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Der Staat als Spendensammler? Hilfsorganisationen sehen es eher entspannt

  • Nach der Flutkatastrophe sammeln auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Spenden für Betroffene.
  • An dem Vorgehen gibt es Kritik: Der Staat solle nicht mit anderen Hilfsorganisationen konkurrieren.
  • Doch diese sehen das Ganze eher gelassen, wichtiger sei, dass die Hilfe auch ankomme.
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Berlin. Im Zuge der großangelegten Hilfsaktionen für die Opfer der Flutkatastrophe sind in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auch die Landesregierungen als Spendensammler unterwegs und haben für die Einzahlung von Geldern auf eigenen Konten geworben. Kritiker halten es für fragwürdig, dass der Staat als „Spendeneintreiber“ und somit auch als „Konkurrent“ von karitativen Organisationen fungiert. Eine Umfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND) bei etablierten Hilfs­organi­sationen ergab, dass man die Sache dort relativ entspannt sieht:

  • Dieter Schütz, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sagte, grundsätzlich sei es besser, wenn der Staat Spendensammlungen den darauf spezialisierten Hilfsorganisationen überlässt, aber grundsätzlich könne er nichts Negatives daran erkennen, wenn in einer solch dramatischen Situation auch ungewöhnliche Wege gegangen werden. „Wichtig ist natürlich, dass das Geld nicht in der Staatskasse landet, sondern rasch dort ankommt, wo es gebraucht wird, nämlich bei den Hilfsbedürftigen“, betonte Schütz. Gerade in Nordrhein-Westfalen seien ja auch lokale Hilfsorganisationen vor Ort in die Aktion der Landesregierung eingebunden.
  • Dariush Ghobad vom Aktionsbündnis Katastrophenhilfe, das mehrere Organisationen bündelt und gemeinsam mit dem ZDF Spenden sammelt, sagte, es sei neu, dass Länder direkt in Sammelaktionen einsteigen. Er hoffe, dass es nicht zu „Mehrfachstrukturen“ und einer „Überbürokratisierung“ komme. Für die Betroffenen mache es am Ende keinen Unterschied, woher das Geld stamme, wichtig sei, dass sie es schnell erhalten. „Unsere Hilfsorganisationen sind professionell auf solche Situationen eingestellt, wir haben ein gutes Management und werden genau beobachten, wie das die Landesregierungen organisieren“, sagte Ghobad.
  • Viel kritischer sei zu bewerten, dass nun auch Privatpersonen zu Spenden aufrufen, die nicht den Status der Gemein­nützigkeit haben. „Da ist theoretisch die Wahrscheinlichkeit größer, dass Spenden nicht dort landen, wo sie eigentlich hingehören“, sagte Ghobad. Bei den Landesregierungen gehe man davon aus, dass alles richtig läuft. Im Vordergrund dürfe nicht die Profilierung einzelner Organisationen, sondern müsse die Bedürftigkeit der Menschen stehen.
  • Thomas Beckmann, Sprecher der Diakonie-Katastrophenhilfe, sagte, es sei absolut verständlich, dass sich in einer solchen Situation auch der Staat engagiere. Die große Welle der Hilfsbereitschaft müsse ja auch kanalisiert werden. „Wir haben da mit unseren Kirchgemeinden und Diakonien vor Ort ein sehr gutes Netzwerk und bringen die Erfahrung mit, solche Aktionen professionell zu managen“, sagte Beckmann. Die etablierten lokalen Strukturen seiner Organisation stünden dafür, dass eingesammelte Spenden auch rasch bei den Betroffenen ankommen.
  • Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe, hob hervor, dass nach Einschätzung der Bundesregierung mehrere Milliarden Euro für den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen benötigt werden. Dabei helfe jeder Euro. „Wichtig ist, dass alle Akteure – staatliche Stellen und Hilfs­orga­nisa­tionen – eng zusammenarbeiten, um die Hilfen schnell und bedarfsgerecht an die Betroffenen zu bringen“, sagte Lüssem und fügte hinzu: „Wir streben dazu eine enge Abstimmung mit den Behörden der Länder und der betroffenen Kommunen an.“
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