„Der Tag“

Der unendliche Streit um die Zeitumstellung

In der Nacht zu Sonntag wurden die Uhren um eine Stunde vorgestellt.

Die meisten Uhren müssen nicht mehr händisch umgestellt werden.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie heute schon all Ihre Uhren umgestellt? Oder schauen Sie zur Zeitangabe ohnehin nur noch aufs Smartphone, das die Uhrzeit selbsttätig anpasst – und haben womöglich gar nichts von der gewonnenen Stunde mitbekommen? Genau, heute um 3 Uhr nachts war es plötzlich wieder 2 Uhr. Wenn Sie sich jeden Tag zur selben Zeit von Ihrem Smartphone wecken lassen, dann haben Sie bereits eine Stunde länger geschlafen. Herzlichen Glückwunsch.

So richtig Freude bringt die Uhrendreherei hierzulande aber kaum jemandem mehr. Denn Fakt ist: Die äußere Zeitumstellung macht etwas mit uns und unserer inneren Uhr. Laut dem Chronobiologen Till Roenneberg vergrößert sie unseren ohnehin schon vorhandenen sozialen Jetlag, der „misst, wie weit entfernt meine innere Uhr von der äußeren leben muss“. Und das hat ganz konkrete, auch gesundheitliche Folgen, wie Roenneberg meiner Kollegin Melina Runde erzählt (+).

Die ursprüngliche Motivation für die Zeitumstellung ist tatsächlich so aktuell wie seit Langem nicht mehr. 1980 – unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 – sollte die wieder eingeführte Maßnahme dazu dienen, Energie zu sparen. Das Urteil von Expertinnen und Experten fällt diesbezüglich aber deutlich aus: Mit diesem Anliegen ist man gescheitert. „Der Dreh am Zeiger zur Winter- und Sommerzeit bringt demnach keine spürbare Energieeinsparung“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft der dpa.

Und sowieso: War da nicht mal was? Haben wir nicht mal darüber abgestimmt, dieses Prozedere zu beenden? Tatsächlich wurde bereits 2018 in einer EU-weiten Umfrage (mit Rekordbeteiligung übrigens) bestimmt, dass die ungeliebte Umstellung ein Ende haben soll. 84 Prozent der Teilnehmenden waren für eine Abschaffung. Geplant war sie für Ende 2021 …

… der Zeitpunkt wurde aber verpasst. Und konkrete Schritte zu einem Ende der Zeitumstellung fehlen nach wie vor. Zwar einigte sich nach der Umfrage das EU-Parlament schnell auf eine Abschaffung – aber da ist ja auch noch der Europäische Rat. Sprich: die Vertreter und Vertreterinnen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Und hier wird es kompliziert.

Sommer- oder Winterzeit: Was darf’s denn sein?

Die Umfrage der EU klärte nämlich nur, ob sich die Befragten die Abschaffung von getrennter Sommer- und Winterzeit wünschen – nicht aber, zu welcher Logik man wechseln wolle. Und es bedarf nur wenig Fantasie, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Ansprüche an früheres Tageslicht am Morgen oder späteres Tageslicht am Abend in Finnland und Spanien auseinandergehen.

Haben wir also künftig mitten in Europa nicht nur zwischen West und Ost, sondern auch zwischen Nord und Süd unterschiedliche Zeitzonen? Und wer sagt eigentlich, dass nicht irgendein Mitgliedsstaat am Ende aus der Reihe seiner Nachbarn tanzt? Eine EU-weite Lösung wäre sicher wünschenswert, ist aber keinesfalls absehbar.

Und so richtig groß ist das Bedürfnis vieler EU-Staaten auch gar nicht – zumal unter dem Eindruck drängenderer Krisen –, an der Uhrendreherei etwas zu ändern. Denn die EU-Umfrage erreichte 2018 zwar eine Rekord­teilnehmer­zahl – allerdings nahmen trotzdem nicht einmal 10 Prozent der EU-Bürgerinnen und ‑Bürger daran teil. Und die, die teilnahmen, kamen zu einem sehr großen Teil aus Deutschland.

Und so bleibt es ein Thema, dessen Umsetzung politisch kompliziert ist. Eine Lösung? Aktuell nicht in Sicht. Bleibt uns also nur, die zusätzliche Stunde Schlaf zu genießen. Und das Gefühl eines leichten Jetlags.

