• Startseite
  • Politik
  • Der Klimastreik feiert in ganz Deutschland sein Comeback: “Sowas von da”

“So was von da”: Der Klimastreik feiert sein Comeback

  • Mit Maske und Abstand: Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wurde am Freitag wieder weltweit für den Umweltschutz gestreikt.
  • Auch in Deutschland gingen Tausende Klimaaktivisten auf die Straßen.
  • Die Stimmung auf der Kundgebung in Berlin war kämpferisch.
Sophie Schade
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. “Menschen wollen unsere Resignation – doch das kriegen sie nicht!” Eine Mischung aus Verzweiflung und Kampfgeist geht von Luisa Neubauer aus, als sie beim Klimastreik vor dem Brandenburger Tor vor Tausenden Menschen ihre Rede hält.

Verzweiflung, weil die umweltpolitischen Maßnahmen wie zum Beispiel der Kohleausstieg bis 2038, den die Bundesregierung beschlossen hat, den Aktivisten von Fridays for Future längst nicht weit genug gehen.

Video
Die Rückkehr des globalen Klimastreiks
2:46 min
Weltweit haben am Freitag Menschen für mehr Maßnahmen gegen die Erderwärmung demonstriert.  © Reuters
Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Kampfgeist, weil die Jugendbewegung es geschafft hat, dass Klimaschutz ein Jahr nach dem ersten globalen Klimastreik auch inmitten einer weltweiten Pandemie auf der politischen Agenda wieder ein Stückchen weiter nach oben rückt. “Wir sind so was von da”, ruft Luisa Neubauer den Demonstrierenden zu, die bis zur Siegessäule standen. Zur Bestätigung antwortet ihr die Menge mit lautem Jubel.

Fridays for Future hatte am Freitag zu einem globalen Klimastreik aufgerufen. Weltweit wurden laut der Umweltbewegung an mindestens 3000 Orten Streiks angekündigt. In Deutschland waren über 400 Demonstrationen unter dem Motto “Kein Grad weiter” angemeldet – erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie. In Baden-Württemberg wurden mehrere Tausend Teilnehmer bei den über 50 Aktionen und Protestzügen im Land erwartet. Das seien zwar deutlich weniger als im vergangenen Jahr, allerdings räumte eine Stuttgarter Aktivistin auch ein: “Das war im vergangenen Jahr einfach eine andere Situation.”

Zwischen Sitzblockade und Instagram

Anzeige

Auch in Nordrhein-Westfalen gingen die Klimaaktivisten zahlreich auf die Straße: In Köln schätzten die Organisatoren kurz nach dem Start zur Mittagszeit die Teilnehmerzahl bereits auf rund 7000. In Bonn berichteten die Veranstalter von 3000 Teilnehmenden, die Polizei von rund 2000. Die Demonstration verlaufe ohne Störungen, sagte ein Polizeisprecher. Am Nachmittag sollte es auch eine Kundgebung am Landtag in Düsseldorf geben.

Die Demonstration in Hamburg war in der Form erst kurz zuvor durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg möglich geworden. Die Versammlungsbehörde wollte ursprünglich nur zwei Demonstrationszüge mit maximal 1000 Demonstrierende zulassen. Nun waren pro Zug, wie ursprünglich von Fridays for Future geplant, 3500 Menschen erlaubt. In Bremen wurden gegen Mittag etwa 2000 Teilnehmende gezählt. Greta Thunberg demonstrierte unterdessen wieder vor dem schwedischen Parlament in Stockholm – wie ganz zu Beginn der Bewegung, die sie genau dort allein und mit einem Pappschild in der Hand gestartet hatte.

In Berlin kamen mehrere Tausend Menschen zur zentralen Kundgebung am Brandenburger Tor. Die angemeldeten 10.000 Teilnehmer wurden laut einer Sprecherin der Polizei aber zunächst nicht erreicht. Der Streiktag wurde hier mit einer Sitzblockade eröffnet. Der Regen hielt die Aktivisten davon nicht ab – wie Sarah (22), auf deren Schild zur Sitzblockade stand: “Heute wieder Klima retten. Gar kein Bock.”

Der Protest wird zugleich in die sozialen Netzwerke getragen: Jana (29) und Caro (30) drehten zum Beispiel für ihre Instagram-Story Videos, um ihre Follower am Klimastreik teilhaben zu lassen.

Neubauer: “Jede demokratische Partei braucht 1,5-Grad-Plan”

Luisa Neubauer nutzte als Hauptorganisatorin der Bewegung in Deutschland die große Bühne vor dem Bundestag – auch mit Blick auf kommende Wahlen: “Wir werden im nächsten Jahr alles, was in unserer Macht steht, dafür tun, dass diese Bundestagswahl die erste ist, in der jede demokratische Partei einen 1,5-Grad-Plan hat”, versprach Neubauer.

Video
Umweltministerin Schulze in RND-Videoschalte: “Gut, dass Fridays for Future weiterkämpft”
4:50 min
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht im Interview mit RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki über Klimaschutz in der Corona-Krise.  © RND

Es war der erste bundesweite Klimastreiktag seit Ausbruch des Coronavirus – das Comeback gilt aus Veranstaltersicht als geglückt. Auch dank entsprechender Schutzmaßnahmen: Die überwältigende Mehrheit der Klimaaktivisten trug die Maske vorschriftsgemäß über Mund und Nase. Die Abstände waren mit weißen Punkten aus Mehl auf dem Boden markiert. Schrumpften die Lücken zwischen den Teilnehmenden gelegentlich, erinnerten die Organisatoren sie an die Regeln.

Eine Pflegerin prangerte in ihrer Rede an, dass Gesundheit in der Politik immer noch nicht den Stellenwert hätte, der ihr gebühre. Das würde zum einen an den schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege deutlich – zum anderen aber auch an zögerlichen Maßnahmen für besseren Klimaschutz.

mit dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen