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  • Die Partei: Marco Bülow über Sexismus und Rassismus in den eigenen Reihen

Die-Partei-Mitglied Marco Bülow: Jede Partei hat ein Rassismusproblem

  • Marco Bülow sitzt seit 2002 im Deutschen Bundestag.
  • Früher war er Mitglied der SPD, 2020 ist er in die Satirepartei Die Partei eingetreten.
  • Der Politiker will, dass sich Parteileute mit Sexismus und Rassismus innerhalb der Partei auseinander­setzen.
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Der Bundestags­abgeordnete Marco Bülow (Die Partei) fordert eine „ernsthafte“ Debatte über Sexismus und Rassismus in seiner Partei. „Jede Partei – unterschiedlich stark – hat ein Rassismus­problem. Schon dies zu leugnen zeigt an, dass man gar nichts begriffen hat von diesem strukturell verankerten Problem“, sagte der Politiker im Interview mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Das Gleiche gilt für Sexismus, und dazu muss es auch in der Partei eine ernsthafte Debatte geben.“

Es gebe mittlerweile Witze, die falsch verstanden oder in einer Satire nicht mehr gemacht werden sollten. Bülow fügt hinzu: „Mein Verständnis von Satire ist, dass nur nach oben getreten werden sollte und nicht nach unten. In dem Rahmen können wir alles machen, aber in anderen Bereichen sollten Partei-Mitglieder vorsichtig sein.“ Rassismus­vorwürfe würden mittlerweile reflexartig hochkommen. Zu vergangenen Vorwürfen gegen Partei-Chef Martin Sonneborn sagt er: „Ich kenne Martin Sonneborn ziemlich gut, und was ihm an Rassismus angedichtet wurde, ist völliger Quatsch. Schaut seine gesamte Arbeit an.“

Bülow: Die anderen Parteien versagen

Der ehemalige SPD-Politiker Bülow ist seit November 2020 Mitglied in der Satirepartei Die Partei. Satire und Realpolitik schließen sich laut Bülow nicht aus. „Satire und Realpolitik lassen sich kaum trennen“, so Bülow zum RND. „Kann es sich die Die Partei noch leisten, nur noch den Spaßfaktor zu sehen? Dafür ist die aktuelle Situation zu ernst und dafür versagen die anderen Parteien zu stark.“

Die letzten Jahre in der SPD seien frustrierend gewesen, weil Bülow andauernd gegen Mauern gelaufen sei. „Ich bin Umwelt­politiker und in der SPD sehr lange die üblichen Wege gegangen. Ich habe versucht, Mehrheiten und Parteitags­beschlüsse mit Argumenten zu erreichen, aber diese Abmachungen spielten dann plötzlich in den Koalitions­verhandlungen keine Rolle mehr.“

Das sei anders in der Satirepartei. „In Die Partei ticken zwar nicht alle so wie ich, aber vieles wird zugelassen. Wer sich in einem bestimmten Rahmen engagieren möchte, kann sich einbringen. Manche schießen übers Ziel hinaus, manche haben eher den Spaßfaktor im Sinn. Das Schöne ist, dass dieses Spektrum zugelassen wird.“

Bülow zufolge würden sich für seine Partei ganz andere Möglichkeiten für die nächsten Wahlen ergeben, wenn sie auf 3 Prozent kommen würde. „Ich finde die Diskussion absurd, dass dem progressiven, linken Lager Stimmen geklaut würden, wenn Wählerinnen und Wähler Die Partei wählen“, so Bülow. „Die Stimme ist eher bei der SPD oder den Grünen verschenkt, wenn sie dann eine Koalition mit der Union eingehen und ihre Prinzipien über Bord werfen.“

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