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Spahn hat „Lust, die neue CDU zu gestalten“ – und geht auf Distanz zu Merz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht auf dem Deutschland-Tag der Jungen Union.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht auf dem Deutschland-Tag der Jungen Union.

Münster. Der Applaus macht Armin Laschet sichtlich wehmütig. Viele der rund 300 Delegierten beim Deutschland-Tag der Jungen Union in Münster sind von ihren Plätzen aufgestanden und klatschen begeistert – und erleichtert. Der CDU-Vorsitzende hat hier in der Messe, in der Halle Münsterland, die volle Verantwortung für die Wahl­niederlage übernommen.

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Das tut der Partei­jugend deshalb gut, weil sie für CSU-Chef Markus Söder als Kanzler­kandidat war und trotzdem Plakate für Laschet geklebt, aufgestellt, wieder abgebaut und bei strömendem Regen in Stralsund mit „Armin, Armin“-Rufen gegen Proteste von sogenannten „Querdenkern“ angeschrien hat.

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Der CDU-Politiker Friedrich Merz und mögliche Anwärter auf Laschets Nachfolge hatte am Vorabend gesagt, die JU solle sich auch die Frage stellen, warum so viele Jung­wählerinnen und Jung­wähler bei der FDP gelandet seien. Das hatte der Nachwuchs­organisation nicht gefallen. Der Beifall für ihn war freundlich. Aber nicht frenetisch, wie es noch beim Deutschland-Tag vor zwei Jahren der Fall war.

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Laschet gewinnt Sympathie

Laschet gewinnt in Münster die Sympathie der Jungen Union, weil er Fehler einräumt und den Weg in eine konstruktive Oppositions­rolle weist. Vor allem aber, weil er überhaupt da ist. Im Gegensatz zu Söder. Der bayerische Minister­präsident hatte vor einer Woche bei einer JU-Landes­versammlung Druck bekommen. Auch ihm werden wegen seines Zerwürfnisses mit Laschet um die Kanzler­kandidatur Stimmen­verluste ankreidet. Seine Zusage für die Aussprache am Samstag beim Bundes­kongress zog er zurück.

Laschet nach Wahldebakel: „Die Verantwortung für dieses Ergebnis, die trage ich“

Die Junge Union kommt in Münster zum Deutschland-Tag zusammen. Auch CDU-Chef Armin Laschet spricht vor dem Partei­nachwuchs.

Lieber gab Söder ein Interview und forderte darin neuen Zusammenhalt der Union. „In Stil und Inhalt sollten wir wieder enger zusammenrücken, anstatt öffentlich übereinander zu reden“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Diesen „einzigartigen Wahlkampf“ werde die Union noch gemeinsam aufarbeiten müssen. Sie müsse aber wegkommen „von Schuld­zuweisungen und wieder mehr miteinander reden“. Da hätte Söder bei der JU schon mithelfen können, finden Delegierte.

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Mit Spannung wird der Auftritt von Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn verfolgt. Ist er der nächste Partei­chef? Oder Fraktions­chef? Sein Name fällt in den Debatten ebenso wie der von Merz, Bundestags­fraktionschef Ralph Brinkhaus und seinem Vize Carsten Linnemann oder CDU-Außenexperte Norbert Röttgen.

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Spahn gibt erst einmal JU-Chef Tilman Kuban recht: „Das war ein beschissenes Wahlergebnis und die Lage ist es auch.“ Dann geht er auf Distanz zu Merz, der die Union als insolvenz­gefährdeten, schweren politischen Sanierungs­fall“ bezeichnet hatte. Das hatte Laschet schon versucht, wieder einzukassieren, und vor „schrillen“ und „plumpen“ Tönen gewarnt. Spahn ruft jetzt: „Die CDU ist nicht erledigt.“ Es gelte einfach, aufstehen, Mund abwischen, weitermachen.

Spahn spricht Zerrissenheit an

Er spricht die Zerrissenheit in der CDU an. „Wir haben an vielen Stellen ein Klima des Misstrauens und eine Krise des Zusammenhalts.“ Zwischen Führung der Partei und Mitgliedern. Zwischen West und Ost, zwischen den Flügeln der Partei. „Dieses Unbehagen: ‚Was machen die denn da?‘“ Dieses Unbehagen gebe es schon länger. Spahn geht in die Zeit von Angela Merkel als CDU-Vorsitzende zurück.

Der Streit um die Kanzler­kandidatur zwischen Laschet und Söder habe aber für viele „den Bruch bedeutet“. Es müsse das letzte Mal gewesen sein, dass die Union in dieser Weise einen Kanzler­kandidaten bestimmt habe. Die Mitglieder müssten besser eingebunden werden. Vor allem aber müsse erst wieder eine Kultur des Vertrauens aufgebaut werden.

Spahn deutet Parteivorsitzbewerbung an: „Lust darauf, die neue CDU zu gestalten“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eine Bewerbung für den Parteivorsitz der CDU angedeutet.

Auf Parteitagen müsse wieder debattiert und gestritten werden. „Gute Debatten sind Sauerstoff der Demokratie.“ Ein Wort wolle er nie wieder hören auf Parteitagen: „alternativlos“. Das war Merkels Vokabel. „Lasst uns das streichen“, sagt Spahn.

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Der 41-Jährige erklärt, welchen Kompass er sich für die Partei vorstellt: Teamgeist, Korpsgeist, Leistungs­verständnis, Familie, verpflichtendes Gesellschafts­jahr, Sicherheit, Vielfalt, nationale Einheit, Gleich­berechtigung. Auch von Homosexuellen. Entscheidend sei, dass zwei Menschen füreinander einstehen. Es habe sich viel getan in Deutschland. Wenn er mit seinem Mann vor 25 Jahren verheiratet gewesen wäre, hätte er es in seiner Heimat nicht leicht gehabt. Das sei inzwischen anders. Aber: „Schwule Sau, habe ich mir nicht nur einmal angehört.“

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Spahn spricht auch Themen an, die bei der Jungen Union nicht gut ankommen. „Ist das unser Leistungs­verständnis, reich zu werden, ohne etwas zu tun?“ Er will über die Erbschafts­steuer sprechen und darüber, dass Menschen reich werden, weil sie Aktien haben, aber gar nicht dafür arbeiten.

Vor Laschets „brutaler Ehrlichkeit und Offenheit“ zieht er den Hut. „Chapeau“, sagt er. Nun gelte: „Wir müssen uns aus dem ziemlichen Mist wieder rausarbeiten. Wir können das schaffen.“ Und dann sagt er noch einen Satz: „Ich habe Lust darauf, die neue CDU zu gestalten.“ Das hört sich dann doch nach einer Bewerbung für die Führungs­spitze an.

Großen Beifall erntet aber vor allem Otto Wulff. Er schlägt vor, die Union solle diese Antwort auf die Klima­bewegung Fridays for Future geben: „Saturdays for Germany“. Samstags sollten Unions­anhänger auf Marktplätzen dem „Volk aufs Maul“ schauen. Wulff schwört: „Wir kommen wieder.“ Er muss es wissen. Er ist 88 Jahre alt und und seit 69 Jahren Mitglied der CDU. Der Vorsitzende der Senioren-Union hat alles erlebt in und mit der Partei. Aufstieg, Abstieg. Und auch wieder Aufstieg.

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