Deutschland lotet die Grenzen aus

  • Die Corona-Pandemie wird nun auch in Deutschland für die Menschen immer belastender.
  • Neue Rekordwerte lassen erahnen: Uns stehen schwierige Wochen und Monate bevor.
  • Jetzt kommt es auf Vorsicht und Vernunft an – und auf die Kunst, den Frust nicht zu groß werden zu lassen.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wo verläuft die Grenze zwischen gesunder Vorsicht und lähmender Angst? Für die meisten Deutschen war die vergangene Woche auch persönlich belastend. Die Zahl der Infizierten ist sprunghaft angestiegen auf neue Rekordwerte, die noch vor einem Monat undenkbar waren. Die Politik erweckt immer mehr den Eindruck, den Entwicklungen hinterher­zuhinken. Und viele Gewissheiten, die uns im Sommer ein relativ unbeschwertes Leben ermöglicht haben, gelten nicht mehr. Können Masken die Pandemie wirklich stoppen? Kommt bald ein Impfstoff – und bereitet er dem Spuk wirklich schnell ein Ende? Und vor allem: Ist ein Lockdown mit all seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen überhaupt noch zu verhindern?

Die Meldungen der zurückliegenden Tage lassen darauf schließen, dass allen schwierige Monate bevorstehen. „Dies anzuerkennen und auszusprechen ist keine Panikmache, sondern ein Gebot der Vorsicht und Verantwortung. Vor allem darauf kommt es jetzt, in diesem zu früh begonnenen Corona-Winter, an“, urteilt RND-Hauptstadt­korrespondentin Marina Kormbaki in ihrem Leitartikel zur Corona-Lage. Es gelte, die Fehler aus dem Frühjahr zu vermeiden – im Großen wie im Kleinen. Grenzschließungen etwa sollten gerade keine Option für die Politiker in Berlin und Brüssel sein.

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Mit Corona leben – das heißt auch: Man muss lernen, mit dem Frust umzugehen. Das Leben wird sich in den nächsten Tagen weiter verändern, die Einschränkungen werden drastischer. Von heute an gilt die Maskenpflicht auch auf zehn belebten Straßen Berlins, gut 1000 Polizisten sollen zu Corona-Kontrollen ausrücken. In vielen Bundesländern sinken die Obergrenzen für private Feiern von Tag zu Tag. Reicht das aus, um den explosions­artigen Anstieg der Infektions­zahlen zu stoppen? In einer Woche könnten wir es wissen.

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Zurück zur Sachlichkeit

Das Kapitel „TV-Duelle” im US-Wahlkampf 2020 ist schon Geschichte, im letzten Streitgespräch vor der Kamera gab es eine Siegerin: die Sachlichkeit. US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden sind vom Krawall zu einem Gespräch mit Fakten zurückgekehrt, selten zuvor in diesem Wahlkampf hatten die US-Amerikaner eine so gute Gelegenheit, die Kandidaten direkt zu vergleichen. Auf den letzten Metern (sorry, Meilen) wird es jetzt noch einmal spannend. Der Demokrat Biden versucht gerade, seinen Vorsprung in den Umfragen mit einem ganz besonderen Wahlkampf auszubauen. Während Donald Trump tönend vor die Massen tritt, beeinflussen Bidens Leute kleine und kleinste Gruppen: persönlich, telefonisch und digital. Alles läuft lautlos – und mit chirurgischer Präzision, wie RND-Chefautor Matthias Koch beschreibt.

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Joe Biden wählt im Wahlkampf die leisen Töne. © Quelle: imago images/UPI Photo

Zitat des Tages

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Wir sind nicht in der Prohibition, wo wir aus moralischen Gründen gesagt haben: „Treffen und Alkohol sind doof.“

Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) zu schärferen Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Corona

Leseempfehlungen

  • Wenn das Smartphone zur Gefahr wird: Stalking ist mittlerweile fester Bestandteil der digitalen Welt – und es gibt sogar (legale) Apps dafür. RND-Autorin Mila Krull erklärt die Welt der sogenannten Stalkerware. Diese Spionageprogramme ermöglichen den Zugriff auf persönlichste Smartphonedaten und können Nachrichten mitlesen, Telefonate abhören und Standorte verfolgen.
  • Heute startet Kitzbühel in die Skisaison – wenn auch anders als sonst. Deutsche werden wegen der geltenden Reisewarnung kaum erwartet, auch fallen die Après-Ski-Partys aus. „Das geht an die Substanz”, hat der Sprecher der österreichischen Hotelier­vereinigung RND-Autorin Alisha Mendgen erzählt. Wie sich die Region trotzdem auf Touristen vorbereitet und warum deutsche Touristen kommen sollen, lesen Sie hier.
  • Wie viele seiner Kollegen macht sich auch Schlagersänger Howard Carpendale große Sorgen um die Musikbranche. „Ich kann mir volle Säle, egal wie groß sie sein mögen, mit Blick auf das kommende Jahr nicht vorstellen – solange es keinen Impfstoff gibt”, sagt der 74-Jährige, der gerade sein neues Album „Symphonie meines Lebens 2” veröffentlicht hat, im Interview mit RND-Mitarbeiter Dennis Ebbecke. Ihm gehe deshalb sogar die Angst durch den Kopf, dass er nie wieder auf einer Bühne stehen werde.

Die Termine des Tages

In Ägypten beginnt heute die Parlamentswahl. Die erste Runde geht über zwei Tage. Das Parlament in dem autoritär geführten Land wird seit der Wahl 2015 von Anhängern des Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi dominiert. Die demokratischen Freiheiten sind in Ägypten stark eingeschränkt.

Ein Lebenszeichen der Kultur: Sänger aus den Chören der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin, der Chorsolisten der Komischen Oper Berlin und des Rias-Kammerchors Berlin geben um 12.30 Uhr am Gendarmenmarkt ein großes Konzert unter freiem Himmel und mit viel Abstand.

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In der Fußball-Bundesliga kommt es heute am fünften Spieltag zum Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 (Anpfiff: 18.30 Uhr). Und das ohne volle Stadiontribünen? Kaum vorstellbar.

Wer heute wichtig wird

US-Präsident Donald Trump spricht rund zehn Tage vor der US-Wahl im umkämpften Bundesstaat Florida vor Anhängern. Nach Angaben des Weißen Hauses will Trump in West Palm Beach außerdem von der Möglichkeit der frühen Stimmabgabe Gebrauch machen. © Quelle: Patrick Semansky/AP/dpa

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

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aus dem RND-Newsroom: Jörg Kallmeyer

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