Die Macht der Frauen in den USA

  • Knapp 18 Tage sind es noch bis zur Wahl in den Vereinigten Staaten.
  • Geben die Stimmen der Frauen in den USA am Ende den Ausschlag, ob der Sieger Trump oder Biden heißt?
  • US-Experte Matthias Koch blickt genauer hin.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

vor genau 100 Jahren erlangten Frauen in den USA das Recht zu wählen: one woman, one vote. In diesem Jahr winkt ihnen ein weiterer historischer Durchbruch: Nach neuen Umfragen werden sie der maßgebliche Faktor sein bei der von aller Welt mit größter Spannung erwarteten Wahl am 3. November.

Hintergrund ist eine verblüffende Spaltung der amerikanischen Wählerschaft. Die Männer sind weiterhin unentschieden. Würden nur sie abstimmen, gäbe es derzeit nach einer Umfrage von ABC und „Washington Post“ einen Gleichstand: 48 Prozent für Trump, 48 Prozent für Biden. Bei den Frauen aber liegt Biden weit vorn, mit 59 zu 36 Prozent. Wenn es dabei bleibt, ist Trumps Zeit im Weißen Haus zu Ende – und er weiß dann, bei wem er sich zu bedanken hat.

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Noch im Jahr 2016 bekam Trump von Frauen, besonders von weißen Frauen aus den Vorstädten, verblüffend viele Stimmen. Damit ist es jetzt offenbar vorbei. Wie ist dieses Phänomen zu erklären?

Bringen die Frauen die Wende?

RND-Chefautor Matthias Koch hat seit einem Studienjahr in Washington immer einen besonderen Blick auf die USA behalten, auch auf Stimmungen und Strömungen abseits von Expertenrunden. In seiner heutigen Analyse zur Macht der amerikanischen Wählerinnen schreibt er: „In der Frauenzeitschrift ‚Marie Claire‘ steht eigentlich alles, was man wissen muss, um die aktuelle Wendestimmung in den USA zu verstehen.“ Dort nämlich outen sich frustrierte weiße Trump-Wählerinnen: Keine von ihnen will ihn noch mal wählen.

Bei seiner TV-Fragestunde vor wenigen Stunden genügte schon eine Frau, um den US-Präsidenten aus der Ruhe zu bringen. Moderatorin Savannah Guthrie konfrontierte Trump mit der Verschwörungs­theorie Qanon, seinem Corona-Test vor dem ersten TV-Duell mit Joe Biden, seinen Schulden und einigem mehr. Trump reagierte mitunter gereizt, während es bei der Parallelsendung mit Biden eher gemäßigt zuging.

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Übrigens öffnen mittlerweile immer mehr US-Bundesstaaten Wahllokale, in denen man schon jetzt persönlich abstimmen kann. Matthias Koch fragte gestern Professor Michael McDonald von der University of Florida, einen Guru auf dem Feld von Wahlen und Statistik, nach dem Stand der Dinge. Bei einem von McDonald geleiteten nationalen Forschungsprojekt laufen derzeit Daten von allen Wahlleitern der USA zusammen.

Überraschung Nummer eins: 17 Millionen Amerikaner haben schon gewählt. „Noch nie in der Geschichte der USA haben so viele Amerikaner so früh vor einer Wahl ihre Stimme abgegeben“, sagte McDonald dem RND.

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Überraschung Nummer zwei: Bei den schon abgegebenen Stimmen liegen die registrierten Demokraten sehr deutlich vor den Republikanern, sogar im Verhältnis zwei zu eins. „Diese ersten Eindrücke dürfen aber nicht als Trendmeldung für ein späteres Wahlergebnis missverstanden werden“, warnt McDonald. „Die Republikaner werden sich in umso größerer Zahl noch am 3. November in den Wahllokalen zeigen.“

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Superspreader Schule?

Deutschland sucht den Superspreader. Aus welchen Zusammenhängen ergeben sich die meisten Neuinfektionen mit dem Coronavirus? Der Sommerurlaub war zwar ein Faktor, allerdings ein kleiner, wie sich am Ende gezeigt hat. Die befürchtete zweite Welle blieb aus. Und auch die im Anschluss an den Urlaub erfolgten Schulöffnungen (auch hier hatte es unzählige Warnungen gegeben), entpuppten sich bislang keineswegs als Auslöser für den rasanten Anstieg der Corona-Zahlen, der derzeit zu beobachten ist.

