Die Moderatorin ist der Star des Duells

  • Kristen Welker von NBC News hat in der letzten Nacht nicht nur Trump und Biden in den Griff bekommen.
  • Sie hat das Land in schwieriger Zeit ein Stück weit neu zusammen­rücken lassen
  • Amerika scheint endlich zurückzufinden zu einem fairen Austausch von Argumenten.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Gewinner der Debatte der letzten Nacht heißt nicht Donald Trump und auch nicht Joe Biden. Es ist Kristen Welker, die fürs Weiße Haus zuständige Korrespondentin des US-Senders NBC. Sie hat es geschafft, als Moderatorin mit einer klaren Struktur und klaren Regeln eine Sendung abzuliefern, die man sich ansehen und von der man lernen konnte.

Die 44-Jährige hat auf kluge Art gefragt. Zum Thema Rassismus zum Beispiel wollte sie von den Kandidaten nicht irgendein Statement hören. Sie fragte gezielt danach, was sie den Opfern von Rassismus sagen würden – und ob sie deren Gefühle nachempfinden können.

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Hier zeigte sich, wie so oft, dass Trump nicht wechseln kann, wenn es ans Menschliche geht. Als müsse er schnell den Rücken durchdrücken und kräftig auf die Werbetrommel schlagen, tönte er, kein Präsident seit Lincoln habe mehr für die Schwarzen getan als er. Er habe eine Justizreform in Gang gesetzt und für viele Jobs gesorgt, „mit den besten Beschäftigtenquoten aller Zeiten“, jedenfalls bis zur Pandemie.

Donald Trump (rechts) und Joe Biden (links) beim letzten TV-Duell vor der Präsidentschaftswahl in den USA. In der Mitte sitzt Moderatorin Kristen Welker. © Quelle: Jim Bourg/Pool Reuters/AP/dpa

Als Biden drankam, sprach er über schwarze Eltern, die bis heute ihren Jungs einschärfen, bei Verkehrskontrollen im Auto nur ja immer beide Hände sichtbar aufs Steuer zu legen – um auszuschließen, dass Missverständnisse entstehen und ein Schuss aus einer Polizeipistole fällt. Dies mache ihn betroffen, sagte Biden, und das müsse jeder einmal sacken lassen.

Es war mit Händen zu greifen, dass es solche Antworten waren, die Welker sich auch einmal von Trump gewünscht hätte. Sie selbst hat einen Vater indianischer Abstammung, ihre Mutter ist Afroamerikanerin.

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Ein Stück weit immerhin ließ diese Debatte dennoch die Nation zusammenrücken. Amerika, das schon völlig sprachlos erschien vor lauter Polarisierung, hat wieder Argumente hören können. Es bleibt eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet eine Stummschaltung der Mikrofone dies bewirkte: Zu Beginn jedes Themensegments durfte jeder einmal zwei Minuten ungestört reden, ohne dass der andere ihm ins Wort fiel.

Wer an welchen Stellen Punkte sammelte und wie sich die Debatte auf die Schlussphase des Präsidentschaftwahlkampfs auswirken wird, fasst unser Washingtoner Korrespondent Karl Doemens zusammen.

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Die Daimler AG legt heute in Stuttgart Quartalszahlen vor – zuletzt hatte sich das Unternehmen in der Viruskrise überraschend gut geschlagen.

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In Potsdam gehen heute die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst weiter. Die Gewerkschaft Verdi fordert 4,8 Prozent mehr Lohn. Seit die Arbeitgeber 3,5 Prozent geboten haben, erscheint die Einigung nicht mehr fern.

In Brüssel tagen die Nato-Verteidigungsminister. Zu den Themen gehört unter anderem der Selbstschutz der Soldaten vor der neuen Viruswelle.

In Brandenburg entscheidet heute das Verfassungsgericht über das Paritätsgesetz, das gleich viele Frauen und Männer auf Wahllisten verlangt. In Thüringen wurde ein Paritätsgesetz im Juli vom höchsten Gericht des Landes gekippt.

Wer heute wichtig wird

„Heute morgen sind wir mit einer großartigen Nachricht aufgewacht“, sagt Yaiza Castilla, Tourismusministerin der Kanarischen Inseln. Das Auswärtige Amt in Berlin hebt von Samstag an die für die Kanaren geltende Reisewarnung auf. Für viele Deutsche, die sich umschlossen fühlen von wachsender Düsternis im eigenen Land, ist dies ein Lichtblick.

Yaiza Castilla, Tourismusministerin der Kanarischen Inseln, lobt den Beschluss des Auswärtigen Amtes in Berlin, die Reisewarnung für ihre Region am Samstag aufzuheben. © Quelle: Yaiza Castilla

Aber sind Reisen auf die Kanaren wirklich sicher? Yaiza Castilla muss jetzt alles tun, um die neuen Möglichkeiten nicht gleich wieder zu verspielen. In unguter Erinnerung hat die spanische Regierung das hoffnungsvolle Hochfahren des Mallorca-Tourismus – der dann nach bestürzenden Ballermann-Szenen ein jähes Ende fand. Castilla muss jetzt ein Konzept finden, das die wunderbaren Inseln auf intelligente Art durch Herbst und Winter bringt.

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Aus dem RND-Newsroom: Matthias Koch

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