• Startseite
  • Politik
  • Der Minister, der Landesvater, der Polarisierer oder doch der Joker? Die Kandidaten der Union

Der Minister, der Landesvater, der Polarisierer oder doch der Joker? Die Kandidaten der Union

  • CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht mehr und schon kommen die ersten aus der Deckung.
  • Friedrich Merz will es machen, auch Jens Spahn ist interessiert an Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur.
  • Doch bevor es um die nächste Wahl geht, muss der neue starke Mann der CDU erst seine Partei einen. Eine kaum lösbare Aufgabe.
|
Anzeige
Anzeige

In den ersten Stunden nach der Rückzugsankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer hat erst einmal keiner laut „Hier“ geschrien. Die Saarländerin hat hingeworfen, sie hat auf die Kanzlerkandidatur verzichtet und ihren Rücktritt auf den Parteivorsitz in Aussicht gestellt. Die K-Frage schwelte bereits in der Union, seit Angela Merkel klar gemacht hat, dass sie nicht ein fünftes Mal antreten werde als Kanzlerkandidatin. Die Entscheidung über den Parteivorsitz, die Kramp-Karrenbauer 2018 knapp gewann, hat die Debatte nicht beendet. Kramp-Karrenbauers Konkurrenten und vor allem auch deren Unterstützer haben ihre Ansprüche nicht aufgegeben und weil die Parteichefin Fehler machte, ließ sie ihnen den Raum. Nun ist die K-Frage mit aller Dringlichkeit ganz nach oben gerückt. Im Gespräch sind vier Männer – keine Frau –, davon alleine drei aus Nordrhein-Westfalen. Das große Lauern geht in seine akute Phase.

Auf den neuen Parteichef und Kanzlerkandidaten kommt eine schwierige Aufgabe zu: Er muss zunächst einmal die CDU einen. Der Eklat nach der Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten, bei dem der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Hilfe von CDU, FDP und der AfD hat gezeigt: Die CDU ist tief gespalten. Die Anhänger eines liberaleren Merkel-Kurses stehen gegen die, für die die Kanzlerin zum Symbol des Niedergangs der CDU wurde. Eng verbunden ist dies mit der Frage, ob und wie die Abgrenzung zur von Rechtsextremen mitbestimmten AfD funktioniert. Kramp-Karrenbauers Bemühen, die beiden Lager zusammenzuführen, scheiterte.

CDU-Mitgliederentscheid über Kanzlerkandidatur hat Union ausgeschlossen

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Auswirkungen haben könnte die Personalauswahl auch auf den Fortbestand der Regierung. Der Neue könnte Merkel zum Rücktritt drängen. Das geht direkt – schließlich hat Kramp-Karrenbauer ja ausdrücklich erklärt, dass die Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft nicht gut funktioniert. „Wenn er es entscheiden würde, dass diese Trennung nicht gut funktioniert, dann könnte das auch bedeuten, dass wir schneller auf Wahlen zulaufen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster in der ARD. Es ginge aber auch eine Spur subtiler, durch einen Kurswechsel der Partei, den Merkel nicht mittragen will. Auch Persönliches kann dabei eine Rolle spielen – zumindest mit einem der Kandidaten kann Merkel genauso wenig anfangen wie er mit ihr.

Einen Mitgliederentscheid über die Kanzlerkandidatur haben CDU und CSU qua Parteitagsbeschlüssen ausgeschlossen. Einen Wettbewerb mehrerer Kandidaten auf einem Parteitag halten viele in der Union für nicht sinnvoll, weil der Sieger bei einem knappen Ergebnis geschwächt sein könnte – siehe Kramp-Karrenbauer. Das bedeutet nichts anderes als: Die Aspiranten, alle mit gutem Selbstbewusstsein ausgestattet, müssten die Sache unter sich ausmachen. Zwei Daten könnten für den Zeitplan entscheidend sein: Die Kommunalwahl in Bayern am 15. März und die in NRW am 13. September. Ein Sonderparteitag wird nun wohl für Mai oder Juni angestrebt.

Warum ist keine Frau im Rennen um den CDU-Chefposten?

Anzeige

Im Gespräch ist nach dem Rückzug Kramp-Karrenbauers keine einzige Frau. Die Vize-CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat als Agrarministerin im Streit mit den Bauern erheblich an Unterstützung in ihrer Partei verloren. Die 47-Jährige ist zudem schon zwei Mal mit dem Versuch gescheitert, in Rheinland-Pfalz Ministerpräsidentin zu werden. Ursula von der Leyen, die lange als mögliche Merkel-Nachfolgerin galt, hat sich vergangenen Sommer an die Spitze der EU-Kommission verabschiedet. Den Posten wird die 61-Jährige nicht kurz nach Übernahme wieder verlassen, erst recht nicht kurz nach dem EU-Austritt Großbritanniens, dem Brexit. Ohnehin galt die Niedersächsin, die in Merkels Kabinett erst Familien-, dann Arbeits- und schließlich Verteidigungsministerin wurde, zwar als resolute Vorzeigefrau der Partei. Ein Unterstützer-Netzwerk in der CDU konnte sich von der Leyen allerdings nicht aufbauen. Und als Verteidigungsministerin ist ihre Bilanz durchwachsen. Am Donnerstag muss sie sich im Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre rechtfertigen.

Dass sich sonst keine weitere Frau aufdrängt, liegt auch an den Parteistrukturen: Nur ein Viertel der CDU-Mitglieder sind Frauen. Von einer durchgehend paritätischen Besetzung von Führungsgremien ist die Partei weit entfernt. Ein 30-Prozent-Quorum gibt es, es wird aber oft unterlaufen. Was die obersten Posten betrifft: Es gibt durchaus die in der CDU, die finden, nach 20 Jahren mit einer Frau als Parteichefin und 15 Jahren als Bundeskanzlerin, müsse mal wieder ein Mann ran. Wie in den 50 Jahren davor.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen