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Die dritte Welle beim Impfen rollt an – aber nur sehr langsam

  • Nach Impfzentren und Hausärzten sollen nun bald auch die Betriebsärzte in die Impfkampagne gegen das Coronavirus einsteigen.
  • Die Hoffnungen sind groß, die Unsicherheiten allerdings auch.
  • Vor allem die Geduld der Beteiligten wird auf eine harte Probe gestellt.
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Berlin. Gefordert hatten sie es lautstark und einmütig: der Arbeitgeberverband BDA, der Industrieverband BDI und all die anderen Vereinigungen der deutschen Wirtschaft. Um der Impfkampagne gegen das Coronavirus den nötigen Schwung zu verleihen, sollten endlich auch die über 12.000 Betriebsärzte zur Nadel greifen dürfen und den über 31 Millionen Beschäftigten einen unbürokratischen Zugang zur Impfung ermöglichen, hieß es unisono aus den Verbänden.

„Wir stehen in den Startlöchern, um zu helfen“, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bereits vor einem Monat.

Seit dem Wochenende ist klar: Die Appelle der Wirschaftsbosse wurden erhört, gleichzeitig aber wird ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt.

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Einen ganzen weiteren Monat werden Dulger und Co. laut Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch warten müssen, ehe die Betriebsärzte mit Impfstoff versorgt werden. Anfang Juni, spätestens am 7.6., soll es so weit sein. Bis dahin gibt es weiterhin nur Modellprojekte in einigen wenigen Unternehmen.

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Als erstes deutsches Unternehmen: BASF impft Mitarbeiter
1:53 min
Als erstes deutsches Unternehmen hat BASF am Mittwoch damit begonnen, ausgewählte Mitarbeiter gegen Corona zu impfen.  © Reuters

Es fehlt nicht am guten Willen der Politik, es mangelt nach wie vor an Impfserum. Die zusätzlichen Lieferungen, die derzeit reinkommen, gehen größtenteils an die Hausarztpraxen.

500.000 Impfdosen will Spahn den Betriebsärzten anfangs deutschlandweit zur Verfügung stellen – pro Woche. Zum Vergleich: Zuletzt wurden laut Robert Koch-Institut etwa ebenso viele Menschen am Tag geimpft.

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So ganz hat die Wirtschaft die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es am Ende doch etwas zügiger gehen könnte. „Wir sollten in zwei Wochen noch einmal den Zeitplan und die Liefermengen überprüfen“, sagte Arbeitgeberpräsident Dulger der dpa. „Sollte der Impfstoff schneller geliefert werden, dann können die Betriebe auch schon vor dem 7. Juni loslegen“.

In der Industrie sieht man das ähnlich. „In vielen Unternehmen stehen die Impfstraßen für den Einsatz bereit. Statt das Impfpotenzial der Betriebsärzte jetzt flächendeckend zu nutzen, verspielen Bund und Länder einen weiteren Monat“, sagt Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

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IG BCE will ebenfalls schnell in den Betrieben impfen

Die Arbeitgeber wissen sich in dieser Frage in seltener Einigkeit mit den Beschäftigten. „Ein Großteil unserer Kolleginnen und Kollegen würde sich gern im Betrieb impfen lassen“, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis dem RND. „Das müssen wir nutzen, um noch mehr Tempo zu machen im Wettlauf gegen die Pandemie“, fordert der Gewerkschaftschef.

Noch offen ist die Frage, wie Betriebsärzte mit der Impfreihenfolge umgehen sollen. Nach dem Willen der Bundesregierung hätte sich das Problem bis Anfang Juni erledigt, weil die Impfung bis dahin für alle Priorisierungsgruppen freigegeben sein soll. Beim Impfgipfel in der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel dieses Ziel formuliert.

Sollte es allerdings anders kommen, würde die Sache kompliziert. „Bei Impfungen in Betrieben muss immer zwischen Impfungen im Arbeitsschutz und Impfungen zum Bevölkerungsschutz unterschieden werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Ausschusses für Arbeitsmedizin beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die dem RND vorliegt.

Im Arbeitsschutz erfolge das Impfangebot als Vorsorge für Beschäftigte, die durch ihre Tätigkeit ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Beim Bevölkerungsschutz hingegen müssten die gleichen Standards wie in jeder Hausarztpraxis gelten. „Die Impfreihenfolge muss sich nach der Corona-Impfverordnung richten, solange nicht genügend Impfstoff verfügbar ist“, fordern die Experten.

Aus Sicht der Wirtschaft könnte das die Sache unnötig verkomplizieren.

„Besonders wichtig im Sinne einer wirksamen Pandemiebekämpfung ist, dass es den Betriebsärzten selbst überlassen wird, wen sie wann impfen. Sie können am besten beurteilen, wer der größten Ansteckungsgefahr ausgesetzt ist, etwa durch notwendige Geschäftsreisen oder häufige Kundenkontakte, erklärt etwa Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Eine Priorisierung von außen darf es beim Impfen in den Unternehmen nicht geben.“

Bis die Betriebsärzte wirklich loslegen dürfen, gibt es also noch einiges zu klären.

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