Die Gefahr organisierter Fortschrittslosigkeit

  • Der Hang zur Ordnung gehört zum deutschen Stereotyp.
  • Doch ist es wirklich ratsam, alles zu organisieren?
  • Kontrolle und Fortschritt vertragen sich nicht immer.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

„einfach mal machen“, das klingt so schön simpel. Nur, wer kann heutzutage schon „einfach mal machen“? In Deutschland, dem gefühlten Heimatland der Bürokratie, ist das zumindest nicht das übliche Verfahren.

Das gilt auch bei der Impfkampagne gegen das Coronavirus. Einfach mal drauflosspritzen, das ist nicht die feine deutsche Art, schreibt unser Chefautor Matthias Koch: Nach der sinnvollen Priorisierung von Alten und Kranken habe Deutschland zunächst nicht den Absprung aus seiner „unproduktiven Überregulierung“ gefunden: „Ein großes Forschen, Prüfen und Scannen hob an – das sich nur leider weniger um das Virus drehte als um die Zettelwirtschaft“, schreibt Koch.

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Erst nach und nach habe Deutschland entdeckt, dass das weniger geregelte Impfen seinen ganz eigenen Charme habe – und vor allem effizienter im Kampf gegen die Pandemie sei. Weniger regeln, mehr schaffen, so lautet der Ansatz.

Dieses Laissez-faire dürfte bei der AOK körperliche Schmerzen verursachen. Hauptsache, geimpft, das ist nicht der Weg der Krankenkasse. „Wir bewegen uns beinahe im Blindflug durch die Pandemie“, kritisiert Verbandschef Martin Litsch im Gespräch mit unserem Hauptstadt­korrespondenten Tim Szent-Ivanyi. „Wir wissen aktuell nicht, welche unserer Versicherten mit welchem Impfstoff versorgt wurden und wer positiv getestet wurde“, beklagte er. Daher sollten mehr Daten über die Geimpften erhoben werden, etwa durch die Übermittlung der Kranken­versicherungs­nummern.

Martin Litsch, Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes

Es ist eines der großen Versprechen der Digitalisierung: mehr Effizienz durch Daten. Und am Ende soll das helfen, das weitere Vorgehen in der Impfkampagne zu – Achtung – organisieren. Mehr Bürokratie jetzt, größere Effizienz später? Deutschland wird sich entscheiden müssen, wie es beim Impfen weitermachen will.

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Große Show, schwache Leistung

„Einfach mal machen“ war aber zumindest das deutsche Credo beim Eurovision Song Contest gestern Abend in Rotterdam. Stress? „Den ignoriere ich einfach“, sagte der deutsche Teilnehmer Jendrik Sigwart vor dem großen Finale dem RND. „Für mich gilt wirklich: Dabei sein ist alles. Ich bin entspannt.“

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Mehr als dabei sein war dann aber auch nicht drin für Deutschland. Ganze drei Mitleidspunkte nationaler Jurys bekam der Hamburger Sigwart. Nur England holte noch weniger Punkte. Gewonnen haben dagegen die italienischen Rocker von Måneskin. Imre Grimm hat das Spektakel bis zum Ende verfolgt und resümiert: „Die Show in Rotterdam zeigte vor allem: Nach anderthalb Jahren Pandemie ist die Sehnsucht nach positiv-emotionalen Erlebnissen riesig.“

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Zitat des Tages

Grün-Schwarz halte ich für falsch.

Markus Söder, Chef der bayerischen CSU, zur Frage, ob die Union nach der Bundestagswahl als Juniorpartner einer grün-schwarzen Koalition zur Verfügung stünde

Leseempfehlungen

Wer eine Corona-Infektion überstanden hat, erhält als Genesene oder Genesener bestimmte Freiheiten in Deutschland wieder zurück. Voraussetzung ist ein positives PCR-Testergebnis, das nicht älter als sechs Monate sein darf. Was nach diesem Zeitraum für Genesene gilt, ist eine gesetzliche Grauzone.

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­Nach einer coronabedingten Verschiebung kommt die Fortsetzung des Horrorfilms „A Quiet Place“ mit Emily Blunt in die US-Kinos. Im Interview mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) zieht die 38-Jährige Parallelen zwischen Film und Corona-Pandemie. Es sei schwieriger, so Blunt, „gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen und diesen zu besiegen, wenn die Gesellschaft zerbrochen ist. Wir Menschen müssen einfach zusammenhalten und eine Gemeinschaft bilden, wenn wir am Ende siegen wollen!“

Aus unserem Netzwerk

Im niedersächsischen Seeburg hat eine Lieferung aus Italien auch einen ungebetenen Gast mitgebracht. Zwischen den Fliesen versteckte sich ein schwarzer Skorpion. Wie das „Göttinger Tageblatt“ berichtet, wurde das Tier auf der Baustelle eines Doppelhauses gefunden. Polizei und Feuerwehr mussten anrücken, um den Skorpion einzufangen. Nun kümmert sich ein Privatmann um das Tier.

Termine des Tages

Kader der Nachwuchsstars: Der deutsche U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz gibt seinen Kader für die anstehende Finalrunde der U21-Europameisterschaft bekannt. Insgesamt 23 Spieler darf er für das Viertelfinale gegen Dänemark am 31. Mai im ungarischen Székesfehérvár berufen.

Showdown in der Formel 1: Ferrari-Pilot Charles Leclerc startet mit großen Chancen auf den ersten Heimsieg eines Monegassen in der WM-Geschichte der Formel 1 seit 1950 in den Klassiker der Motorsport-Königsklasse. Der 23-Jährige wird um 15 Uhr von der Pole-Position aus die 78 Runden in Angriff nehmen.

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Wer heute wichtig wird

Wer steigt direkt in die Bundesliga auf, wer muss in die Relegation? Holstein Kiel, der VfL Bochum und die SpVgg Greuther Fürth wollen das Ticket in die 1. Liga lösen.

Zumindest der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga hat die Spannung geboten, die der Wettstreit um die Meisterschaft seit Jahren schuldig bleibt: Traditionsvereine wie Werder Bremen und Schalke 04 räumen das Feld, zumindest der 1. FC Köln behält durch den Platz in der Relegation die Chance auf den Klassenerhalt. Heute entscheidet sich die Frage: Wer nimmt sicher ihre Plätze ein? Und wer trifft in der Saison­verlängerung auf Köln? Das Saisonfinale der 2. Bundesliga erleben sie im Liveticker auf RND.de.

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Ihr Nils Oehlschläger

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