Die AfD entfernt sich von den Deutschen

  • Die AfD würde gern eine Alternative für Deutschland aufzeigen – hat aber dummerweise keine zu bieten.
  • Mit ihren Zweifeln am Ernst der Lage entfernt sich die Partei von der breiten Mehrheit der Deutschen.
  • Kein Wunder, dass sie im “Politbarometer” als Verliererin des Monats dasteht.
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Man hat es geahnt, und nun ist es auch beweisbar: Das Virus schadet dem Rechtspopulismus, jedenfalls in Deutschland.

Im jüngsten ZDF-Politbarometer entpuppen sich Alexander Gauland und seine Freunde gleich in mehrfacher Hinsicht als Verlierer der Corona-Krise.

  • Im Vergleich zum Monatsbeginn stürzte die AfD bei der Sonntagsfrage um 4 Punkte ab, auf 10 Prozent.
  • Die von der AfD stets besonders angefeindete Union legte dagegen um 7 Punkte zu und notiert jetzt bei 33 Prozent. Laut Forschungsgruppe Wahlen ist dies der steilste Anstieg in so kurzer Zeit, der je beim Politbarometer gemessen wurde.
  • Die Kanzlerin grüßt, was die persönlichen Sympathien angeht, weiterhin vom Siegertreppchen, mit deutlich gestiegenen Werten. Auf Platz zwei steht jetzt Markus Söder, der einen großen Sprung nach vorn gemacht hat. Auf Platz drei ist Jens Spahn. Alle drei sind Politiker der Union – das ist keine besonders gute Nachricht für die SPD und die Grünen, aber erst recht nicht für die AfD.
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Drei Probleme machen der Partei in dieser Krise zu schaffen.

1. Das Relevanzproblem

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In Krisenzeiten schlägt immer die Stunde der Regierenden. Was die Opposition sagt, ist dann nicht mehr so wichtig. Dieser Effekt war zu allen Zeiten sichtbar, weltweit. Er beruht auf einem psychologisch begründeten Reflex der Regierten: In der Stunde der Not scharten sich alle erst mal schutzsuchend um den, der gerade Verantwortung trägt. Man kann diesen Mechanismus begrüßen oder bedauern, aber man kann ihn nicht verhindern. Der gleiche Effekt, der derzeit in den USA die Demokraten in ihrem Vorgehen gegen einen rechtspopulistischen Präsidenten bremst, behindert hierzulande die Rechtspopulisten bei ihrem Vorgehen gegen eine Regierung der Mitte. Die AfD kann diesen Teil ihrer Probleme noch abbuchen als historisches Pech.

2. Das Merkel-Problem

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Ihre jahrelang gepflegte Merkel-muss-weg-Rhetorik fällt der AfD jetzt selbst auf den Fuß. Warum sollte die beliebteste Politikerin Deutschlands, die gerade einen neuen Popularitätsschub erlebt, dringend weg? Die Debatte hat sich längst gedreht: Viele Deutsche bedauern, dass die Kanzlerin von sich aus erklärt hat, ab 2021 nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Eine Mehrheit ist aber heilfroh, dass es jetzt gerade jemanden im Kanzleramt gibt, der nicht nur Krisenerfahrung hat, sondern auch eine hohe Glaubwürdigkeit.

3. Das 95-Prozent-Problem

Ausgangsbeschränkungen? Kontaktsperren? Immer wieder haben AfD-Politiker in den letzten Tagen so getan, als sei dies alles übertrieben. Auffällig eng standen AfD-Leute im Plenum des Bundestags zusammen. In Sachsen widersetzten sie sich sogar ausdrücklich einem Antrag, räumliche Distanz im Parlament einzuführen.

Ob die Corona-Krise nicht doch eine nie da gewesene Krise sei, fragte ein Team der ARD-Sendung “Panorama” den AfD-Bundestagsabgeordneten Armin-Paul Hampel. Der gab zurück: “Eine nie da gewesene Krise – haben wir vielleicht auch eine Krise inszeniert? Haben wir eine Krise herbeigeredet?” Auch sein Fraktionskollege Stephan Brandner scheint nicht überzeugt zu sein vom Ernst der Lage. Auch die Wissenschaftler seien sich ja nicht einig: “Die einen sagen so, die anderen sagen so.”

Die Mehrheit der Bundesbürger dagegen macht dieses relativierende Achselzucken nicht mit. Liegt es daran, dass mittlerweile in Italien mehr als 1000 Tote an einem einzigen Tag gemeldet werden? Liegt es an Berichten über Leichen, die in der Eislaufbahn von Madrid provisorisch aufbewahrt werden? Die Forschungsgruppe Wahlen fragte: “Sind die seit dieser Woche geltenden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen angemessen?” Nur 5 Prozent sagten nein. 95 Prozent sagten ja.

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Die AfD blickt jetzt auf den für sie wohl schädlichsten demoskopischen Befund seit ihrer Gründung. Mit ihrer arroganten Attitüde mitten in einer Krise, die noch Unzählige auch in Deutschland an Leib und Leben bedroht, hat sie sich emotional entfernt von 95 Prozent der Bundesbürger.

RND











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