Deutsche Bahn rechnet auch 2021 mit einem Milliardenverlust

  • Die Deutsche Bahn wird auch im zweiten Corona-Jahr tief in die roten Zahlen fahren.
  • Schon 2022 will sie aber wieder Gewinn machen.
  • Die Gewerkschaften EVG und GDL halten das in seltener Einmütigkeit für zu optimistisch.
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Berlin. Die Deutsche Bahn (DB) rechnet nach einem Minus von 5,7 Milliarden Euro im ersten Corona-Krisenjahr 2020 auch im kommenden Jahr mit einem Milliardenverlust. Bereits 2022 aber will der Staatskonzern wieder einen operativen Gewinn machen.

Doch die Probleme der Bahn reichen tiefer als Corona, und zudem erwartet Bahnchef Richard Lutz ein langwieriger Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) und ihrem streitbaren Chef Claus Weselsky. Gleich zu Beginn der Bilanzpressekonferenz griff Lutz die GDL und Weselsky frontal an: „Von der GDL fehlt leider jeder Beitrag“ zur Krisenbewältigung. Er nannte die Tarifforderungen der GDL ein „massives Forderungspaket“, das „selbst in Boom-Zeiten völlig illusorisch“ sei.

Lutz und seine Vorstandskollegen hoffen auf eine schnelle Erholung des Passagieraufkommens. Mit 20 bis 25 Prozent liegt die Auslastung laut Personenverkehrsvorstand Berthold Huber derzeit bei lediglich rund einem Drittel des Vorkrisenniveaus. Dennoch hat die Bahn einen Großteil des Angebots stets aufrecht erhalten. Die Treue der Stammkunden sei auch daraus abzulesen, dass unter zehn Prozent der Bahncards gekündigt wurden.

Gewerkschaft fordert außerordentliche Krisen-Aufsichtsratssitzung

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Klaus-Dieter Hommel, Chef der größeren Eisenbahner-Gewerkschaft EVG, ist skeptischer als der optimistische Bahnvorstand. „Ich glaube, dass der Prozess wesentlich länger dauern wird, bis die Bahn wieder in der Gewinnzone ist“, sagt er. Hommel fordert jetzt eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung, um die Strategie für die nächsten Jahre zu besprechen. Er fordert eine verlässliche Bahn, was Pünktlichkeit, Anschlüsse und auch Internet an Bord angeht. Zudem müsse das Unternehmen in der Lage sein , seine Investitionen selbst zu tragen und seine Verschuldung abzubauen.

Vorstandsverträge verlängert - ohne Gehaltserhöhung

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Am Vortag verlängerte der Aufsichtsrat die Verträge von Lutz sowie der beiden Vorstände Huber (Personenverkehr) und Ronald Pofalla (Infrastruktur). Die Vorstände hatten sich zudem Gehaltserhöhungen ab 2023 von zehn Prozent gewünscht - der Aufsichtsrat stimmte dem aber nicht zu.

Mit der EVG einigte sich die Arbeitgeberseite im vergangenen Jahr auf eine Nullrunde für 2021. Erst im kommenden Jahr sollen Löhne und Gehälter um 1,5 Prozent steigen. Eine Einigung mit der GDL ist allerdings noch in weiter Ferne.

Weselsky: Wenn Gespräche scheitern, streiken wir

GDL-Boss Weselsky sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Die Damen und Herren der Führungsspitze wollen keine Gewerkschaft, die weiß, wie sie ihre Forderungen durchsetzt und schon gar keine, die das Missmanagement gnadenlos aufdeckt und auch noch sagt, wie es besser geht. Die GDL bleibt hingegen ganz ruhig und ganz entspannt.“ Ein Streik stehe aktuell nicht an, sei aber keineswegs ausgeschlossen: „Im Falle des Scheiterns einer Verhandlung würden wir unmittelbar danach in den Arbeitskampf eintreten können. Denn es gibt keine Bindung für ein Schlichtungsverfahren mehr.“

Laut Weselsky liegen die Probleme der Bahn weit tiefer als die Corona-Krise: „Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten ein Sanierungsfall und hat sich selber immer weiter in Grund und Boden geritten . Dafür ist das Management verantwortlich, das weltweit tanzen geht – aber nicht die Lokomotivführer, die Zugbegleiter, die Werkstattmitarbeiter und Fahrdienstleiter und alle anderen, die die ganze Krise hindurch dort draußen waren.“

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Bei der Opposition im Bundestag sowie den Wettbewerbern der Bahn stoßen die Finanzen ebenso wie die Investitionspläne seit jeher auf Skepsis. So äußerte etwa das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), in dem vor allem die Güterkonkurrenten der Bahn organisiert sind, Zweifel daran, dass die Verluste ausschließlich auf Corona zurückzuführen seien. Unabhängig von der Krise mangele es an Qualität und Effizienz, teilte NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger am Donnerstag mit. „Derzeit erkauft sich die Regierung politische Ruheund Zeit mit Steuergeldern, die zu einem erheblichen Teil nicht-investiv eingesetzt werden.“

Diese Kritik weisen Konzern und Bundesregierung stets zurück: Das Geld fließe ausschließlich in die Infrastruktur und komme somit auch den Wettbewerbern zugute. Die Frage bleibt jedoch, ob der Bund auch langfristig die finanzielle Kontinuität garantieren kann, die es für den Ausbau der Schieneninfrastruktur braucht. Schließlich ist die Bahn derzeit nicht das einzige Sorgenkind, um das sich mit viel Geld gekümmert werden muss.

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