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  • Deutsche Bahn: Beamte erhalten zusätzlichen Sitzplatz - sinnvoller Infektionsschutz, inakzeptable Ungleichbehandlung

Zusätzlicher Sitzplatz für Beamte in der Bahn: Das ist ein Skandal

  • Der Bund gewährt reisenden Staatsbediensteten in Corona-Zeiten das Privileg, in Zügen der Bahn einen zusätzlichen Platz zu buchen.
  • Das dient dem Abstandhalten und ist gewiss im Sinne der Infektionsbekämpfung.
  • Doch zugleich ist es eine völlig inakzeptable Ungleichbehandlung, kommentiert Markus Decker.
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Das haben sie sich im Bundesinnenministerium schön ausgedacht. Beamte oberster Bundesbehörden sollen bei Bahnfahrten in Corona-Zeiten nicht allein das eigene Ticket erstattet bekommen, sondern auch noch ein zweites Ticket für einen leeren Nebenplatz. Damit nicht genug. Nehmen diese Beamten ein Flugzeug, sollen sie einen Mittelsitzplatz dazu buchen dürfen. Die Kosten für die Nutzung eines Mietwagens können ebenfalls anerkannt werden. Die Idee ist im Sinne des Infektionsschutzes gewiss effektiv. Sie ist aber vor allem eines: skandalös.

Sie ist im Allgemeinen skandalös, weil die Corona-Beschränkungen von Bund und Ländern zwar bei einer großen Mehrheit der Bundesbürger auf Zustimmung stoßen. Freilich nimmt die Gereiztheit mit der Dauer der Pandemie zu, weil die Probleme zunehmen – für Inhaber von Gaststätten und Reisebüros, Künstler, Pflegepersonal, Eltern und Kinder. Um die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhalten, müssen sie wenigstens einigermaßen gerecht und verhältnismäßig sein. Privilegien für Staatsbedienstete erscheinen da wie Gift. Das Gift wirkt bereits aufgrund der erklärten Absicht und unabhängig davon, wie viele Beamte das Privileg am Ende in Anspruch nehmen.

Skandalös ist der Vorgang im Besonderen, weil die Bahn und ihr Eigentümer, der Bund, bislang trotz steigender Infektionszahlen einen garantierten Mindestabstand für alle Passagiere ablehnen. Dabei springt die Begründung ins Auge. Sie lautet, dass es keinen Nachweis über eine besondere Ansteckungsgefahr in Zügen gebe. Wenn das so ist, fragt man sich natürlich, warum dann Beamten ein Mindestabstand garantiert werden soll, Normalsterblichen jedoch nicht.

Nun heißt es bei der Bahn, jeder Reisende dürfe nur einen Sitzplatz belegen. Ein zweites Ticket nütze da gar nichts. Mag sein: Doch das Signal einer hanebüchenen Ungleichbehandlung ist leider längst ausgesandt.

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