Deutschland zwischen Hoffnung und Zweifel

  • Die Frühlingssonne lässt derzeit neue Hoffnungen wachsen – auf gleich mehreren Feldern.
  • Die wichtigsten Staaten der Erde nehmen heute einen neuen Anlauf zum weltweiten Klimaschutz.
  • Und die Deutschen raufen sich, wenn auch mühsam, zu einer einheitlichen Linie in der Corona-Politik zusammen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Seneca lehrt: „Hoffe nicht ohne Zweifel – und zweifle nicht ohne Hoffnung.“

Die verflixten alten Philosophen machen es einem nicht leicht: Die empfohlene Balance zu finden ist eine Kunst.

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In den letzten Monaten haben wir in Deutschland an manchen Tagen wohl allzu sehr gezweifelt: an der Vernunft unserer Mitmenschen, auch an der Regierung, an der EU, ach, eigentlich an allem. Erst das Impfdesaster, dann das Laschet-Desaster: Vielen schwoll in letzter Zeit der Hals. Inzwischen aber ist es höchste Zeit, mal wieder durchzuatmen, wieder etwas Luft zu schöpfen – und neue Hoffnung.

„Das viel beschworene Licht am Ende des Tunnels wird heller“, schreibt Kristina Dunz in ihrem Leitartikel. Mit jedem Tag erhöhe sich die Impfquote. Dies helfe hinweg über viele Aufregungen des Tages, auch jene, die es gerade rund um das neue Infektions­schutzgesetz gibt.

Die Bundesnotbremse wird heute im Bundesrat beschlossen. Es ist eine kuriose Situation: Die Länder heben die Hand für ihre Teilentmachtung – die längst überfällig war.

Auf Twitter übrigens kann man sich den aktuellen Stand des Impffortschritts in die Timeline schicken lassen. So bekommt man Tag für Tag eine gute Nachricht: über einen zwar langsamen, aber stetigen Weg zur Besserung.

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Deutschlands Problem, so zeigt sich inzwischen, liegt insgesamt weniger in der Richtung der Politik. Es liegt in der Langsamkeit.

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Auch bei der Impfkampagne wurde allzu viel Zeit verplempert, um mit deutscher Gründlichkeit alles hin und her zu planen und zu priorisieren. Je mehr von diesem alten Denken jetzt wegfällt zugunsten einer hemdsärmeligen amerikanischen Mentalität, umso besser. Es geht jetzt einfach darum, möglichst vielen Leuten möglichst schnell einen Schuss in den Arm zu verpassen.

Der alte Biden schafft ein neues Klima

Zusammenrücken, den Ball flach halten, einfach mal gucken, was man besser machen kann: Das ist hoffentlich auch die Grundhaltung beim Klimagipfel, zu dem heute Joe Biden eingeladen hat. Damir Fras, Steven Geyer und Nadine Wolter geben einen Überblick über die anstehenden Dinge.

Der 78-Jährige US-Präsident hat viel vor. Er will nicht nur die Trump-Ära hinter sich lassen, sondern im Verein mit 40 „world leaders“ am besten gleich vorstoßen in ganz neue Zeiten: Die USA wollen allen Ernstes vom Nachzügler zum weltweiten Vorreiter werden.

Man mag schmunzeln über so viel Vollmundigkeit: Haben es die Amerikaner nicht mal ein bisschen kleiner?

Doch wir Deutschen sollen vorsichtig sein, wir haben eine ganz ähnliche Macke. Im ersten Pandemiejahr fühlten wir uns wie die Weltmeister im Umgang mit dem Virus, zu Beginn des zweiten Jahres wie Totalversager. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat schon Anfang April in einer bemerkenswerten Fernsehansprache festgestellt: Gestimmt hat beides nicht.

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Was also lernen wir daraus? Der stets abwägende, relativierende Seneca war vor 2000 Jahren schon mal weiter.

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Zitat des Tages

Video
Peter Neururer verurteilt Wut der Anhänger nach Schalke-Abstieg: „Das sind keine Fans“
6:28 min
Schalke 04 steht als Absteiger fest – und die Fans machten ihrem Ärger mächtig Luft. Im Videointerview ist Trainerlegende Peter Neururer darüber schockiert.  © RND

Leseempfehlungen

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Urlaub als Spritztour: Am Strand liegen, Cocktails schlürfen und nebenbei die Corona-Impfung erhalten: Immer mehr Länder werben um Impftouristen. Die Malediven planen entsprechende Angebote, auch Kuba sieht da einen Markt. Für viele Russland-Reisende ist der Piks mit Sputnik V schon inklusive.

Erleichterung in Amerika: Nach dem Schuldspruch gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin fließen vielerorts Freudentränen, auch auch im Weißen Haus wird das Urteil mit Erleichterung aufgenommen. Präsident Joe Biden telefoniert mit der Floyd-Familie und verspricht „echte Reformen“.

Aus unserem Netzwerk: Das Wunder von Rostock

Liegt es am rührigen Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen, der schon zum Talkshowstar wurde? Oder an den Rostockern selbst? Rostock jedenfalls fällt immer mal wieder positiv auf in diesen Zeiten. So auch jetzt wieder: Binnen einer Woche haben sich die Corona-Fälle in der Hansestadt halbiert. Was dahintersteckt, weiß die „Ostsee-Zeitung“.

Termine des Tages

Ab 11 Uhr berät der Bundesrat in einer Sondersitzung über die Neuregelung des Infektions­schutzgesetzes.

Um 12 Uhr erläutern die in Bayern an der Seite Markus Söders mitregierenden Freie Wähler, warum sie gegen die Neuregelung eine Verfassungs­beschwerde einlegen.

Der Bundestag verabschiedet heute eine Fülle von Gesetzen, unter anderem das Telekommunikations­modernisierungs­gesetz. Es fördert den Netzausbau und stärkt zugleich die Verbraucherrechte. So soll es bei neuen Festnetz- und Mobilfunkverträgen nach Ablauf der 24-monatigen Vertragslaufzeit künftig eine Kündigungsmöglichkeit zum Ende jedes Monats geben – damit wird eine EU-Richtlinie umgesetzt.

Wer heute wichtig wird

Zu einem Gipfel der Autokraten kommen heute in Moskau Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko zusammen, die Präsidenten von Russland und Belarus. Putin, ehemals KGB-Agent, will Lukaschenko stärker unterstützen – auch durch den russischen Geheimdienst FSB. Der gab vor wenigen Tagen bekannt, er habe zwei weißrussische „Radikale“ verhaftet, die einen Umsturz und sogar die „physische Vernichtung“ Lukaschenkos geplant hätten. © Quelle: dpa

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Ihr Matthias Koch

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