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Die Gorch Fock schwimmt, die Ministerin feiert, die Probleme bleiben

Nach einem Haufen Skandalen feiert die Verteidigungsministerin das Ausdocken der Gorch Fock. Es ist wahrscheinlicher, dass die Bundeswehr ihr Segelschulschiff behält, kommentiert Daniela Vates. Aber zentrale Probleme sind nicht gelöst.

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Berlin. Da hat Ursula von der Leyen endlich mal einen kleinen Triumph zu feiern statt ein Problem zu verkünden. Das Bundeswehr-Schulschiff Gorch Fock wurde ausgedockt. Die Verteidigungsministerin eilte nach Bremerhaven, um das mit eigenen Augen zu sehen.

Dabei ist der Test im Wasser nur die Voraussetzung für weitere Reparaturarbeiten und mitnichten der Startschuss für die nächste Weltumrundung des Segelschiffs.

Angesichts der Serie von Unglaublichkeiten, Schludereien und Betrügereien in der Reparatur-Geschichte der Gorch Fock wird aber selbst ein Zwischenschritt zur kleinen Sensation.

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Wenn ein Wunsch Probleme vernebelt

Der Name Gorch Fock steht derzeit nicht für einen märchenhaft präsentablen Dreimaster mit wehenden Segeln, sondern für eine Räuberpistole mit traditionsverliebten Militärs und schillernden Werfteignern mit Geld für eine Goldmine in der Mongolei.

Zwar schwimmt das Schiff nun wieder. Ob der nun gesetzte Kostenrahmen eingehalten werden kann, ist offen. Ungeklärt bleibt aber vor allem, warum bei der Sanierung angesichts von unglaublichen Kostensteigerungen von zehn auf 135 Millionen Euro binnen weniger Jahre im Ministerium nicht Alarm geschlagen wurde. Statt dessen wurden bestehende Warnungen beiseite gewischt.

Das Schulschiff bleibt damit ein Schulbeispiel dafür, was passiert, wenn ein dringender Wunsch den Blick auf die Probleme vernebelt. Dieses strukturelle Problem des Ministeriums verschwindet auch dann nicht, wenn die Gorch Fock wieder strahlen sollte.

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Über das Schicksal der Gorch Fock ist allerdings mit dem Ausdocken noch nicht entschieden. Auch für ein Abwracken wäre dieser Schritt wohl nötig. Das Überleben das Schiffes in Marinediensten ist allerdings ein bisschen wahrscheinlicher geworden: Die Bundeswehr trennt sich ungern von ihren Symbolen, und die Ministerin hat schon genug Ärger mit der Truppe.

Von Daniela Vates/RND