Die neue Linke ist wieder ganz die Alte

  • Zuletzt hatte sich die Linkspartei relativ harmonisch präsentiert.
  • Nun gibt es die bekannte Überschrift: „Streit um Wagenknecht“.
  • Der nötige Wandel kommt so nicht zustande, kommentiert Markus Decker.
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Bei der Linken hatte es zuletzt Anlass zur Hoffnung gegeben. Die Wahl der neuen Vorsitzenden Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow war gemessen an dem, was die Partei sonst so bietet, sensationell glatt gelaufen. Auch in die Fraktion ist Ruhe eingekehrt. Nun kommen die alten Geister wieder.

Die einstige Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht wird für Wissler und Hennig-Wellsow zur Hypothek – so wie für ihre Vorgänger Katja Kipping und Bernd Riexinger. Wagenknecht wendet sich immer stärker nationalen Positionen zu und immer stärker von jenen linksliberalen Milieus ab, für die die Grünen und Teile der SPD stehen. Das irritiert einen Teil der eigenen Wählerschaft und unterläuft jene grün-rot-rote Machtperspektive, die sich nicht wenige in der Partei wünschen. Die neue Führung würde sich vermutlich wie die alte liebend gern von der 51-Jährigen trennen. Sie hat freilich soeben abermals Platz eins der nordrhein-westfälischen Landesliste erklommen. Die Hypothek bleibt.

Auch andere Personalien sprechen für sich. Die sehr fähigen Linken-Abgeordneten Stefan Liebich aus Berlin und Fabio de Masi aus Hamburg klagten soeben im „Spiegel“ über Strippenzieherei und Machtspielchen in Partei und Fraktion – und scheiden aus dem Parlament aus. Der begabte Verteidigungsexperte Matthias Höhn kämpft für realistische Positionen und damit gegen Windmühlenflügel. Dafür wurden in Nordrhein-Westfalen neben Wagenknecht auch Sevim Dagdelen und Alexander Neu auf aussichtsreiche Listenplätze gewählt. Sie sehen ihre Aufgabe vorrangig darin, autoritären Regimes die Hand zu reichen.

Wer glaubt, die Linke könne sich grundlegend wandeln, der irrt. Stattdessen gibt es die alte Überschrift: „Streit um Wagenknecht“.

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