Deutschland abgehängt – die Welt überholt links und rechts

  • Ob Impfungen oder Schnelltests, Deutschland gibt in der Corona-Krise längst kein gutes Bild mehr ab.
  • Es entsteht bei vielen der Eindruck, dass der Kampf gegen das Virus woanders besser vorangeht als bei uns.
  • Manches Land hat nur noch Mitleid für Deutschland übrig.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Deutsche sind top organisiert, zwanghaft genau und präzise in der Ausführung. So weit das Klischee. Deutschland tritt den Gegenbeweis an – und zwar täglich. Spätestens mit der Corona-Krise dürfte sich das Bild auch im Ausland wandeln. Denn im internationalen Vergleich hat plötzlich nur Deutschland ein Tempolimit. Verkehrte Welt.

In den USA hat Präsident Joe Biden der Corona-Pandemie den „Krieg“ erklärt. Pharmaunternehmen arbeiten Hand in Hand, übrig gebliebene Impfdosen finden auf unbürokratische Weise dankbare Abnehmer – unabhängig von Impfreihenfolgen. Halten die USA das Impftempo, haben bis Ende Mai alle Erwachsenen eine Spritze erhalten. Während auf der anderen Seite des Atlantiks sogar Zoo-Affen geimpft werden, krempelt in Niedersachsen an Sonntagen noch immer niemand die Hemdsärmel nach oben. Der Impfstoff reicht nicht aus.

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Gleichzeitig liegen unzählige Astrazeneca-Dosen unverbraucht herum. In Schleswig-Holstein etwa musste zunächst die Buchungssoftware umgestellt werden, um Astrazeneca in großem Stil einsetzen zu können.

In Barcelona findet Ende März das erste Konzert mit 5000 Besuchern statt. So müssen alle, die überhaupt eine Eintrittskarte ergattert haben, am Tag des Konzerts in einem von drei speziellen Testzentren zwischen 8 und 16 Uhr einen Schnelltest machen, der negativ sein muss. Innovative Konzepte gibt es auch in Deutschland, umgesetzt werden sie kaum. Kulturschaffende warten hier teilweise noch auf die Novemberhilfen.

In Großbritannien können Unternehmen kostenlose Schnelltests für ihre Mitarbeiter beantragen. In Deutschland ringen Wirtschaft und Politik derzeit darum, wie allen Beschäftigten in den Betrieben Corona-Schnelltests angeboten werden können. Noch mehr als schnelles Handeln bewegt aktuell die Schuldfrage. Immerhin will man im Superwahljahr 2021 ja auch wirklich gewählt werden. Die Konsequenz: Bund und Länder streiten sich darum, wer für die Bestellung der Tests verantwortlich gewesen sein soll. Die Nerven im Gesundheits­ministerium liegen offenbar blank. Zur Erinnerung: Ab morgen soll sich jeder Bürger einmal pro Woche kostenlos testen lassen können. Es bleibt spannend.

Und so wundert es nicht, dass nicht nur das deutsche Selbstbild, sondern auch die Stimmung kippt. Deutschland probiert viel, doch (fast) nichts an der Corona-Politik funktioniert wirklich: nicht die Corona-Warn-App, nicht die Schnelltests, nicht die Impfungen. Die Klischees greifen an den falschen Stellen. Stichwort Impfreihenfolge. Bisweilen nähert sich das Ganze dem Satirischen, im Verfahren wie in den Resultaten, kommentiert RND-Hauptstadt­korrespondent Markus Decker.

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Getoppt wird das politische Versagen eigentlich nur von moralischen Bankrott­erklärungen, wenn sich Politiker an der Beschaffung von Schutzausrüstung bereichern – wie in der Union mindestens zweimal geschehen. Ein ehrlicher Blick in den Spiegel lässt erkennen: Wir sind nicht die, für die wir uns gehalten haben. Und so fragt sich wohl nicht nur der britische „Guardian“, der in der Vergangenheit Deutschland gern als Best-Practice-Beispiel heranzog, wenn er schreibt: „Mutti, wie konntest du deine Fans so im Stich lassen?“ Der Weg vom Musterschüler zum Sorgenkind ist ein kurzer.

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Zitat des Tages

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Hinweis auf der Lidl-Website am Samstagmorgen

Leseempfehlungen

Während die Impfungen in Deutschland vielerorts schleppend gestartet sind, läuft die Kampagne in den USA bereits auf Hochtouren. 85 Millionen Impfdosen wurden dort schon verteilt. Und das auch, weil Joe Biden beim Thema Impfstoff den Kurs seines Vorgängers hält. Was hinter den Blitzimpfungen in Amerika steckt, fasst RND-Autorin Jessica Orlowicz zusammen.

