Der letzte Schlagabtausch im Fernsehen

  • Am Abend betreten Anna­lena Baer­bock (Bündnis 90/Die Grünen), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) die Bühne beim dritten und letzten TV-Triell.
  • Doch nur einer von ihnen darf in einigen Wochen Deutsch­land auch auf der inter­nationalen Bühne vertreten.
  • Dort gibt es jetzt im U‑Boot-Streit eine neue diplo­matische Krise, die auch Deutsch­land betrifft.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Count­­down zur Bundes­tags­wahl läuft: In einer Woche ist Wahltag, in einer Woche könnte bereits feststehen, wer die nächste Kanzlerin oder der nächste Kanzler wird. Ein letzter Schlag­­abtausch der Kanzler­kandidaten von CDU, SPD und Grünen steht heute Abend bevor. Auch wenn die Wahl laut Umfragen eher auf ein SPD-CDU-Duell hinausläuft, werden beim dritten TV-Triell um 20.15 Uhr Anna­lena Baer­bock (Bündnis 90/Die Grünen), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) zu sehen sein und noch einmal versuchen, die bisher unentschlossenen Wählerinnen und Wähler von sich und ihrem Wahl­­programm zu überzeugen. Immerhin haben sich laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts Allens­bach etwa 40 Prozent der Wahl­berechtigten noch nicht festgelegt, bei wem sie am Sonntag ihre beiden Kreuze setzen.

Zugegeben, die Parteien machen es den Deutschen nicht gerade leicht. Die letzten Wahl­kampf­wochen waren vor allem von persön­lichen Angriffen und vermeint­lichen Neben­schau­plätzen geprägt. Plagiats­vorwürfe, Lügen und Schmutz­kampagnen – längst sprechen Politik­­wissen­­schaftler und ‑wissen­schaft­lerinnen von einer zunehmenden „Amerikani­sierung“ des deut­schen Wahl­kampfes. Nun sorgt auch noch der Youtuber Rezo mit einem neuen Video über die Korruption in der CDU/CSU für Ärger.

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Kaum Streit um Inhalt, stattdessen Schlammschlacht: Im Wahlkampf vor der Bundestagswahl geht es zur Sache, aber mit wenig Sachlichkeit. © Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Das Triell Nummer drei heute Abend dürfte kurz­zeitig etwas mehr Sach­lich­keit in die Schlamm­schlacht des Wahlkampfs bringen. Auf den Moderations­karten von Linda Zervakis und Claudia von Brau­chitsch stehen Fragen zur Corona-Pandemie und dem Gesund­heits­system, zu sozialer Gerechtig­keit und der Digitalisierung in Schulen. Themen, zu denen sich die Kandidaten aller­dings schon unzählige Male geäußert haben. Um internationale Fragen ging es im Wahl­kampf und in TV-Auftritten bisher aber kaum, sieht man einmal von der Afghanistan-Evakuierung vor rund drei Wochen ab. Ändert sich das heute Abend?

Gesprächs­bedarf gäbe es jedenfalls genug. Ganz aktuell ist die diplomatische Krise zwischen Frank­reich, den USA und Australien, nachdem Australien einen 56-Milliarden-Euro-Vertrag für französische U‑Boote aufgekündigt hat und nun mithilfe der USA selbst Atom-U-Boote bauen möchte. Für Frank­reich ist nach diesem Affront klar: Das gegen­seitige Vertrauen wurde „miss­braucht“, die Botschafter aus Canberra und Washington wurden umgehend zurückberufen. Dieser Vorgang dürfte nur der Auftakt zu einer echten Vertrauens­­krise im westlichen Bündnis sein, meint RND-Haupt­stadt­korrespondent Thoralf Cleven.

