Der wütende Merz twittert wie Trump

  • Armin Laschet erzielt mit seiner Initiative zur Verschiebung des CDU-Parteitags einen doppelten Erfolg.
  • Erstens kommt es nun so, wie er es wollte.
  • Zweitens gewinnt der Rheinländer persönlich Profil: als Experte für Common Sense in der Viruskrise.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

man kann gegen Armin Laschet sagen, was man will. Aber der Mann ist unter den drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz offensichtlich das „political animal“ mit der besten Witterung.

Am Wochenende schlug der listige Rheinländer vor, den CDU-Bundesparteitag angesichts von Angela Merkels jüngsten Pandemiewarnungen zu verschieben: Der Parteitag passe jetzt nicht in die Zeit.

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Die Kanzlerin hatte formuliert: „Das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren. Viel weniger Menschen treffen.”

Eine Partei, die dennoch zu einer Versammlung von 1000 Delegierten aus ganz Deutschland bittet, würde zwar nichts Widerrechtliches tun. Aber sie würde, Hygiene­konzepte hin oder her, ihre Vorbildfunktion aufgeben.

Man kann gedanklich zu diesem Ergebnis gelangen, ohne ein Albert Einstein sein zu müssen. Laschet hat diese schlichte Überlegung allerdings mit klugem Timing zum Ausdruck gebracht – und dann auf seine verschmitzt lächelnde Art abgewartet, was passiert.

Armin Laschet (CDU) kandidiert für den CDU-Vorsitz. © Quelle: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa
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Daniela Vates aus unserem Berliner Büro schildert präzise die CDU-internen Abläufe – durch die sich Laschet inzwischen sogar doppelt bestätigt sehen darf. Erstens kommt es in der Sache nun so, wie er es vorgeschlagen hat. Und zweitens bringt ihm das Manöver auch persönlich Profil: Er steht nun da als einer, der ansagt, was zu beachten ist, ein Experte für Common Sense, der sich früher äußert als Norbert Röttgen – und anders als Friedrich Merz.

Das Establishment und seine Verschwörungen

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Merz ist jetzt wütend. Es gebe ganz offenkundig, schimpft er, „beachtliche Teile des Partei­establishments, die verhindern wollen, dass ich Partei­vorsitzender werde“.

Auf Twitter wurde sein Tonfall gestern Abend trumpistisch: „Ich habe klare Hinweise darauf, dass Armin Laschet die Devise ausgegeben hat: Er brauche mehr Zeit, um seine Performance zu verbessern. Ich führe ja auch deutlich in allen Umfragen. Wenn es anders wäre, hätte es in diesem Jahr sicher noch eine Wahl gegeben.“

Klagen über das Establishment, Klagen über Verschwörungen – da fehlten nur noch, um das Twittern wie bei Trump rundzumachen, Hinweise auf bevorstehende eigene Fernseh­auftritte. Aber auch die lieferte Merz dann noch: „Heute Abend um 21.45 Uhr Interview mit Bettina Schausten im ‚heute-journal‘ und um 22.15 Uhr bei Caren Miosga in den ‚Tagesthemen‘. Schauen Sie gern mal rein!"

Laschet übrigens saß am Sonntag bei „Anne Will“, ohne dies vorab auf Twitter zu verkünden. Aber er gehört ja auch zum Establishment.

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Zitat des Tages

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Auch wenn das für Kinder und Jugendliche sehr traurig ist – aber Halloween, so wie wir das kennen, das geht in diesem Jahr nicht.

Franziska Giffey (SPD), Bundes­familien­ministerin

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Eine Woche vor der US-Präsidentenwahl hat die Berufung von Amy Coney Barrett die konservative Mehrheit im Obersten Gericht des Landes zementiert. Der Supreme Court könnte das letzte Wort in möglichen Gerichtsverfahren um die Auszählung der Stimmen bei der Wahl am 3. November haben. Zugleich stellt das Gericht mit seinem Entscheidungen zu Streitthemen wie das Recht auf Abtreibungen oder gleichgeschlechtliche Ehen immer wieder wichtige Weichen für die US-Gesellschaft.

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Schauspieler Oliver Mommsen findet künstlerische Freiheit extrem wichtig – weshalb er Political Correctness im Schauspieljob als schwierig ansieht. Im Interview mit RND-Redakteurin Hannah Scheiwe spricht er über sein Berufsverständnis, das Genervtsein von „Tatort-Faktenchecks“ und seinen neuen Film „Papa auf Wolke 7“, in dem er einen Autisten spielt.

Termine des Tages

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In Berlin treffen sich die Fraktionen des Bundestages zu internen Sitzungen – zu den Themen gehören das weitere Vorgehen in der Pandemie und die Beteiligung des Parlaments.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft mit den Mitgliedern der Konzertierten Aktion Pflege in einer Videokonferenz zusammen.

In Potsdam will Brandenburgs AfD-Landtagsfraktion heute nach dem Rückzug von Andreas Kalbitz einen neuen Vorsitzenden wählen.

In Berlin wird der Prozess um den Tiergartenmord fortgesetzt: Am 23. August 2019 war ein Gegner der russischen Regierung in Berlin am helllichten Tag durch zwei Kopfschüsse getötet worden.

Wer heute wichtig wird

„Ich wurde von der Bundeswehr nicht versteckt“: Anastasia Biefang, Kommandeurin des Informations­technik­bataillons 381, wechselt auf einen neuen Posten in Bonn. © Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB

Anastasia Biefang, die erste transsexuelle Bundeswehr­kommandeurin, übergibt heute turnusgemäß das Kommando des Informations­technik­bataillons 381 in Storkow in Brandenburg an ihren Nachfolger. Biefang übernimmt eine neue Aufgabe im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn.

Noch 2017, als sie zum ersten Mal Bataillons­kommandeurin wurde, beschrieb Biefang ihre Gefühle im Deutschlandfunk augenzwinkernd mit den Worten: „O Gott, die vertrauen mir wirklich Menschen an.“ In der Bundeswehr engagiert sich Anastasia Biefang heute auch für die Interessen aller queeren Angehörigen der deutschen Streitkräfte. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Queer Bw.

Biefang machte bei der Bundeswehr anfangs als Mann Karriere, wagte allerdings vor gut fünf Jahren ihr Coming-out – und wurde von ihrem Arbeitgeber und von den Vorgesetzten auf ihrem schwierigen Weg unterstützt. „Ich wurde von der Bundeswehr nicht versteckt“, sagt sie.

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Aus dem RND-Newsroom: Matthias Koch

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