Die Ära Wagenknecht ist zu Ende

  • Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch sind das neue Führungsduo der Linken im Bundestag.
  • Damit endet auch eine Ära in der Fraktion.
  • Doch der Abgang von Sahra Wagenknecht könnte auch den Weg zur Befriedung einer chronisch zersplitterten Fraktion ebnen, kommentiert Markus Decker.
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Es ist erst ein paar Wochen her, dass die grüne Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther Vorsitzende ihrer Fraktion werden wollte. Die Frau aus Bremen scheiterte aus verschiedenen Gründen, ihr Newcomer-Status war einer davon.

Was bei den Grünen nicht geht, funktioniert in der Linksfraktion. Seit Dienstag 15.50 Uhr, heißt die neue Fraktionschefin Amira Mohamed Ali. Sie, die ebenfalls erst seit 2017 im Bundestag sitzt, folgt auf Sahra Wagenknecht. Was das bedeutet, wird man noch sehen müssen.

Gewiss ist, dass mit Wagenknecht ein herausragendes politisches Talent die erste Reihe der Linken verlässt. Sie ist eine Frau mit Sachverstand vor allem in Wirtschafts- und Finanzfragen, mit großem rhetorischen Geschick und Ausstrahlung.

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Sie ist aber auch eine Frau, die sich nie in einer integrierenden, geschweige denn dienenden Rolle sah, sondern nicht davor zurückschreckte, die Partei in schwerste Konflikte zu stürzen. Wäre es anders, stünden beide jetzt besser da: Wagenknecht und die Linke.

Ungewiss ist, was Mohamed Ali will und vermag – und was nicht. Vorteilhaft dürfte sich auswirken, dass die 39-Jährige nicht in die Flügelkämpfe der letzten Jahre verstrickt war und als umgänglich gilt. Nachteilhaft ist ihr Mangel an Erfahrung. Im Übrigen ist die Tochter eines in Hamburg geborenen Ägypters und einer Deutschen eine Blackbox. Man weiß wenig über ihre Positionen sowie über ihre inhaltliche Breite oder Enge. Man weiß ebenso wenig darüber, ob sie in der Lage ist, in einer großen Bundestagsdebatte als Rednerin zu bestehen.

Dass man das alles nicht weiß, muss kein Schaden sein. Mohamed Ali kann negativ wie positiv überraschen. Nur an einer Aufgabe wird sie mit Dietmar Bartsch nicht vorbeikommen: die chronisch zerstrittene Fraktion zu einen. Das ist eine Herkulesaufgabe.