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Kommentar zu Kommunalwahlen

Die AfD hat selbst im Herzland Sachsen kein Rezept für einen Sieg

Tino Chrupalla, AfD-Parteivorsitzender (hier auf einer Pressekonferenz), hätte einen Erfolg in Sachsen gut gebrauchen können.

Dresden/Berlin. Die AfD ist bundesweit eine Partei ohne Unterleib. Sie ist zwar in den Bundestag und alle Landesparlamente eingezogen (und aus einem wieder herausgeflogen), stellt auch kommunal viele Vertreter – aber einen Bürgermeister oder gar einen Landrat stellen die Rechten nirgends in der Republik.

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In Sachsen sollte sich das jetzt ändern. Mindestens ein Landratsamt wollte die AfD mit erfahrenen Leuten erobern, lieber noch zwei oder drei. Das hätte dem in Sachsen beheimateten Parteichef Tino Chrupalla Rückenwind für den Parteitag in Riesa gegeben. Ab Freitag trifft sich dort die Partei, um einen neuen Bundesvorstand zu wählen. Chrupalla will weitermachen, doch der Unmut wächst. Zu zerstritten ist die Partei, zu mager die Wahlergebnisse.

Ein Erfolg im Herzland der AfD, in Sachsen, wäre daher besonders wichtig gewesen. Doch dieser Erfolg blieb in der erste Runde der Kommunalwahlen aus. Kein AfD-Landratskandidat schaffte es auf den ersten Platz, teilweise blieben die Ergebnisse weit unter den hochgeschraubten Erwartungen.

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In Sachsen zeichneten sich bei geringer Wahlbeteiligung zwei andere Trends ab: Viele Amtsinhaber wurden wiedergewählt. Dass die meisten von der CDU sind, sollte sich Ministerpräsident Michael Kretschmer besser nicht als eigenen Sieg auf die Fahnen schreiben. Die Wählerinnen und Wähler suchten wohl oft einfach nur Stabilität in unruhigen Zeiten. Der zweite Trend aber heißt Parteienverdrossenheit. Als unabhängiger Kandidat machte in Mittelsachsen der Ex-Sozialdemokrat Dirk Neubauer unerwartet den ersten Platz – der Bürgermeister von Augustusburg ist bundesweiter Talkshow-Gast mit seinem Plädoyer für mehr Bürgerbeteiligung. Der von einigen Beobachtern bereits favorisierte AfD-Vertreter liegt gleichauf mit dem CDU-Bewerber mehr als zehn Prozentpunkte zurück.

Noch ist nichts entschieden, es ist in vielen Landkreisen ein zweiter Wahlgang nötig. Und die Ergebnisse in Sachsen zeigen auch, wie die Corona-Proteste beim Wahlvolk nachwirken: Kandidierende für die vom Verfassungsschutz beobachteten „Freien Sachsen“ haben dort, wo sie antraten, teils deutlich zweistellige Ergebnisse erzielt. Und in Bautzen liegt ein CDU-Mann vorne, der auf einer Impfgegner-Demo sprach.

Sachsen kommt politisch nicht zur Ruhe. Aber die AfD hat zurzeit selbst in ihrem Herzland kein Rezept für einen Sieg.

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