchiert, sondern vom Staat vorgegeben werden – fernab der Frage, ob das Berichtete nun stimmt oder nicht. Man erschafft sich einfach seine eigene „Wahrheit“, und das ist brandgefährlich. Unser Kollege Paul Katzenberger beschreibt in seinem Beitrag, wie es Journalistinnen und Journalisten in Russland ergeht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

„Die Demokratie stirbt dort, wo die freie Presse unterdrückt wird. Das beobachten wir überall in der Welt – auch in Russland“, sagt Bundeskanzler Olaf Scholz, „es ist unsere Aufgabe, die Freiheit der Presse in Deutschland und in der Welt zu schützen. Damit verteidigen wir unsere Demokratie.“ So weit die Theorie. Doch die Erinnerung daran an einem fest verankerten und gut gemeinten Jahrestag allein wird nicht ausreichen; zumal Quantität und Qualität an Welttagen – sei es von UN oder anderen Organisationen und Initiativen – inzwischen auf ein ziemlich unübersichtliches Maß gestiegen sind. Am 1. Februar war „Ändere dein Passwort“-Tag, am 28. Februar war Weltkrokettentag und gestern erst war der Welttag des Thunfischs.

Das Recht auf freie Presse und freie Meinungsäußerung muss an 365 Tagen im Jahr mit Leben gefüllt werden, die Politik ist verantwortlich dafür, die notwendigen Grundvoraussetzungen zu schaffen – etwa bei der Strafverfolgung derer, die Journalistinnen und Journalisten bedrohen, attackieren oder verfolgen. „2021 haben wir allein 80 gewaltsame Überfälle auf Journalistinnen und Journalisten bei der Arbeit dokumentiert. Das ist ein neuer Höchststand und eine wirklich dramatische Situation“, sagt Lotte Laloire von Reporter ohne Grenzen dem Redaktions­Netzwerk Deutschland.

Hier stellt sich die Frage, ob unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat, der die Aufgabe hat, Journalistinnen und Journalisten zur Sicherung der Pressefreiheit vor Straftäterinnen und Straftätern zu schützen, um zu gewährleisten, dass die Presse als Institution das in Artikel 5 des Grundgesetzes verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung unbeeinträchtigt wahrnehmen kann, tatsächlich genug unternimmt.

Deutschland ist in der Rangliste der Pressefreiheit abermals abgerutscht, diesmal von Platz 13 auf Rang 16 – Norwegen, Finnland und Schweden schneiden am besten ab.

Auch Journalistinnen und Journalisten machen wahrlich nicht alles richtig in ihrer täglichen Arbeit, komplexe Sachverhalte einzuordnen und den Wahrheitsgehalt ihrer Nachrichten zu überprüfen. Deshalb ist es so wichtig, dass sich auch Medien einem kritischen Kontrollorgan stellen, das sie hinterfragt. Dieses Kontrollorgan sind Sie, liebe Leserinnen und Leser. Wir möchten Sie ermutigen, weiterhin mit uns in den Dialog zu treten, uns zu korrigieren, mit uns zu diskutieren und abzuwägen. Die Debatte und der Streit sind das Fundament einer Demokratie, die es so sehr zu schützen gilt.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag!

Herzlichst

Ihr Marco Fenske, Chefredakteur Redaktions­Netzwerk Deutschland

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland steht für unabhängigen, sorgfältig recherchierten, spannend erzählten, kritischen und einordnenden Journalismus in einem herausragenden Verbund aus regionalen Medienmarken und der Marke Redaktions­Netzwerk Deutschland.

Laden Sie sich jetzt kostenfrei unsere neue RND-App herunter:

 

Zitat des Tages

Steht der Sache im Weg.

Bundeskanzler Olaf Scholz

erteilt einer Ukraine-Reise eine deutliche Absage

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat am Montagabend im ZDF seine Ukraine-Politik erklärt. Dabei wehrte er sich gegen kritische Stimmen, die ihm Zögerlichkeit in Kriegszeiten vorwerfen. Einer Reise nach Kiew erteilte Scholz eine deutliche Absage – wegen des Eklats um Bundespräsident Steinmeier.

 

Leseempfehlungen

15 Jahre danach: Der Fall Maddie McCann hält die Welt noch immer in Atem. 15 Jahre nach ihrem Verschwinden haben die Eltern noch immer keine Gewissheit, was mit ihrer Tochter passiert ist. Ein Psychologe erklärt, was das mit der Familie macht und wie Eltern und Geschwister trotzdem würdig abschließen können. Leonard Laurig hat zudem die schwierige Spurensuche und den aktuellen Stand der Ermittlungen zusammengefasst.

Urlaub im E‑Wohnwagen: Er ist ein echter Hingucker: der silberne Airstream-Caravan ist von amerikanischen Highways und US-Filmsets nicht mehr wegzudenken. Bald gibt es das Kultobjekt als ersten Caravan serienmäßig auch mit E‑Antrieb. In Deutschland sind Anhänger mit angetriebener Achse bislang nicht erlaubt. Doch das könnte sich schon bald ändern (RND+).

 

Aus unserem Netzwerk: Ärger auf dem Parkplatz

Unser Autor war nur knapp fünf Minuten im Drogeriemarkt, um Windeln zu kaufen. Als er wiederkam, hatte er ein feuerrotes Parkticket über 30 Euro am Auto. Das Vergehen: Die Parkscheibe lag nicht im Auto. Welche Firmen stecken hinter dieser Masche? Und wie arbeiten sie? Eine Spurensuche am Beispiel von Hannover (RND+).

 

Termine des Tages

9 Uhr: Die Bundesregierung geht in Klausur. Ukraine-Krieg und Wirtschaftsfragen stehen für zwei Tage im Mittelpunkt der Gespräche auf Schloss Meseberg.

Deutscher Besuch in der Ukraine: Außer CDU-Chef Friedrich Merz soll auch Linken-Politiker Gregor Gysi in dem Kriegsland zu Gast sein.

 

Wer heute wichtig wird

Wie geht’s der jungen Generation? Simon Schnetzer, Jugendforscher und Initiator der Studie „Jugend in Deutschland“, stellt heute seine Ergebnisse vor. Im Fokus stehen dabei die Lage und die Bedürfnisse der 14- bis 29-Jährigen.

Wie geht’s der jungen Generation? Simon Schnetzer, Jugendforscher und Initiator der Studie „Jugend in Deutschland“, stellt heute seine Ergebnisse vor. Im Fokus stehen dabei die Lage und die Bedürfnisse der 14- bis 29-Jährigen.

 

„Der Tag“ als Podcast

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Die News zum Hören

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

 

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichten­angebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexpertinnen und ‑experten aller Bereiche.

Mehr aus Politik