Der lange Weg durch diesen Winter

  • Corona wird zur Nervenprobe – die Deutschen verlieren langsam die Geduld.
  • Der Virologe Christian Drosten sieht ein düsteres Szenario für den Sommer.
  • Können wir uns wenigstens auf die Olympischen Spiele freuen?
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

verlieren Sie auch gerade die Geduld? Wird Corona auch in Ihrer Familie oder bei Ihren Freunden langsam zur Nervenprobe? Dann sind Sie nicht allein: Der aktuelle ARD-Deutschlandtrend, ein verlässlicher Begleiter durch den politischen Alltag, lässt auf einen Stimmungsumschwung auch in psychologischer Hinsicht schließen. Die persönliche Belastung durch den Lockdown steigt, das Vertrauen der Deutschen in die politische Führung schwindet. Bundes- und Landesregierungen müssen um den Rückhalt in der Bevölkerung für ihren Kurs in der Corona-Krise fürchten. Die klare Mehrheit dafür in der Umfrage jedenfalls ist dahin.

Kanzlerin Angela Merkel hatte schon im Dezember vorausgesagt, dass die „schlimmsten Wochen der Pandemie“ noch bevorstehen. Langsam wissen wir, was sie damit gemeint hat. Der Jahreswechsel war noch geprägt von der Hoffnung auf eine schnelle Impfung. Das viel beschworene Licht am Ende des Tunnels aber ist in diesem langen Monat Januar schon wieder deutlich dunkler geworden. Der Impfstart ist misslungen, der Lockdown wird verlängert.

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Täglich werden die Deutschen vor der Gefahr durch Corona-Mutationen gewarnt. Am Donnerstag von der Kanzlerin, gestern vom Bundes­gesundheits­minister, von der Spitze des Robert-Koch-Instituts und vom Berliner Virologen Christian Drosten. Die Pandemie, so ihre einhellige Botschaft, ist noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Drosten hat sogar große Befürchtungen für den Sommer, weil dann Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen aufkommen und sich vor allem die jungen Leute infizieren könnten. Er hält bis zu 100.000 Neuinfektionen am Tag für möglich. Ein Horrorszenario für eine Zeit, in der wir eigentlich schon wieder halbwegs entspannt leben wollten.

Was wird aus Olympia?

Je düsterer die Lage, desto wichtiger sind Perspektiven. Ausblicke also auf die Zeit nach der Pandemie, auf die wir uns freuen. Die Fußball-Europameisterschaft wäre ein Ereignis, das die Stimmungswende bringen könnte. Die Olympischen Spiele sind das nächste Hoffnungsereignis. Heute in einem halben Jahr sollen die um ein Jahr verschobenen Sommerspiele in Tokio beginnen. Ob sie wirklich stattfinden können, steht noch in den Sternen.

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In Japan ist gerade der Corona-Notstand ausgerufen worden. Es ist auch unklar, wie viele Menschen bis zum 23. Juli, wenn das olympische Feuer im 1,3 Milliarden Euro teuren Olympiastadion der japanischen Hauptstadt entzündet werden soll, geimpft sein werden. Und überhaupt: Wie groß ist die Impfbereitschaft unter den Athleten? Im RND-Report loten wir die Chancen für Olympia aus und werfen einen Blick auf den Leistungssport im Lockdown: Wie halten sich Sportler in Form, die seit Jahren auf einen Wettkampf hinarbeiten und dann doch befürchten müssen, dass er wieder verschoben wird?

Auf geht’s ins Superwahljahr

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Armin Laschet hat heute seinen ersten großen Termin als CDU-Vorsitzender. Er redet in Stuttgart bei der CDU Baden-Württemberg – also ausgerechnet dort, wo sein früherer Konkurrent Friedrich Merz besonders viele Anhänger hat. Im Ländle und in Rheinland-Pfalz wird bereits im März gewählt, es sind die ersten großen Bewährungsproben für Laschet. Der neue CDU-Vorsitzende ist nach dem virtuellen Parteitag vom vergangenen Wochenende nun auch in der Briefwahl mit mehr als 80 Prozent der Stimmen bestätigt worden. Das ist eigentlich eine Formsache, aber eben auch ein Novum in der Geschichte der Partei.

Geht die CDU jetzt geschlossen in die Wahlkämpfe, wird die Frage nach dem Kanzlerkandidaten wirklich erst nach Ostern beantwortet? Eva Quadbeck, stellvertretende RND-Chefredakteurin und Büroleiterin in Berlin, beschreibt in ihrem Leitartikel den Burgfrieden, den sich die Union auferlegt hat, um im Superwahljahr 2021 zu bestehen. „Pünktlich vor den ersten Landtagswahlen im Superwahljahr 2021 ist der Machtinstinkt der Partei wieder erwacht. Man zeigt Geschlossenheit. Das heißt nicht, dass die Konflikte bewältigt sind. Im Gegenteil: Unter der einigenden Oberfläche sind die Risse tief“, schreibt Quadbeck.

