Deutschland im Wartestatus

  • Was läuft falsch in Deutschland? Inzwischen blicken auch die USA verwundert nach Berlin.
  • Aus dem Musterschüler in der Corona-Krise ist ein Sorgenfall geworden.
  • Erfolge beim Impfen feiern weiter nur die anderen Nationen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

manchmal hilft die Distanz dabei, Dinge klarer zu sehen. Die „New York Times“ blickte zum Wochenstart ausführlich auf die Corona-Lage in Deutschland. In dem Bericht schwingt viel Verwunderung mit – die Verwunderung darüber, was aus dem Land geworden ist, das vor noch einem Jahr so mustergültig durch die erste Welle der Pandemie gekommen war. Jetzt reihe sich Deutschland nahtlos ein in die Liste jener Länder, die der zweiten Welle hilflos gegenüberstehen, urteilt die Autorin der „New York Times“. Und mehr noch: Deutschland wirke wie gelähmt. Den Deutschen bleibe nichts mehr als das Warten: „Sie warten auf Entscheidungen ihrer politischen Führung. Sie warten auf ein Sinken der Infektionszahlen. Sie warten auf ihre Impfung.“

Deutschland im Wartestatus – damit müssen wir wohl noch eine Weile leben. Wenn es aber vorangehen soll mit der Krisenbewältigung, dann müssen auch die Fehler, die die Verantwortlichen in einem Jahr Kampf gegen Corona gemacht haben, gründlich aufgearbeitet werden. Das Team aus dem RND-Hauptstadtbüro hat in einem Report die zehn größten Irrtümer der Politik in dieser Krise analysiert.

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Gestern erschien die „New York Times“ mit einer Titelseite, die an die Lage im eigenen Land erinnert. Für jeden an Corona gestorbenen Amerikaner druckte die Zeitung einen schwarzen Punkt. Es waren 500.000 Punkte, die Seite war fast schwarz. Vieles ist in den USA schiefgelaufen, US-Präsident Joe Biden kann seinem Land aber auch Hoffnung machen: Die Impfkampagne schreitet mit großen Schritten voran.

In Erinnerung an die Corona-Opfer in den USA: die Titelseite der „New York Times“. © Quelle: New York Times

Die USA bekommen von Moderna und Pfizer/Biontech bis Ende Juli rund 600 Millionen Dosen Impfstoff, was für alle Erwachsenen im Land ausreichend ist. Großbritannien kann sich auf einen fast normalen Sommer freuen, in Israel wird inzwischen bei Ikea geimpft. Auf solche Hoffnungssignale wird Deutschland wohl lange warten müssen – weil zum einen der Impfstoff (noch) knapp ist. Und weil sich das Land zum anderen beim Verteilen des Impfstoffs als zu bürokratisch und zu unentschlossen erweist. Auch wenn die Lage im Sommer besser werden sollte – andere Nationen sind Deutschland beim Impfen inzwischen so weit enteilt, dass sie nicht mehr einzuholen sind.

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Zitat des Tages

Zu wenig Material, zu wenig Personal, zu viel Bürokratie.

Eva Högl, neue Wehrbeauftragte, in der Zusammenfassung ihres ersten Berichts zur Lage der Bundeswehr
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Leseempfehlungen

Wenige Monate vor der Europameisterschaft macht sich Fußball-Deutschland Sorgen um den Zustand der Nationalmannschaft. Doch es gibt durchaus auch Hoffnungsträger – einer davon ist aktuell in der Form seines Lebens und spielt heute mit seinem Klub Manchester City in der Champions League bei Borussia Mönchengladbach vor: Ilkay Gündogan hat in seiner neuen, etwas offensiveren Rolle im Starensemble von Pep Guardiola schon elf Saisontreffer erzielt und erzählt im Gespräch mit RND-Sportchef Heiko Ostendorp, wie er mit dem ungewohnten Hype um seine Person umgeht und warum er es eigentlich unfair findet, dass Spieler häufig nur an Toren gemessen werden.

Am 3. März kommen Bund und Länder das nächste Mal zusammen, um über den Fortbestand der Corona-Regeln zu entscheiden. Diesmal steht auf der Agenda auch das Beschließen eines Strategieplans für Lockerungen – und was bei einem möglichen erneuten Anstieg der Fallzahlen zu tun ist. Die Ausrichtung und Entscheidung ist eine politische, Ansätze für die Diskussion liefert aber auch die Wissenschaft. Die RND-Expertin Saskia Bücker vergleicht die verschiedenen Ansätze und ordnet sie ein.

Aus unserem Netzwerk: Immer Ärger mit der Impfung

Der Oberbürgermeister von Halle/Saale, Bernd Wiegand (parteilos), soll sich vorzeitig gegen Corona impfen lassen haben. Er wehrt sich, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nun wird ein neuer Fall bekannt, berichtet die „Ostsee-Zeitung“ – im Mittelpunkt steht ein Landrat aus dem Nordosten.

Termine des Tages

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Im Prozess gegen den mutmaßlichen Anführer der Terrormiliz IS in Deutschland, Abu Walaa, und drei weitere Männer wird heute das Urteil erwartet. Die Bundesanwaltschaft hat gegen die Männer Anklage erhoben, weil sie vor allem im Ruhrgebiet und in Niedersachsen Freiwillige für den IS rekrutiert haben sollen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) muss sich inzwischen jeden Tag für die Corona-Politik rechtfertigen. Heute stellt er sich von 14 Uhr an im Bundestag den Fragen der Abgeordneten.

Der Kampf gegen den Klimawandel sollte das große Thema für EU-Kommissions­präsidentin Ursula von der Leyen werden. Wegen Corona ist das Thema etwas in den Hintergrund gerückt. Heute um 12 Uhr will die EU-Kommission Vorschläge zur Anpassung an den Klimawandel in Europa präsentieren.

Wer heute wichtig wird

Wie geht es eigentlich dem Wald? In der Corona-Krise ist ein Sorgenthema der vergangenen Jahre etwas in den Hintergrund gerückt. Die Probleme aber sind noch lange nicht gelöst, wie die vielen Kahlflächen nach der Abholzung der Fichtenbestände zeigen. Bundeslandwirtschafts­ministerin Julia Klöckner (CDU) stellt heute den Waldschadensbericht für das vergangene Jahr vor – und muss auch erklären, wie es um die Aufforstungsprogramme steht. © Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

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Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Jörg Kallmeyer

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