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Der „Kollaps“ droht – so soll das Waldsterben verhindert werden

  • Der Wald leidet unter der Hitze und steht laut Bund Deutscher Forstleute vor dem „Kollaps“.
  • Bundesagrarministerin Julia Klöckner will am Donnerstag in Berlin mit Verbänden über Nothilfen und eine große Wiederaufforstung beraten.
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema.
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Berlin. Für die einen ist er die pure Erholung nach einem anstrengenden Arbeitstag, für Jäger oder Förster ist er Lebensmittelpunkt. Vor allem aber ist der Wald wichtig für das ökologische Gleichgewicht und der stille Kämpfer gegen den Klimawandel. Doch Hitze, Dürre und heftige Unwetter setzen dem deutschen Wald schwer zu. Jetzt im Hochsommer sind die meisten Wälder staubtrocken, schon eine unachtsam weggeschmissene Zigarette kann ein Flammeninferno auslösen. Im Juni brannten 744 Hektar Wald in Brandenburg ab, der bisher größte Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes. Ein Überblick über die momentane Situation.

Wie viel Wald gibt es in Deutschland?

Deutschland ist etwa zu einem Drittel bewaldet. 11,4 Millionen Hektar gibt es in der Bundesrepublik. In den Wäldern stehen über 90 Milliarden Bäume. Bayern ist mit rund 2,6 Millionen Hektar Fläche der „Waldmeister“.

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Was macht den Wald so bedeutsam?

Der Wald ist die grüne Lunge und der wichtigste Verbündete beim Kampf gegen den Klimawandel. Die Bäume und Pflanzen speichern den Kohlenstoff im Boden und im Holz. Laut dem wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik gleicht der Wald 14 Prozent der gesamten Emissionen in Deutschland aus. Daneben ist er Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, Erholungsgebiet für die Menschen und Wirtschaftsfaktor für Arbeit und Einkommen in den ländlichen Regionen.

Wie schlecht steht es um den Wald?

Laut Bund Deutscher Forstleute (BDF) steht der Wald vor dem „Kollaps“ und einer finsteren Zukunft: „Der Wald ist der Klimaretter schlechthin, aber aktuell ist der Wald selbst Opfer der Klimakatastrophe“. Er fordert eine „auskömmliche Finanzierung der Aufräumarbeiten im Wald“. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) spricht nach dem Waldsterben in den 80er Jahren bereits vom „Waldsterben 2.0“. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sind seit 2018 120.000 Hektar Wald abgestorben. Besonders Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen leiden erheblich unter den Folgen des Klimawandels.

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Wald ohne Zukunft? Die Bedrohung der globalen Entwaldung
1:38 min
Die Hauptursachen sind das Wachstum der landwirtschaftlichen Nutzflächen, Abholzung, Waldbrände und Bergbau.Die Zerstörung findet in fünf Ländern statt.  © Jan Jüttner/AFP

Was genau macht dem Wald zu schaffen?

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Brände, Stürme, Dürre und Schädlinge setzen dem Wald zu. Im vergangenen Jahr haben Brände eine Waldfläche von 3000 Fußballfeldern zerstört. Laut Experten betrug 2018 die Menge an Schadholz rund 32 Millionen Kubikmeter, für dieses Jahr wird mit weiteren 35 Millionen gerechnet. Dieses Schadholz verhindert die Neuaufforstung des Waldes. Es ist oftmals vom Borkenkäfer befallen und würde sich auf neue Bäume und Setzlinge ausbreiten.

Wie plant die Politik?

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, will das Schadholz in großem Stil beseitigen lassen. Dafür sollen betroffene Forstbetriebe weiter steuerlich entlastet werden. Zum anderen plant Klöckner, die Wälder widerstandsfähiger zu machen und an den Klimawandel anzupassen. Dabei sollen die heimischen Bäume die Basis darstellen. Zudem soll im Zuge der Aufforstung geprüft werden, ob nach Europa eingeführte Baumarten besser mit hohen Temperaturen und Dürren zurechtkommen. Die Ministerin fordert eine halbe Milliarde Euro für die Bewältigung aller aktuellen Waldschäden. Zudem will Klöckner für September einen nationalen Waldgipfel einberufen. Angesichts der Lage der deutscher Wälder und der Klimakrise hält sie außerdem eine starke Holzwirtschaft für notwendig, wie sie am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk sagte.

Wie sieht die Lage im Ausland aus?

In Sibirien haben heftige Waldbrände eine Fläche von der Größe Brandenburgs zerstört. Die nationale Forstbehörde gab an, dass die Feuer durch „anormale“ Hitze von knapp 30 Grad und heftige Winde immer wieder angefacht werde. Zuletzt gab es auch in Alaska und Kanada große Flächenbrände. Große internationale Sorge bereiten derzeit aber vor allem die Waldbrände im Amazonas-Gebiet, welches als "Lunge der Erde" angesehen wird.

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Hunderte neue Feuer im Amazonas ausgebrochen
0:43 min
Im Amazonas-Gebiet sind in den vergangenen Tagen hunderte weitere Waldbrände ausgebrochen.  © Jan Jüttner/Afp
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Doch es gibt auch positive Beispiele: In Äthiopien wurde zuletzt ein neuer Weltrekord im Bäume-Pflanzen aufgestellt. Innerhalb von nur zwölf Stunden pflanzten die Einwohner, des von Trockenheit geprägten Landes, 354 Millionen Setzlinge. Dafür sollen sogar öffentliche Einrichtungen geschlossen worden sein, damit sich auch Staatsbedienstete an der Umwelt-Aktion beteiligten konnten. Ministerpräsident Abiy Ahmed fordert jeden der 100 Millionen Einwohner dazu auf, in diesem Jahr 40 Bäume zu pflanzen.