Die Kanzlerfrage: Das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten

  • Nur die SPD hat bislang einen Kanzlerkandidaten nominiert: Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz.
  • Sowohl bei der Union als auch bei den Grünen ist die Frage noch ungeklärt.
  • Ein Blick auf das Feld der potenziellen Kandidaten.
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Berlin. Eines scheint klar: Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird der einzige Vertreter der aktuellen Bundesregierung sein, der als Kanzlerkandidat für den Chefposten im künftigen Kabinett kandidiert. Das Kalkül der SPD: Mit seiner Erfahrung soll Scholz bei Wählern punkten, die bisher vor allem wegen Angela Merkel die Union gewählt haben.

Die Umfragen deuten bislang nicht darauf hin, dass dieser Plan aufgeht: Die Union kommt auf Werte zwischen 34 und 37 Prozent, die Grünen zwischen 17 und 21 Prozent. Die SPD liegt wie festgenagelt bei 15 mickrigen Pünktchen.

Die Union in der Pole-Position

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Die wahrscheinlichste Variante ist Stand heute, dass die Union den nächsten Kanzler stellt – wobei mit Spannung erwartet wird, ob sich die Umfragewerte bewegen, wenn Union und Grüne ihre Kandidaten nominieren. Immerhin endet mit dem Abgang von Angela Merkel nach 16 Jahren eine Ära. Sollte es eine Mehrheit jenseits der Union geben, wird entscheidend sein, wer im linken Lager die Nase vorn hat. 25 Prozent, vielleicht sogar etwas weniger, könnten ausreichen, um das Kanzleramt zu erobern. Eine grüne Kanzlerin oder ein grüner Kanzler sind dann ebenso denkbar wie ein Kanzler Scholz.

Die Favoritenrolle aber liegt eindeutig bei der Union. Nach der Wahl von Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden ist zumindest eines klar: Entweder er oder CSU-Chef Markus Söder wird die Union in den Wahlkampf führen. Für Laschet spricht, dass er als Chef der größeren CDU eigentlich so etwas wie der natürliche Kandidat ist. Gleichzeitig steht er inhaltlich für einen Kurs der Mitte, der in vielerlei Hinsicht dem von Merkel ähnelt. Für die SPD ist das unangenehm. Die Sozialdemokraten hatten insgeheim auf einen Sieg von Friedrich Merz im CDU-internen Machtkampf gegen Laschet gehofft. Merz hätte die Wählerschaft polarisiert, Laschet wird dies sicher nicht tun.

Doch wird Laschet wirklich Kanzlerkandidat – oder kommt, zum dritten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik – ein CSU-Politiker zum Zug? Laschet und CSU-Chef Markus Söder müssen sich einigen. Söder hat oft sehr gesagt, dass sein Platz in Bayern sei. Gleichzeitig hat Söder seit Monaten hervorragende Umfragewerte und liegt in der Frage, wen die Deutschen sich als Kanzler wünschen, weit vor Laschet.

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Was macht das Grünen-Duo?

In einer Infratest-Dimap-Umfrage nach Laschets Wahl zum Parteichef bewerteten 34 Prozent der Befragten den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten als potenziell guten Kanzlerkandidaten. CSU-Chef Markus Söder nannten 54 Prozent. Laut einer weiteren Umfrage halten selbst in Nordrhein-Westfalen mehr Menschen den bayerischen Ministerpräsidenten Söder für einen guten Kanzlerkandidaten als Laschet. Der CDU-Chef muss den Abstand zu Söder verknappen, wenn er sichergehen will, dass es in der eigenen Partei keine Rufe nach der Kanzlerkandidatur des CSU-Vorsitzenden gibt.

Und wer führt die Grünen in die Bundestagswahl? Die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen die Frage unter sich klären – zwischen Ostern und Pfingsten. Habeck ist der bekanntere und verfügt über Regierungserfahrung als Landesminister in Schleswig-Holstein. Baerbock hat im vergangenen Jahr allerdings stark gepunktet. Sie wird von vielen Beobachtern als die inhaltlich stärkere Kandidatin gesehen. Ein strategischer Vorteil könnte auch sein: Sie wäre die einzige Frau unter ansonsten männlichen Kanzlerkandidaten.

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