Der unsichtbare „Kalif“: Wer ist Abu Bakr al-Bagdadi?

  • Abu Bakr al-Bagdadi macht seinem Ruf als „unsichtbarer Scheich“ alle Ehre.
  • Der Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) regiert sein zunehmend schrumpfendes „Kalifat“ auf syrischem und irakischem Boden aus dem Verborgenen heraus.
  • Nun soll er nach getötet worden sein. Doch wer ist al-Bagdadi?
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Bagdad. Al-Bagdadi sah sich als selbst ernannter „Kalif Ibrahim“ in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Mit dem Kalifentitel ist der Anspruch verbunden, Führer der gesamten islamischen Gemeinschaft zu sein. Das Kalifat bezeichnet das Herrschaftsgebiet des Kalifen.

Informationen und Details über den 48-Jährigen sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig lassen sie sich nicht überprüfen. Lange Zeit wusste kaum jemand, wie der IS-Chef aussieht, da es nur zwei Fotos von ihm gab.

Wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 tauchte er völlig überraschend in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul auf, wo er die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich nicht mehr. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden. Russland berichtet schon im Juni über den Tod al-Bagdadis. Doch der IS-Führer lebte. Jetzt berichten US-Medien, er sei bei einem Angriff der US-Armee getötet worden.

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Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar

Al-Bagdadi wurde 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak.

Die US-Regierung hat im Dezember 2016 das zur Ergreifung des IS-Chefs ausgelobte Kopfgeld von zehn auf 25 Millionen US-Dollar (22,43 Millionen Euro) erhöht.

Im Jahr 2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch „Islamischer Staat im Irak“ hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Bagdadi mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken.

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Mit Ausrufung des Kalifats benannte sich die Terrormiliz in Islamischer Staat um. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen. Nach und nach verlor der IS jedoch sein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien wieder. Offiziell galt der IS mit dem Fall seines letztes Rückzugsorts im ostsyrischen Baghus als besiegt.

Noch vor wenigen Monaten ging die von den USA geführte Anti-IS-Koalition aber in einem Bericht davon aus, dass sich noch zwischen 14.000 und 18.000 IS-Angehörige im früheren Herrschaftsgebiet der Islamisten zwischen Syrien und dem Irak aufhalten sollen. Mittlerweile sind IS-Ableger in zahlreichen Ländern aktiv.

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Von RND/dpa