Unsere Australien-Korres­pondentin stimmt ihm zu und wirft einen Blick auf die weiteren Schritte: Australien werde nun mit wirt­schaftlichen und diplomatischen Vergeltungs­maßnahmen von Frank­reich rechnen müssen, schreibt Barbara Barkhausen aus Sydney. Für Europa kommt der Streit jedoch zur Unzeit, denn derzeit laufen Verhand­lungen für ein Frei­handels­abkommen zwischen Australien und der Euro­päischen Union. Frank­reich könnte hier seinen Einfluss geltend machen und Australien den Zugang zu den euro­päischen Märkten für Jahr­zehnte blockieren.

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Angesichts dieser und immer weiterer internationaler Heraus­forde­rungen stellt sich einmal mehr die Frage: Welcher der drei Kanzler­kandidaten kann Deutsch­land auf dem inter­nationalen Parkett besser vertreten?

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Zitat des Tages

Kassen­ärzte­chef Andreas Gassen spricht sich für die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen in sechs Wochen aus. Das Datum gebe jedem, der wolle, genug Zeit, sich noch impfen zu lassen. Er kritisiert eine „German Angst“.

Leseempfehlungen

Der amerikanische Alb­traum: Monate­lang dachten viele, es könne nicht wahr sein. Doch die Hinweise auf eine weitere Präsident­schafts­kandidatur von Donald Trump verdichten sich, analysiert RND-Chef­autor Matthias Koch. In Iowa heuert er bereits Wahl­kampf­berater an, in Georgia bittet er nächste Woche zur Groß­kund­gebung. „Er will es noch mal wissen“, sagen Vertraute. Trump fühle sich beflügelt durch die Afghanistan-Krise und die abstürzenden Umfrage­werte von Joe Biden.

Ein düsterer deutscher Herbst? Die Impf­woche von Bund, Ländern und Kommunen geht zu Ende. „Ein Erfolg“ sei die Woche gewesen. Aber nur rund 200.000 Menschen haben sich pro Tag locken lassen – im Juni waren es häufig mehr als eine Million gewesen. Es muss endlich eine Strategie her, die gesell­schafts­politisch taugt, sonst wird es ein düsterer Herbst, meint Daniel Killy.

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Aus unserem Netz­werk: Gewinnt die AfD in Sachsen?

Eine Insa-Umfrage im Auftrag der „Leipziger Volkszeitung“ sagt der AfD in Sachsen einen klaren Sieg bei der Bundes­tags­wahl voraus. Der CDU könnte dort hingegen ein Debakel drohen.

Termine des Tages

Duma­­wahl: In Russland endet heute die auf insgesamt drei Tage angesetzte Parlaments­­wahl. Rund 110 Millionen Menschen im flächenmäßig größten Land der Erde waren aufgerufen, die 450 Abgeordneten der neuen Staats­duma zu bestimmen. Bereits zum Beginn der Wahl hatte die Opposition über vorausgefüllte Wahl­­zettel und andere Manipulations­versuche geklagt. Zahl­reiche Regierungs­kritiker und ‑kritikerinnen – darunter Unter­stützer des inhaftierten Politikers Alexej Nawalny – sind gar nicht erst als Kandidaten zugelassen.

Parteitage: Grüne und FDP gehen am Sonn­tag mit Partei­tagen in ihrem Wahl­kampf auf die Ziel­gerade. Genau eine Woche vor der Bundes­tags­wahl wollen sich die Spitzen­kandidaten beider Parteien in Berlin zu ihren Zielen äußern.

Wer heute wichtig wird

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Der nieder­ländische König Willem-Alexander enthüllt heute ein Holo­caust­denk­mal. Das sogenannte Namen-Monu­ment erinnert an alle von deutschen National­­sozialisten und Nationalsozialistinnen ermordeten Juden und Jüdinnen sowie Sinti und Roma aus den Nieder­landen. Es besteht aus 102.000 Steinen – pro Mensch ein Stein mit seinem Namen. Zuvor hatten Bürger und Bürgerinnen versucht, mit Prozessen das Mahn­mal zu verhindern. © Quelle: imago images/PPE

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