Armin Laschet ist jetzt auch per Briefwahl als CDU-Vorsitzender bestätigt. © Quelle: Marcel Kusch/dpa POOL/dpa

Zitat des Tages

Ich bin hoffnungsvoll, dass Urlaub im Sommer möglich ist und dann auch die Pandemie letzten Endes einen gewissen Schlussstrich erfährt.

Helge Braun, Kanzleramtsminister

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Vor dem Systemwechsel? Sie lässt nicht locker: Bundesumwelt­ministerin Svenja Schulze fordert eine Kehrtwende in der Landwirtschaft. „Unser Agrarsystem funktioniert nicht. Nicht für die Umwelt, nicht für die Tiere und auch nicht für die Landwirte“, sagt die SPD-Politikerin im Exklusivinterview mit RND-Hauptstadt­korrespondent Andreas Niesmann. Vor allem die Landwirte werden genau hinsehen – aber auch Bundes­landwirtschafts­ministerin Julia Klöckner, mit der Schulze, freundlich gesagt, im Wettbewerb steht.

Vor dem Ausverkauf: Dem Modehandel steht zum Ende des Winters eine besondere Rabattschlacht bevor. Schon jetzt sind viele Artikel im Onlinehandel stark reduziert, und die Preise könnten noch weiter fallen, prognostizieren Experten. Der Grund: Die Lager der Geschäfte sind randvoll. Durch den coronabedingten Lockdown hat der stationäre Handel weitaus weniger verkaufen können als sonst. RND-Wirtschafts­redakteurin Anne Grüneberg beleuchtet die Lage für Kunden und für Händler.

Videokolumne

­Weil Whatsapp neue Datenschutz­richtlinien angekündigt hat, wechseln Nutzer in Scharen zum alternativen Messengerdienst Telegram. Warum das keine gute Idee ist und welche Messenger­alternativen deutlich sicherer sind, erklärt unser Autor Matthias Schwarzer in der neuen Folge der Videoreihe „Auf dem Schirm“:

Video
Unzufrieden mit Whatsapp? Warum Telegram keine Alternative ist
6:03 min
Weil Whatsapp neue Datenschutz­richtlinien angekündigt hat, wechseln Nutzer in Scharen zum alternativen Messengerdienst Telegram. Warum das keine gute Idee ist.  © RND

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Ja, es geht zu langsam beim Impfen. Und es läuft manches schief. Aber es gibt eben auch die Geschichten von hochbetagten Senioren, die rechtzeitig geimpft werden und das als großes Geschenk empfinden. So wie 109-jährige Erika Kortum aus Neustadt in Schleswig-Holstein, die gestern den Piks erhielt. Ihr Kommentar: „Wat mutt, dat mutt.“ Eine kleine Geschichte der „Lübecker Nachrichten“, die Mut macht.

Die Termine des Tages

Demonstrationen: In rund 70 russischen Städten sind Proteste gegen die Inhaftierung von Kremlkritiker Sergej Nawalny und Repressionen unter Präsident Wladimir Putin geplant. Nawalny war am vergangenen Sonntag unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Moskau festgenommen worden.

Parteitage: Die CDU in Baden-Württemberg beschließt ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl am 14. März. Auch die Parteifreunde in Rheinland-Pfalz starten heute mit einem virtuellen Parteitag ins Superwahljahr.

Proteste: Entwicklungs­organisationen und linke Gruppen wollen vor dem Biontech-Firmensitz in Mainz sowie in Berlin und Hannover protestieren. Anlass sind die am 19. Januar begonnenen Verhandlungen der Welthandels­organisation (WTO), den Patentschutz auf Produkte und Technologien zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie temporär aufzuheben. Davon sollen vor allem die ärmeren Länder profitieren.

Wer heute wichtig wird

Alfred Gislason, Trainer der deutschen Handball-National­mannschaft, steht heute vor einer schwierigen Aufgabe: Er muss sein Team bei der Weltmeisterschaft in Ägypten für das Spiel gegen Brasilien noch einmal richtig motivieren. Denn die Aussichten auf ein Weiterkommen sind gering, aus eigener Kraft kann es das deutsche Nationalteam nicht schaffen. Gislason aber will nicht aufgeben: „Man sagt ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.“.

Der Podcast des Tages

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Jörg Kallmeyer

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