Der Triumph von Marine Le Pen ist trügerisch

  • Die Rechts­populistin Marine Le Pen ist mit mehr als 98 Prozent der Stimmen in ihrem Amt als Partei­vorsitzende des Rassemblement National (RN) in Frank­reich bestätigt worden.
  • Doch daraus sollte nicht geschlossen werden, dass Le Pen genauso großen Rück­halt an der Basis hat.
  • Denn der Schein des Ergebnisses trügt, kommentiert Birgit Holzer.
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Paris. Es ist ein Ergebnis, das keinen Zweifel lässt – oder lassen soll: Die Wieder­wahl von Marine Le Pen als Partei­chefin des Rassemblement National (RN) mit 98,35 Prozent der Stimmen erscheint als Triumph, der Rücken­wind für die Präsidentschafts­wahlen in neun Monaten gibt.

Freilich hatte sie keinen Gegen­kandidaten. Die Tradition, die Partei autoritär zu führen, verschiedene Strömungen gar nicht erst zuzulassen und interne Gegner abzudrängen, hat Frank­reichs Rechts­populistin von ihrem Vater, Partei­gründer Jean-Marie Le Pen, übernommen. Wie so vieles andere auch.

Eine Präsidentin Le Pen ist wenig wahrscheinlich

Gut stehen ihre Aussichten, bei den Präsidentschafts­wahlen 2022 erneut die zweite Runde zu erreichen. Die Chance, auch wirklich gewählt zu werden, bleibt aber gering. Die Regional­wahlen, bei denen der RN gegen­über seinen Ergebnissen von 2015 deutlich abfiel und weit hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb, haben gerade gezeigt, dass es eben doch noch eine gläserne Decke gibt – eine Ober­grenze der Stimmen für Frank­reichs Rechts­extreme, über die sie nicht hinaus­kommen.

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Trotz dramatisch klingender Appelle an ihre Anhänger konnte Le Pen diese zwischen beiden Wahl­gängen nicht mobilisieren. Die Nieder­lage wird auch ihr angelastet – deshalb ist das glänzende Ergebnis von 98,35 Prozent trügerisch.

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Denn in ihrer Partei gibt es durchaus Kritiker an ihrem Kurs, die diesen als zu soft empfinden. Sie warten nur auf ein weiteres Scheitern Le Pens, welches die Rück­kehr ihrer Nichte Marion Maréchal befeuern könnte. Und damit ein Ende der Le-Pen-Allein­herrschaft, zumindest in der bisherigen Form.

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