Der Tag

issen, was der Tag bringt – mit dem Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

 

Zitat des Tages

Wir hatten noch nie einen Bundeskanzler in Deutschland, der so respektlos umgegangen ist mit seinen Koalitionspartnern, so respektlos umgegangen ist mit den Institutionen unseres Staates, so respektlos umgegangen ist mit unseren Nachbarn, so respektlos umgegangen ist mit unseren internationalen Partnern auf der ganzen Welt

Friedrich Merz,

CDU-Vorsitzender

Auf dem Parteitag der CSU donnerte CDU-Parteichef Friedrich Merz ordentlich los und teilte insbesondere gegen Bundeskanzler Olaf Scholz aus. Gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder demonstrierte er Einigkeit der Schwesterparteien. Dennoch bleibt zwischen den Parteien eine wichtige Frage ungeklärt, schreibt Hauptstadt­korrespondentin Alisha Mendgen in ihrem Kommentar.

 

Leseempfehlungen

Stichwahl in Brasilien: Heute treten in Brasilien Amtsinhaber Jair Bolsonaro und Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva zur Stichwahl um das Präsidentenamt an. Wie ticken ihre Anhängerinnen und Anhänger?

Sind wir jetzt ein Paar? Dating-Apps wie Tinder können das Kennenlernen erleichtern. Teilweise erschweren sie aber auch, überhaupt eine feste Partnerschaft einzugehen. Wie also kann man herausfinden, ob das zwischen einem selbst und dem Gegenüber tatsächlich etwas Ernstes ist? (+)

 

Aus unserem Netzwerk

In Mecklenburg-Vorpommern vergibt die SPD von Manuela Schwesig weiterhin Posten gern an politische Mitstreiter. Medienberichten zufolge kommen etwa Familienangehörige anderer Genossen in Büros unter. Die Kosten trägt der Steuerzahler, schreibt die „Ostsee Zeitung“ (+).

 

Termine des Tages

Auf Reisen: Außenministerin Annalena Baerbock bricht um 14 Uhr zu ihrer Reise nach Kasachstan und Usbekistan auf. Dabei wird sie von einer Wirtschafts­delegation und Bundestags­abgeordneten begleitet.

Preis: Um 11 Uhr wird der mit 500.000 Euro dotierte Deutsche Umweltpreis verliehen. Mit dabei ist auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Formel 1: Der Weltmeister steht zwar schon fest, aber dennoch stehen noch drei Rennen aus. Um 21 Uhr geht es heute für die Fahrer in Mexiko auf die Strecke.

 

Was heute wichtig wird

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist es bei einer Halloweenparty zu einem Gedränge und einer schlimmen Massenpanik gekommen. Infolgedessen starben nach Angaben der Behörden mindestens 151 Menschen, 82 sind verletzt, einige von ihnen schwer. Mehr als 400 Rettungskräfte wurden entsandt, um Verletzte zu behandeln. 

Heute und in den nächsten Tagen wird sich zeigen, was die Ursache für die Panik gewesen ist.

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist es bei einer Halloweenparty zu einem Gedränge und einer schlimmen Massenpanik gekommen. Infolgedessen starben nach Angaben der Behörden mindestens 151 Menschen, 82 sind verletzt, einige von ihnen schwer. Mehr als 400 Rettungskräfte wurden entsandt, um Verletzte zu behandeln. Heute und in den nächsten Tagen wird sich zeigen, was die Ursache für die Panik gewesen ist.

 

Der Podcast des Tages: „Unsere Story“

Rund 2300 Delegierte sind vom 16. bis zum 22. Oktober in China zum Parteitag der Kommunistischen Partei zusammengekommen. Hierbei wurde die Verfassung des Landes so verändert, dass der bisherige Staatspräsident Xi Jinping theoretisch bis an sein Lebensende das Land beherrschen kann. Wie wird er seine neue Machtfülle in Zukunft nutzen und was bedeutet das für uns in Deutschland?

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

„Der Tag“ als Podcast

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Die News zum Hören

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Paul Berten und Ihre Anna Schughart

 

Abonnieren Sie auch

Klima-Check: Erhalten Sie die wichtigsten News und Hintergründe rund um den Klimawandel – jeden Freitag neu.

Unbezahlbar: Wertvolle Tipps und Hintergründe rund ums Geld – immer mittwochs.

Hauptstadt-Radar: Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Regierungsviertel – immer dienstags, donnerstags und samstags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden zweiten Donnerstag.

What’s up, America? Der USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – jeden zweiten Dienstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichtenangebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexperten und ‑expertinnen aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chefredakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 

Verwandte Themen

Top Themen

Krieg in der Ukraine
 

Letzte Meldungen