Dies geht aus einer Umfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND) unter allen Kultusministerien der Bundesländer hervor. Demnach konnten bis zum Start der Herbstferien durchschnittlich 98 Prozent aller Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen. Auch das Infektions­geschehen an den Schulen lässt nicht auf das Klassenzimmer als potenziellen Ort für Super­spreading­ereignisse schließen. RND-Autorin Rebecca Lessmann gibt einen ausführlichen Überblick.

Schon bald 10.000 Neuinfektionen?

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Angela Merkel hatte bereits im März vor einem dramatischen Anstieg der Corona-Zahlen gewarnt. Die Kanzlerin hielt 19.200 tägliche Neuinfektionen zu Weihnachten für keineswegs unrealistisch. Für ihre Aussagen wurde Merkel vor knapp drei Wochen teilweise noch milde belächelt. Heute zeigt sich: Das drohende exponentielle Wachstum steuert geradewegs auf diese Zahlen hin. Längst erreichen wir in Deutschland Rekordwerte seit Ausbruch der Pandemie. An diesem Freitag gab es gleich einen neuen Höchstwert von 7334 registrierten Ansteckungen mit dem Coronavirus.

Bis zur Marke von 10.000 Neuinfektionen am Tag trennt uns also womöglich nur noch das bevorstehende Wochenende.

Zitat des Tages

Ich bemühe ja gern das deutsche Liedgut: Entweder Katja Ebstein: „Wunder gibt es immer wieder“, oder Christian Anders: „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“.

Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange, zu den Chancen auf einen EU-Handelsvertrag mit Großbritannien nach der Brexit-Übergangsphase

Leseempfehlungen

Sie bekommt täglich die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit: Carola Holzner ist Notfall­medizinerin am Universitäts­klinikum Essen. Vor einigen Tagen setzte sie einen emotionalen Facebook-Appell ab. Der Artikel wurde tausendfach geteilt und kommentiert. Darin findet die Ärztin deutliche Worte für Corona-Leugner und Maskenverweiger – und schockiert mit einem Bild. RND-Autorin Johanna Apel hat mit ihr über ihren Alltag bei der Behandlung von Covid-19-Patienten und die Reaktionen auf ihren Appell gesprochen.

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Krisen offenbaren die Schwächen im System, sagt Wissenschafts­journalist Ranga Yogeshwar. Im Gespräch mit RND-Redakteurin Saskia Bücker erklärt der bekannte Moderator unter anderem, wieso Corona-Gegner auf Social-Media-Plattformen besonders stark Gehör finden. Corona sei teilweise auch eine Chance für die Zukunft: Weil wir in der Kommunikation ehrlicher werden und zugeben, nicht sofort auf alles eine Antwort zu haben.

Wöchentliche Latenight-Sendung, diverse TV-Shows und einen Podcast – Moderator und Produzent Klaas Heufer-Umlauf verrät RND-Reporter Thomas Kielhorn, wie er bei so vielen Terminen den Überblick behält: „Ich organisiere mein ganzes Leben mit dem Handy. Meine Computer benutzte ich oft nur wie Schreibmaschinen.“ Außerdem verrät Heufer-Umlauf, warum er seine Show „Late Night Berlin“ notfalls auch ohne Publikum weitermachen würde.

Die Termine des Tages

Die Kultus­minister­konferenz geht am Freitag zu Ende. Auch heute soll es um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Schulen in Deutschland gehen.

Heute kommen in Brüssel erneut die 27 Staats- und Regierungs­chefs der EU zusammen. Es ist der zweite und letzte Tag der Verhandlungen. Am Donnerstag gingen die Gespräche bis spät in den Abend.

In Erfurt findet die Mitglieder­versammlung des Deutschen Bauern­verbandes statt. Auf dem Programm stehen die Rede von Bauern­präsident Joachim Rukwied zur Gesamtsituation in der Landwirtschaft, eine Rede von Bundes­agrar­ministerin Julia Klöckner (CDU) und die Wahl des Vorstands.

Wer heute wichtig wird

Der Präsident des Deutschen Bauern­verbandes, Joachim Rukwied, kandidiert bei einer Mitglieder­versammlung am Freitag in Erfurt (11 Uhr) erneut für die Verbands­spitze. Bei dem Treffen werden nach Angaben eines Sprechers bis zu 500 Delegierte erwartet. Der ursprünglich für Ende Juni in Lübeck geplante Deutsche Bauerntag wurde in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Weil die Wahl des Vorstandes – einschließlich des Präsidenten­postens – ansteht, wurde eine Mitglieder­versammlung im Oktober angesetzt. © Quelle: Christoph Schmidt/dpa

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Aus dem RND-Newsroom: Ihr Markus Merz

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