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Der goldene Zverev und die drohende Misere für Team Deutschland

  • Deutschland jubelt dank Alexander Zverev, der in beeindruckender Manier als erster deutscher Mann das olympische Tennisturnier gewinnt.
  • Doch diese Momente werden rar und könnten in Zukunft noch seltener vorkommen.
  • Derweil sichert sich ein Italiener den wichtigsten Titel der Spiele.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

um 11.37 Uhr deutscher Zeit ist es endlich so weit: Sport-Deutschland hat seinen ersten ganz großen Moment der Spiele von Tokio. Alexander Zverev schmeißt seinen Schläger zur Seite und sinkt auf die Knie. Er besiegt den Russen Karen Chatschanow im Finale des Tennisturniers und sichert sich damit einen Eintrag in den Geschichts­büchern. Das, was Boris Becker, Michael Stich oder Tommy Haas nicht schafften, gelingt dem 24-Jährigen in beeindruckender Art und Weise: olym­pisches Gold im Einzel der Männer.

Beeindruckend ist dieser grandiose Erfolg nicht nur wegen seiner dominanten Spielweise, sondern vor allem, weil Zverev den olym­pischen Gedanken so vermittelt, wie er wohl einst von Olympia­vater Pierre de Coubertin gedacht war. „Ich habe keine einzige Sekunde für mich selbst gespielt. (…) Ich habe für ganz Deutschland gespielt“, sagte der Hamburger im Anschluss im ZDF-Interview.

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Nach allen Diskussionen rund um die Austragung der Spiele lässt dieser Moment das olympische Feuer nun doch ein bisschen heller lodern. Denn es zeigt sich der ganz besondere Spirit, der Menschen rund um den Globus begeistert.

Nur wenige Stunden später sorgen drei Personen erneut für herz­erwärmende Szenen. Schauplatz: das Olympiastadion. In einem packenden Sprintfinale über 100 Meter – traditionell das Spektakel der Wettkämpfe – setzt sich der Italiener Lamont Marcell Jacobs durch und läuft in 9,80 Sekunden zu Gold. Mit einem europäischen Rekord beerbt er den Jamaikaner Usain Bolt als schnellsten Mann der Welt – und ist der erste Europäer seit 1992, der in dieser Disziplin gewinnt.

Doch der wahre Gänsehaut­moment erfolgte wenige Minuten zuvor. Der Italiener Gianmarco Tamberi und der Katarer Mutaz Essa Barshim liegen sich freudestrahlend in den Armen. Was ist passiert?

Im Finale des Hochsprungs überspringen beide Athleten die 2,37 Meter, scheitern aber anschließend an der nächsten Höhe. Als der Schieds­richter das weitere Prozedere erklärt, fragt Barshim: „Können wir beide Gold haben?“ Sie können – und schaffen damit einen Moment wahren Sportsgeistes.

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Zwei Olympiasieger im Hochsprung: Gianmarco Tamberi (links) und Mutaz Essa Barshim jubeln über ihre Goldmedaillen. © Quelle: Oliver Weiken/dpa

Doch wie geht es nun weiter für das Team Deutschland? Nach neun Wettkampftagen steht folgende Bilanz zu Buche: viermal Gold, viermal Silber, elfmal Bronze und Platz elf im Medaillenspiegel. Auch wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) keine bestimmte Anzahl vorgegeben hat, prognostizierte der amerikanische Daten- und Analysedienst Gracenote 35-mal Edalmetall für das Team – das sind sieben Medaillen weniger, als in Rio de Janeiro 2016 gewonnen werden konnten.

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+++ Alle Infos zu den Olympischen Spielen finden Sie in unserem Liveblog. +++

Positiv ist, einige Eisen haben wir noch im Feuer. Hier eine kleine Auswahl, auf welchen Athletinnen und Athleten besonders große Hoffnungen liegen:

  • Nach der Dressur und dem Geländeritt liegt sie auf Platz zwei, um 10 Uhr kann sich die Vielseitigkeits­reiterin Julia Krajewski im abschließenden Springreiten eine Medaille sichern.
  • Silber hat sie bereits, doch um 14.20 Uhr geht es heute für Aline Rotter-Frocken im Ringen um Gold.
  • In den Bahnrad­wettbewerben zählen Emma Hintze und Lea Sophie Friedrich zu den Favoritinnen. Um 11 Uhr treten sie im Teamsprint an.
  • Die Hockeymänner haben ihr Viertel­finale gewonnen und stehen im Halbfinale.
  • Auch in der Leichtathletik bestehen gute Chancen: Allen voran Malaika Mihambo (Weitsprung) und Johannes Vetter (Speerwurf) gelten als Topfavoriten. Aber auch für Niklas Kaul (Zehnkampf) und Gesa Felicitas Krause (3000 Meter Hindernis) sind die Wettkämpfe aussichtsreich.

Trotzdem droht Deutschland ein historisch schlechtes Abschneiden. Tritt dieser Fall ein, sollte sich der DOSB stark hinter­fragen. Denn die Wertschätzung der Sportlerinnen und Sportler ist hierzulande wesent­lich geringer als anderswo.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Während deutsche Olympia­siegerinnen und ‑sieger eine Prämie von 20.000 Euro von der Deutschen Sporthilfe erhalten – und das auch nur einmalig, selbst bei mehrfachem Goldgewinn –, bekommen Italiene­rinnen und Italiener pro Goldmedaille 150.000 Euro sowie zusätzlich 120.000 Euro in vier Jahresraten.

Großartige olympische Momente, wie mit Alexander Zverev, könnten also in Zukunft rar werden. Im deutschen Sportsystem muss sich daher einiges ändern – und das schnell, denn die nächsten Olympischen Spiele in Paris finden schon in drei Jahren statt.

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