Kampf um den Vorsitz: Die große SPD-Castingshow beginnt

  • An diesem Mittwoch startet die heiße Phase der Vorsitzendensuche der SPD.
  • Acht Zweiterteams mit je einer Frau und einem Mann sowie ein Einzelbewerber treten an.
  • Was wollen die einzelnen Kandidaten? Und wie soll der Prozess ablaufen? Eine Übersicht.
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Berlin. Lange wurde darüber geredet, an diesem Mittwoch geht die Vorstellungstour der Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz los. 23 Verabredungen zwischen Bewerbern und Basis haben die SPD-Landesverbände organisiert. Die erste dieser Regionalkonferenzen findet an diesem Mittwoch ab 18 Uhr in Saarbrücken statt, die letzte am 12. Oktober um 10.30 Uhr in München. Dazwischen gastiert der SPD-Wanderzirkus in allen Bundesländern und macht Stationen in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Bremen, aber auch in kleineren Städten wie Bad Hersfeld, Bernburg an der Saale oder Nieder-Olm.

Der Ablauf jeder Veranstaltung sieht Eingangsstatements von maximal fünf Minuten Länge pro Team vor. Danach folgt eine Schnellfragerunde, in der jeder Kandidat zwei bis drei Fragen zu aktuellen Themen in maximal 60 Sekunden beantworten soll. Im Anschluss haben die Mitglieder das Fragerecht, wobei die Moderatoren darauf achten werden, dass alle Bewerber zu Wort kommen. Zweieinhalb Stunden sollen die Konferenzen maximal dauern.

17 Bewerber gehen in das Rennen. 16 von ihnen treten in Zweierteams an, einer kandidiert alleine. Ein Überblick:

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Christina Kampmann (39) und Michael Roth (49)

Staatsminister Michael Roth und NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann.

Die frühere NRW-Landtagsabgeordnete und der Staatsminister im Auswärtigen Amt waren das erste Team, das seine Kandidatur erklärt hat. Roth stammt aus einer hessischen Bergmannsfamilie, ist Politikwissenschaftler und seit 1998 im Bundestag. Kampmann, die auf einem Bauernhof in Ostwestfalen aufwuchs, ist Verwaltungswirtin, war Bundestagsabgeordnete und Ministerin in NRW. Beide gehören dem linken Flügel der SPD an. Sie fordern die Abschaffung der Schuldenbremse, eine Digitaloffensive und einen entschiedenen Kampf gegen Kinderarmut.

Nina Scheer (47) und Karl Lauterbach (56)

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Nina Scheer und Karl Lauterbach. © Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Die Umweltpolitikerin und der Gesundheitsexperte haben sich als scharfe GroKo-Kritiker profiliert. Das Duo fordert eine neue Mitgliederbefragung über das Bündnis mit der Union. Scheer, die in Geesthacht lebt, sitzt seit 2013 im Bundestag. Sie ist studierte Rechtswissenschaftlerin, Politikwissenschaftlerin und Violinistin. Ihr Vater, der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, war ein Vordenker der Energiewende. Lauterbach ist Mediziner und seit 2005 Mitglied des Parlamentes. Seit 2013 ist der Kölner mit der Fliege Vizechef der SPD-Fraktion.

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Simone Lange (42) und Alexander Ahrens (53)

Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, und Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen. © Quelle: Sebastian Willnow/zb/dpa

Die Oberbürgermeisterin von Flensburg und ihr Kollege aus Bautzen sind die Kandidaten mit den wenigsten Berührungspunkten zum Berliner Politikbetrieb. Verwaltungswirtin Lange wollte bereits 2018 SPD-Vorsitzende werden, holte im Duell mit Andrea Nahles 27 Prozent der Stimmen. Jurist und Sinologe Ahrens ist seit 2010 Oberbürgermeister von Bautzen und seit 2017 Mitglied der SPD. Zuvor gehörte er der Partei von 1992 bis 2001 an. Beide wollen die SPD deutlich linker ausrichten. Lange fordert eine stärkere Umverteilung des Reichtums, Ahrens denkt über ein bedingungsloses Grundeinkommen nach. Die GroKo verlassen wollen beide.

Gesine Schwan (76) und Ralf Stegner (59)

Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan (SPD) und Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein. © Quelle: Britta Pedersen/zb/dpa

Das Kandidatenduo Gesine Schwan und Ralf Stegner ist womöglich das intellektuellste Team im Bewerberkreis – und gleichzeitig das am schwersten zu vermittelnde. Die Berliner Politikprofessorin Schwan ist öffentlich durch zwei erfolglose Kandidaturen als Bundespräsidentin bekannt geworden. Stegner ist Dauer-Talkshowgast und Vordenker der SPD-Linken. Er war viele Jahre Chef der Nord-SPD, musste als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2012 eine schwere Niederlage verkraften. Bis heute ist der Mann aus Bordesholm Oppositionsführer im Kieler Landtag.