Vor der „Sendung mit der Maus“ habe er „eigentlich von nichts eine Ahnung gehabt“, sagt Ralph Caspers im Gespräch mit RND-Redakteur Kristian Teetz. Nach 22 Jahren „Maus“-Moderation aber wisse er nun „sehr viel über sehr viele Dinge“. Selbst habe er als fünfjähriger „Maus“-Fan vor allem die witzigen Trickfilme der Sendung geliebt, später fand er dann die Erklärfilme spannender. Der ARD-Nager mit seinen „Lach- und Sachgeschichten“ für Kinder feiert 50. Geburtstag – Caspers ist ein Jahr jünger. Sein eindrucksvollstes Erlebnis: Einmal ist er für die „Maus“ sogar absichtsvoll ohnmächtig geworden. Was da genau passierte, lesen Sie hier.

Robert Lewandowski und Erling Haaland prägten das Bundesliga-Topspiel am Samstagabend zwischen den Fußballern des FC Bayern München und von Borussia Dortmund. Die beiden Angreifer trafen beim 4:2-Sieg der Bayern fast, wie sie wollten. Lewandowski übertraf Haaland sogar noch und netzte insgesamt dreimal ein. Haaland hatte den BVB zunächst mit seinen beiden Toren 2:0 in Führung gebracht. Beim Sportbuzzer, dem Sportportal des Redaktions­Netzwerks Deutschland, lesen Sie Analysen, Reaktionen und die Einzelkritiken zum wahlweise „German Clásico“ oder schlicht „Klassiker“ genannten Duell.

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Aus unserem Netzwerk: Ausverkauft!

Der Verkaufsstart von Corona-Antigentests beim Discounter Aldi war schon nach kurzer Zeit wieder beendet. Schon am frühen Morgen hatten Menschen vor den Filialen Schlange gestanden, um ein Set der begehrten Tests zu erwerben, wie die Partnertitel des RND übereinstimmend berichten. Da die Filialen der Unternehmens­gruppen Aldi Nord und Aldi Süd nur wenige Exemplare der Testpakete vorrätig hatten, hieß es nur Minuten später: ausverkauft.

Termine des Tages

Papst Franziskus besucht auf seiner Reise im Irak am Sonntag die Christen im Norden des Landes. Dieses Treffen hatte die dortige Gemeinde schon seit Jahren herbeigesehnt. In Mossul will das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Kirchenplatz Chusch al-Bia für die Opfer des Krieges gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beten. Kurz darauf will der 84-Jährige südöstlich der Millionenstadt die christliche Gemeinde in Karakosch besuchen und in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis das sonntägliche Angelusgebet sprechen.

Zum Abschluss der nordischen Ski-WM in Oberstdorf steht die Königsdisziplin der Langläufer auf dem Programm. Über 50 Kilometer in der klassischen Technik wird am Sonntag (13 Uhr) der letzte Weltmeister der Titelkämpfe im Allgäu gesucht. Vor zwei Jahren in Seefeld hatte sich beim großen Finale über die ganz lange Distanz der Norweger Hans Christer Holund durchgesetzt und Gold geholt. Diesmal gilt der Russe Alexander Bolschunow, der in Oberstdorf bereits einen kompletten Satz an Medaillen gewonnen hat, als Topfavorit. Die deutschen Athleten von Teamchef Peter Schlickenrieder starten aus der Außenseiterrolle.

Was heute wichtig wird

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Die Schweizer stimmen am Sonntag über ein Verhüllungsverbot ab. Die Vorlage stammt von einem rechten, islamkritischen Verein, der auf ein Verbot der islamischen Ganzkörper­verschleierung abzielt. Dieser Verein hatte 2009 bereits per Volksabstimmung ein Verbot von Minarettneubauten durchgesetzt. Nach anfänglich großer Zustimmung gingen die Jastimmen für ein Verbot bei den jüngsten Umfragen zurück und der Ausgang ist ungewiss. Länder wie die Niederlande, Österreich oder Frankreich haben ähnliche Verbote. © Quelle: Peter Klaunzer/Keystone/dpa

Der Podcast des Tages

Zero Covid? Gibt es wirklich! Und zwar in Australien und Neuseeland. Im Kollegengespräch mit Dirk Schmaler erklärt RND-Sydney-Korrespondentin Barbara Barkhausen, wie ein harter Lockdown das Virus in Australien besiegt hat, welchen Preis die Australier für ein Leben fast ohne Beschränkungen zahlen – und warum die Strategie in Deutschland schwerer umzusetzen wäre.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Alexander Krenn

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