Die Koalition und der böse Wolf

  • Der Bundestag beschließt eine Erleichterung der Abschussregelungen für Wölfe.
  • Damit ist ein Kompromiss zwischen Naturschützern und Landwirtschaftsvertretern erreicht.
  • Wichtig ist, sich in der Debatte nicht von Angst steuern zu lassen, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. 105 Wolfsrudel, 25 Wolfspaare und 13 sogenannte "sesshafte Einzelwölfe" zählt das Bundesamt für Naturschutz in Deutschland. 1300 Tiere schätzt der Jagdverband. Es ist eine streng geschützte Tierart, die es in Deutschland lange nicht mehr zu geben schien.

Nun sind sie wieder da, und mit ihnen ist etwas anderes gekommen: die Angst. Die hat ihre Ursache auch im Phantastischen. In Märchen wie in der Bibel ist der Wolf regelmäßig der Böse, der Rücksichtlose und Aggressive, der Feind des Menschen. Er symbolisiert Hinterhalt und Gefahr, auch sprichwörtlich. Da ist es schwer, sich einen guten Ruf zu erarbeiten.

Das Problem der Schäfer

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Aber es gibt eben auch handfeste Probleme. Für Schäfer kann es existenziell werden, wenn Wölfe ihre Tiere anfallen. Dass sie keine Lust darauf haben, den Übeltäter weiter in der Nähe zu wissen, ist verständlich.

Es ist wie so oft: Wenn Natur und Mensch aufeinandertreffen, ist es nicht immer zum beiderseitigen Wohl – und die zunehmende Zersiedelung der Landschaft minimiert Rückzugsräume.

Durch die Kombination aus Symbolik, toten Schafen und wirtschaftlichen Interessen hat der Wolf die Politik erreicht, mit großer Wucht. Umwelt- und Agrarpolitiker der Koalition haben sich so zerstritten, dass schließlich das Kanzleramt vermitteln musste. Nun ist nach vielen Monaten ein Kompromiss erreicht.

Panik ist kein guter Ratgeber

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Die Abschussregelungen für Wölfe werden gelockert. Wenn Schafe gerissen werden, muss der verdächtige Wolf nicht mehr identifiziert werden – es gilt eine Art Sippenhaft. Die Schadengrenze, ab der ein Jäger einschreiten darf, wird herabgesetzt. Allerdings muss auch jeder einzelne Abschuss genehmigt werden.

Es ist ein sinnvoller Kompromiss, sofern die Genehmigung nicht zum Automatismus wird. Panik und Angst sind schlechte Ratgeber – auch im Umgang mit Wölfen.

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