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Klara Geywitz (43) und Olaf Scholz (61)

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, und Klara Geywitz, Brandenburger Landtagsabgeordnete. © Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Die Kandidatur der Politologin und des Juristen war eine Überraschung, denn ursprünglich hatte Finanzminister, Vizekanzler und Vize-SPD-Chef Scholz eine Bewerbung aus Zeitgründen ausgeschlossen. Geywitz hat gerade ihr Landtagsmandat in Brandenburg verloren. Sie war vier Jahre Generalsekretärin der dortigen Landes-SPD, trat 2017 im Streit mit Landeschef Dietmar Woidke zurück. Scholz und Geywitz gelten als Vertreter des pragmatischen SPD-Flügels und Befürworter der GroKo. Sie fordern allerdings auch einen Mindestlohn von 12 Euro und eine Rentengarantie bis 2040.

Petra Köpping (61) und Boris Pistorius (59)

Petra Köpping (SPD), Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, und Boris Pistorius (SPD), Minister für Inneres und Sport von Niedersachsen. © Quelle: Peter Endig/zb/dpa

Trotz ihres vergleichsweise hohen Alters gelten die sächsische Integrationsministerin und der niedersächsische Innenminister innerhalb der SPD schon länger als Politiker mit Zukunft. Staats- und Rechtswissenschaftlerin Köpping, die früher Landrätin des Landkreises Leipziger Land war, hat sich einen Namen als Stimme des Ostens gemacht. Rechtsanwalt Pistorius war Oberbürgermeister von Osnabrück und ist seit 2013 Innenminister von Niedersachsen. Das Duo steht für eine pragmatische SPD-Politik, in der Sicherheitsfragen eine große Rolle spielen.

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Hilde Mattheis (64) und Dierk Hirschel (49)

Hilde Mattheis, DL21-Bundesvorsitzende, und Dierk Hirschel. © Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Die Kandidatur der Bundestagsabgeordneten und des Verdi-Bereichsleiters dürfte eine aus der Kategorie „chancenlos“ sein. Lehrerin Mattheis, die dem Bundestag seit 1986 angehört, hat sich in der SPD einen Namen als scharfe Kritikerin des Establishments gemacht. Sie lehnt eine GroKo strikt ab, will stattdessen Rot-Rot-Grün – oder in die Opposition. Die Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 hat selbst auf dem linken SPD-Flügel nur wenige Verbündete. Ökonom Hirschel ist in der SPD bislang wenig bekannt. Er fordert einen Neustart der SPD in der Wirtschaftspolitik.

Saskia Esken (58) und Norbert Walter-Borjans (66)

Bundestagsabgeordnete Saskia Esken und Ex-Landesminister Norbert Walter-Borjans. © Quelle: Carsten Koall/dpa

Die Informatikerin und der Volkswirt sind als letzte Bewerber in das Rennen um den SPD-Vorsitz eingetreten. Das Duo gilt als Geheimfavorit bei Parteilinken. Juso-Chef Kevin Kühnert hat seine Unterstützung signalisiert, auch der Landesvorstand der wichtigen NRW-SPD steht hinter der Bewerbung. Die Baden-Württembergerin Esken gehört dem Bundestag seit 2013 an und beschäftigt sich vor allem mit Digitalthemen. Der Kölner Walter-Borjans war bis 2017 Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Er machte sich als Kämpfer gegen Steuerhinterziehung einen Namen – auch weil er mehre CDs mit Datensätzen potenzieller Steuerbetrüger kaufte.

Karl-Heinz Brunner (66)

Karl-Heinz Brunner, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Bayern. © Quelle: Michael Kappeler/dpa

Der Jurist aus dem bayerischen Illertissen ist der einzige Einzelkämpfer im Feld. Dass er gewählt werden könnte, glaubt er selbst nicht: „Ich bin absoluter Realist.“ Brunner, der seit 2009 Bundestagsabgeordneter ist, gehört dem pragmatisch-konservativen Seeheimer Kreis in der SPD an und stört sich laut eigener Aussage an einem „deutlichen Überhang“ der GroKo-Gegner und linken Sozialdemokraten im Bewerberfeld. Damit der Auswahlprozess die gesamter politische Breite der SPD widerspiegelt, hat er seinen Hut in den Ring geworfen.

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Was muss ein SPD-Chef können?
1:47 min
An diesem Mittwoch startet die heiße Phase der SPD-Vorsitzendensuche mit der ersten Vorstellungsrunde in Saarbrücken. Aber was muss ein Vorsitzender oder eine Vorsitzende der SPD eigentlich können? Fragen und Antworten.  © dpa
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